Tag 2

Heute morgen wurde ich unsanft durch des Mannes Wecker aus dem Bett geworfen und mit mir gleich die beiden Kleinen, ich gab mein Bestes mich tot zu stellen, aber es klappte nur mässig und wenn ich weiß, dass ich unbedingt rechtzeitig fertig sein muss, ist das mit dem entspannen und rumhängen irgendwie ein wenig erschwert. Also gab ich mich geschlagen und begab mich unter die Dusche, damit ich mit dem Kindergartenkind unter großem Protest des Nochnichtaberganzbald-Kindergartenkindes frühzeitig aus dem Haus käme, denn das sollte bis 8Uhr im Kindergarten sein wegen dem geplanten Ausflug ins Krankenhaus, der aber gestern am Nachmittag von eben diesen noch kurzfristig abgesagt wurde… Wie furchtbar waren die Gesichter der Kinder anzusehen und die armen Überbringer der Botschaft.
Von da aus suchte ich einen Weg in den Supermarkt um mir Wasser und einen kleinen Snack zu besorgen, was auf Grund des Aufbaus vom Volksfest gar nicht so einfach war und im Laufe des Umherirrens bemerke ich den Wunsch eine Toilette aufzusuchen, was wiederum auch nicht so einfach war, weil ich Probleme habe nach Schlüsseln zu fragen und Kontakt mit Menschen aufzunehmen, also lief ich zur Bücherei die laut Internet geöffnet hätten haben sollen, aber das war glatt gelogen! Also musste ich wieder zurück zur Hauptstraße, traute mich das WC ohne zu fragen natürlich in einem Bäcker aufzusuchen, in dem ich noch nie zum Frühstücken war und begab mich dann mit eiligen Schritten ohne Umschweife zum Bahnhof, um in die Stadt zu meiner Rheumatologin zu fahren. Wo mir dann mitgeteilt wurde, dass ich zu früh sei und warten müsse, was mich ja überhaupt nicht störte, denn so konnte ich mein E-book in Ruhe weiterlesen. Was mich allerdings dann doch störte waren das Ausfüllen eines Fragebogens und das Labor nach dem Sehen meiner Ärztin, dass man wunderbar hätte in diese Zeit des Wartens packen können, was mir leider mein Lesevergnügen genommen, aber ach egal… Der Termin war wenig spektakulär, bisher vertrage ich das Medikament ganz gut, aber dennoch habe ich leichte Schmerzen täglich, ich darf gespannt sein. Sie konnte mich auch etwas beruhigen, da der Hausarzt etwas dramatisch geschildert hatte, dass ich quasi sofort bei kleinsten Krankheitsanzeichen zu ihm müsste, weil ich unter der Therapie eine eingeschränkte Immunabwehr hätte, sofort ein Antibiotikum bräuchte und eigentlich kennt er sich ja auch gar nicht aus und so weiter und so fort…
Jedenfalls begab ich mich ohne Umschweife erneut zur S- Bahn um den Weg zurück anzutreten und verpasste um wenige Sekunden meine Umsteigebahn. Aber wie es immer so schön heißt, „Wo sich die eine Tür schließt, öffnet sich eine andere…“, traf ich doch allen ernstes meine Lieblingsschwägerin unverhofft, mit der ich noch schön Schwatzen konnte. Wir tauschten mehr oder minder unsere Leidensgeschichten aus, wir kommen anscheinend in so ein Alter und dann war sie leider auch schon weg. Zu gern wäre ich ja einen Happen essen gegangen oder einen Kaffee trinken, das müssten wir dann mal ein anderes Mal nachholen, finde ich. Ganz dringend!
Auf dem Weg heim hatte ich dann die grandiose Idee noch ins Freibad zu fahren und etwas für den Rücken zu tun, es wären nur wenige Minuten gewesen, aber ich hätte sie genossen. Gut vorbereitet hatte ich Handtuch und Badeanzug dabei, aber kein Kleingeld, also stieg ich zwar am Familienbad aus, aber lief schimpfend über meine eigene Blödheit, denn ich hatte bestimmt 10min am Bahnhof wartend auf den richtigen Bus sinnbefreit herum gestanden und holte mir unterwegs frech eine Kugel Eis, die ich pflichtbewusst inhalierte bevor mich jemand unter 1,50m erwischen konnte. Im Kindergarten wurde sofort die Abwesenheit des Babies bemerkt und dann hatte ich handyakkulos noch Zeit zum Schaukeln mit vorschriftsmässig verträumt in den Himmel gucken und um mehr oder minder entschleunigt nach Hause zu fahren, weil ich ja eh nicht wusste wie spät es ist. Was mich und das Kind aber nicht davon abhalten konnte zu streiten, worüber hab ich schon wieder vergessen. Zu Hause erwartete mich der arbeitende Mann und zwei jüngere Kinder sowie die Menschen vom Kundendienst, die heute hätten unsere kaputte Kochplatte austauschen sollen. Die standen da auch noch eine ganze Weile bis Polizei und Feuerwehr da waren um das Gefährt abzuschleppen, das Öl verlor und selbiges zu besanden. Was dem Mann aufgefallen war beim Verabschieden der Herren. Anschließend ging ich so mässig begeistert dem Kochen, aufräumen und so weiter nach bis das Tochterkind heim kam vom langen Dienstag und wir uns auf die Kuchenreste stürzten und ich Kakao machte für alle. Das war wohl heute der allerschönste Moment, als der kleine Kobold auf dem Tisch saß und genüsslich das Topping wie ein Eis abschleckte, über und über mit Schokolade verschmiert war, Kuchenkrümel nur so rieselten, alle lachten und voller Zucker waren, es überall aussah wie Hulle, denn viel besser als aufräumen ist Chaos verbreiten, wie die Tochter immer so schön sagte und ich nur dachte, jetzt müsste uns mal einer sehen, wie wir hier wie bei den Hottentotten aufm Tisch essen unbeeindruckt von Unordnung und der Welt…
Es sei gesagt, dass ich leider im Anschluss voll der Spielverderber war und dann wieder versucht habe, etwas Ordnung herzustellen und brav das Süßigkeitenregal aufzuräumen und nebenher so viele Gummibärchen aß bis mir schlecht davon wurde, was ich so gut wie nie mache, weswegen mir ja überhaupt nur so schnell übel werden konnte und weil die Tochter grad in der Küche war, hatte ich geteilt, quasi als Schweigegeld, aber verraten Sie das bloß nicht meinen Söhnen! Kein Wort zu niemanden! :)

3 Responses to “Tag 2”

  1. Andrea Says:

    Tolle Einblicke. Das gefällt mir total gut. Fühle mich wohl bei dir ;-)

    Liebe Grüße
    Andrea

  2. kassiopeia Says:

    Danke sehr! :)

  3. frau musgrave Says:

    grossartiger bericht!!