29+3

Ich hatte mich auf den heutigen Tag gefreut. Auf die Geburtsvorbereitung am Abend mit dem geliebten Mann. Ich war gestern so glücklich, wie der Alltag flutscht, wie gut es mir geht. Klar war ich gestern Abend total kaputt, aber ich hielt das für normal und der Tag war einfach nur schön gewesen, so rund.
Heute morgen denke ich wieder an die Wochen, die noch vor uns liegen. Ich denke an mein Gewicht, das mir so dermaßen egal ist, weil es so viel wichtigeres gibt. Und dann geht ich zur Toilette und wische Blut ab. Ich war weder routiniert, noch gelassen, ich hatte eine riesengroße Angst. Und weil ich vernünftig sein wollte und ausschließen, dass es Emil schlecht geht oder eine Geburt beginnt, der Muttermund sich öffnet, war ich bei meinem Arzt. Nicht im Krankenhaus, sondern beim Arzt.
Dort wartete ich erstmal 45 min nachdem der Hinweg schon voller Sorge war. Sind wir rechtzeitig losgefahren, hätte ich schneller sein sollen, ich hatte extra versucht ruhig zu bleiben, schlägt dein Herz noch? Löst sich die Plazenta? Ich hatte so Angst und dann saß ich da rum, bis dann endlich der Arzt meinen Namen durch sagte. Ein kurzer Schall, ohne nette Worte, im Gegenteil er warf noch mit dem Wort „Nabelschnurblase“ um sich, von dem ich keine Ahnung habe, was es bedeutet. Nix. Danach Hose runter, gucken mit den Fingern, ob der Muttermund auf oder zu ist, war zu und Tschüss. Ich hatte dann nach dem Labor, dass man huschhusch noch schnell hinzufügte, damit ich morgen nicht noch mal kommen muss (an meinem regulären 3. Screening) nur noch die Chance zu fragen, wann ich denn wieder kommen soll- in vier Wochen. Haha.
Erstmal hätte man im Krankenhaus im Kreisssaal sofort ein CTG geschrieben, als Allererstes, dem hätte eine vaginale vorsichtige Untersuchung gefolgt mit Abstrich! und danach noch ein Schall.
Zu Hause sah ich dann, dass er weder die Maße für das dritte Screening eingetragen hatte, Emil war wieder zwei Wochen weiter, und sich auch noch verschrieben, statt Blutungen nach der 28. SSW steht nun die Kürzelnummer für Abusus in meinem Mutterpass. So beschissen betreut fühle ich mich schon die ganze Schwangerschaft. Niemand, der wirklich für mich da ist. Mir sagt, Plazenta sieht super aus, Nabelschnur arbeitet, Fruchtwassermenge normal, mir einfach glaubhaft wenigstens versucht zu versichern, es sei alles in Ordnung. Nichts. Ihr Kind liegt in Schädellage. Nichts. Kein bitte melden Sie sich, wenn die Blutungen schlimmer werden. Nix. Bisher hat mich niemand von dem Verein informiert, ob meine Werte gut sind vom Zuckertest und der letzte Abstrich. Und wechseln trau ich mich fast nicht, weil der Arzt so eng verbandelt ist mit dem Krankenhaus. Schnellere Betreuung ohne Anmeldung. Er versteht sein Handwerk (angeblich, hat einen sehr guten Ruf), aber man zieht am Eingang eine Nummer. Und jedesmal beim Schall fragt er nur die immer gleiche Frage: Wie schwer war ihr schwerstes Kind? Jedes Mal neu. Er hat keine Ahnung wer ich bin.
Jetzt sitze ich hier verzweifelt, weil ich natürlich nachdem (!) ich die Praxis heute verließ noch zweimal Blut fand. Und nach der Untersuchung starke Schmerzen hatte im Unterbauch. Das ich noch hier sitze, verdanke ich Emil, der sich bewegt und das sie wieder aufhörten. Ich hab 450mg Magnesium eingeworfen. Und warte auf meine Schwiegermama und Mann. Bin extrem reizbar, weil sowas von überfordert und mental einfach nicht mehr dafür ausgelastet und möchte nur weinen. Vor unbändiger Angst, ich könnte was übersehen und das Leben von Emil riskieren. Ich hab Angst. So große. So sehr. In solchen Momenten merke ich, dass ich nie wieder schwanger werden möchte. Egal wie wunderschön es abends mit Emil im Bauch ist… diese Hölle… ich möchte das nie mehr erleben.

Ich neide anderen Frauen ihre unkomplizierten Schwangerschaften. Ich möchte doch einfach nur meinen gesunden Emil. Ich möchte weder lange im Krankenhaus sein, noch ihn im Brutkasten, ich möchte einfach nur ganz normal und pupslangweilig kugeln.

PS: Ich hätte all das „verstanden“, dieses BLut, beim Kranksein, bei den schlimmem Hustenattacken, beim Ausflug von Noah (obwohl ich weiß Gott so unendlich dankbar sind, dass wir diese Tage so sorgenfrei erleben durften!!!), letzte Woche als Nils nicht da war und ich einmal Ben mit Zoe ins Bett trug, aber da war nichts, dafür heute morgen? Ich versteh es nicht. Und das macht mir zusätzlich Angst.

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