5+3

Mein Kleines,

solche unglaubliche Angst habe ich heute um dich. Gestern noch war da so viel mehr Sonne, wenig Blut, nur noch altes. Ich hatte wieder ein bißchen mehr Hoffnung. Heute morgen gleich nach dem Frühstück eine lange Spur Blut im Schleim. Nicht weiter schlimm, wenn man nicht gerade eigentlich schwanger ist. Und dann immer wieder etwas. Nach gestern hatte ich gedacht, es bestünde die Chance das alles hinter uns zu lassen, als grausame Erinnerung einfach abzulegen, aber es ist nach wie vor Realität. Ich kann nichts tun, ich fühle mich so hilflos.
Und auch wenn ich all das wusste, die Risiken kannte, bin ich in Liebe und Hoffnung in dieses Abenteuer gelaufen. So voller Hoffnung, bei den Worten fang ich gleich an zu Weinen.
Dein Papa sagt, ich solle noch nicht aufgeben. Noch sei nichts sicher. Sicher ist alles erst morgen. Aber weißt du…ich gebe dich nicht auf, immer zu spreche ich mit dir. Voll Liebe. Aber ich kenne auch die Realität.
Gott Kind, ich hab solche Angst um dich. Wird das unser letzter Tag sein? Wird es nicht mal heute? Wird es noch viel mehr bluten, kommt jetzt alles?
Warum passiert das nur? Warum so viel Drama, Angst und Sorge. Bis gestern dachte ich noch an die Tabletten als Ursache, bis vorhin dachte ich noch an all die Frau, die ebenfalls immer mal wieder blutet und kerngesunde Kinder austrägt.
Ich will dich so sehr. So sehr. Wenn ich könnte, wenn ich nur irgendwie mit sprechen könnte, wärst du das letzte Wunschkind. Bitte, hört mich irgendwer? Ich will dich nicht verlieren! Bitte! Bleib bei mir. Bei uns. Lebe einfach!

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So häufig waren die Blutungen noch nie. Die Stärke ist nach wie vor gleich, würde ich sagen und ich bin unendlich froh über jeden Toilettengang, in den es nicht tropft. Aber die Angst wird nur größer. Und realer.
Ich weiß nicht wie sonst ausdrücken. Ich versuche mich bereit zu machen für morgen. Was wird man mir sagen? Was werde ich sehen? Mit was werde ich leben müssen?
Ich habe das Gefühl mich von dir verabschieden zu müssen. So langsam. Es einfach akzeptieren zu müssen, aber ich kann nicht. Es fühlt sich falsch an und… kann man sich auf so etwas überhaupt wirklich vorbereiten? Ich bin, ich war so stolz auf mich. Seit Samstag warte ich auf morgen… Mittwoch. Und heute einen Tag vorher bin ich so in Unruhe. Warum war es nur gestern schon so gut und heute wieder so schlecht? Wieso nur? Warum heute so oft? Ich will mich nicht verabschieden. Ich kann noch nicht. Bleib doch einfach.

Kann nicht einfach ein Wunder geschehen? Du sitzt da drinnen und genießt dein kleines Leben, während nur ich mich verrückt mache? Ginge das? Fühlst du meine Liebe? Ich liebe dich.

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