Ein zu gehender Weg.

03.03.2013
Ich möchte das nicht und dennoch kann ich gar nichts dagegen tun. Ich kann nicht glauben, dass es in diesem Jahr zwei Jahre her sein soll, dass wir dich verloren haben und das alles macht mich sprachlos. Ich flüchte mich in meinen erfüllten Alltag und versinke in meinem Alltagsglück, aber die Bilder kommen wieder, gerade jetzt.
Sie verblassen aber auch. Ich kann mich immer weniger an den Unfall erinnern. An genaue Details, körperlich oder besser der seelische Schmerz, die Seelenerinnerung tut körperlich weh und braucht keinerlei Detailtreue. In dieser Woche sind wir wie immer Bus gefahren, etwas das ich Problemlos tun kann, aber auf einmal saß Tom da in der Mitte des Busses auf dieser Stange wie am Tag des Unfalls und ich redete so lange auf ihn ein, eigentlich auf beide, denn Ben fühlte sich inspiriert von seinem älteren Bruder, bis beide wieder woanders saßen und es nicht mehr so ungut war. Es fühlte sich so schrecklich an.
Aber… ich stand an diesem Tag nicht so in dem Bus, das wurde mir erst Stunden später klar. Ich kann nach wie vor keinen Rollator sehen ohne an dich zu denken. Man muss sich das einfach vorstellen, ich lebe ohne dich. Jeden Tag. Aber es hat dich gegeben. Ich hab dich geliebt, so sehr. Wir alle. Und jetzt bist du nicht mehr da. 2 Jahre? Das tut so weh. Und ich sehe Emil, deinen Bruder und bin glücklich darüber, dass es ihn gibt, aber du fehlst ja trotzdem. Ich denke oft an dich. Meistens nicht versöhnt und glücklich, ich bin dann traurig, weil du nicht zu dem Teil unseres Lebens gehörst, in dem ich dich gerne hätte.
Du bist mein Kind. Und ich liebe dich nach wie vor. Unersetzlich. Unvergessen.

Einen Tag später und ich platziere die Kinder zu mir genau an diese Stelle, es ist als durchbrechen wir einen Kreis.

07.03.2013
Es ist Abend und von Tag zu Tag wundere ich mich darüber mehr, wie ungeduldig ich bin, warum ich soviel putze… Ich renne davon. Ich laufe und laufe und ich weiß eigentlich, dass dieser Kampf so aussichtslos ist. Ich kann ja die Zeit nicht anhalten oder überspringen. Und dennoch fühle ich mich so hilflos wie kurz nach deiner Bestattung. Ich möchte um mich schlagen und eigentlich in den Arm genommen werden. Ich weiß einfach nicht wohin mit mir. Und ich muss das aufschreiben, um aus diesem schlechte Mutter Kreislauf zu entfliehen. Es ist nicht meine Schuld. Es ist ein natürlicher Prozess. Wie nur gebe ich dem Raum? Woher soll ich wissen, wie das geht? Und warum kommt das so plötzlich? Warum brauch ich das grad? Der Tag an sich ist doch schon schlimm genug, bis dahin sind noch über zwei Wochen, ich kann das so nicht. Ich schaff mich so nicht. Und ich merke in meinen Worten genau das, dieses Rudern und Fliehen wie in der ersten Zeit. Aber man entkommt weder sich selbst, seinen Gefühlen, noch der Trauer.

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