Gretchenfrage

Es kann sein, dass ich mich ein halbes Jahr lang mit einer Frau treffe und noch immer nicht
weiß, was sie beruflich eigentlich macht(e). Weil es keine Rolle spielt. Man versteht sich blind.
Irgendwann weiß man es schon, vorallem wenn die Frauen wieder arbeiten gehen, ist man an
diesem Bereich vielleicht wieder mehr interessiert. Es nimmt Raum ein.
Ich lerne aber auch neue Frauen kennen. Frauen, mit denen man schöne Nachmittage verbringt.
Auf mangelnde Erreichbarkeit frage ich interessiert: „Sage mal, was machst du eigentlich?!“
Sie redet. Ich lausche. Man kommt kurz vom Thema ab, redet und erst nach fünf Minuten
fragender Blick: „Und was hast du so vor den Kindern gemacht?!“

BrakePoint. Ja also. Es gibt Frauen, die mich gut kennen, Frauen die mir nicht das Gefühl geben
ich müsste mich beweisen, Frauen die immer mindestens 10 Jahre älter sind oder gar 20. Bei
denen ich mich wohl fühle. Und es gibt andere Frauen. Mir wird heiß und kalt. „Das ist eine
schwierige Frage!“ Aber ist es das wirklich? Was bin ich? Eine Frau, die früh keine Ahnung hatte
wohin es beruflich gehen soll, aber sich sicher war, Kinder zu wollen. Also Kinder vorwärts.
Das wäre eine Variante. Man könnte auch sagen, ich bin Künstlerin. Aber warum rutscht mir
das „nichts“ nicht einfach so über die Lippen?!
Die Wahrheit ist, es ging mir mit 17 sehr schlecht. Ich zog zu Hause aus. Ich zog in eine eigene
Wohnung. Ich überlebte. Ich stand spät auf und ging noch später ins Bett. Aber ich bezahlte
meine Rechungen, hatte etwas zu Essen und machte keinen Ärger. Als ich mich entschloss doch
mein heißersehntes Abi zu machen und in die 11. Klasse zurück zukehren, lernte ich Nils kennen,
der 600km weiter weg wohnte. Nils hatte noch ein Jahr bis zum Ende seiner Ausbildung! Nur
ein Jahr. Aber wir konnten nicht warten. Er hatte etwas, ich nichts. Also brach ich mit allem und
zog weg, 600km weit weg, mit einer Lehrstelle in der Tasche. Aber das war nicht das richtige.
Ich war noch nicht soweit, morgens aufzustehen, aber ich gab nicht auf. Nach ein paar Monaten
Selbstmitleid ein Entschluss: kleine Jobs. Wir sprachen schon immer über Kinder. Und wir wollten.
Ich bekam einen Platz an der FOS für Sozialwesen, aber ich war von mir nicht überzeugt es zu
schaffen. Dann also erst Kinder, nur passierte ein halbes Jahr gar nichts. In der Schule war ich
recht erfolgreich, ich fehlte wenig und wenn dann sprach ich offen darüber und log nicht. Als ich
mit viel Mühe Mathe bewältige und mein Probehalbjahr bestand, die Hochzeit vor der Türe stand,
die wir nebenbei 1000km entfernt planten, wollte ich eigentlich mit der Pille wieder anfangen.
Wir dachten, dass es eben noch nicht sein soll. Und dann 3 Tage nach der Hochzeit hielt ich
einen positiven Test in den Händen. Ich machte die 11. Klasse zu Ende. Das wars. Das hab ich
gemacht. Doch wie erzählt man das jemanden, der einem nicht so nahe steht? Wie? Bei manchen
Menschen fällt mir das sehr schwer. Ich bin jemand! Ich bin nicht blöd! Ich hab ordentlich was
auf dem Kasten. Und Menschen, die mich gut kennen, wissen das. Ich hab noch viel vor und
dafür hab ich auch noch genug Zeit, ich bin 25 meine Güte! Aber gestern fühlte ich mich arg klein.

20 Responses to “Gretchenfrage”

  1. wortteufel Says:

    Auf die Frage, was Du davor gemacht hast, kannst Du wohl am besten antworten: „Ich habe gelebt.“

    Das ist etwas, was nicht jeder im Rückblick auf sein Leben sagen kann.

  2. kassiopeia Says:

    Ich möcht Sie knutschen! Danke.

  3. Sternrakete Says:

    Ich lese hier seit langem still mit und muss einfach mal sagen, dass ich dich ziemlich bewundernswert finde.
    Ich meine, du bist „nur“ 4 Jahre älter als ich und managst das alles mit euren Kindern, wow. Ich war Aupair bei drei Kindern und kann es mir einfach nicht vorstellen, jetzt Kinder zu haben. Ehrlich, Hut ab!
    Und Wortteufels „Ich habe gelebt.“ finde ich auch eine richtig gute Antwort.

  4. Janine Says:

    Bravo, Frau Wortteufel. Das ist wirklich die beste Antwort auf diese Frage.

    Jeanine, fühl Dich bloß nicht klein, Du leistest großartiges. :-)

  5. Martina Says:

    sind die Damen, bei denen Sie sich klein fühlen so wichtig für Sie?! Wohl nicht, denn sonst würden Sie sich nicht klein fühlen. Beamen Sie sich bei denen doch in ein Paralleluniversum, lassen Sie sie denken, was sie wollen – Sie wissen, WAS Sie sind, WER Sie sind; Ihre Familie und die „Wohlfühl-„Frauen wissen das auch – und genau darauf kommt es an… (und nebenbei: irgendwelche Dinge, die einen sich klitzklein fühlen lassen, hat jeder im Keller. Die Damen haben Sie nur auf dem falschen Fuß erwischt.)

    (und, ich habe mich neulich mit einer jungen Frau unterhalten, über unsere Kinder. Ich fragte, wie alt ihr jüngster wäre (das Erzählte und die Parallelen klangen so – frisch?!) und sie sagte „17 Jahre“ – mir klappte das Gesicht weg, die Frau ist Mitte dreißig, hatte also das ganze Leben aus dem „Nichts“ mit Kindern, teilweise alleinerziehend, aufgebaut und gemeistert: Kinder, Haushalt, Ausbildung, neue Partnerschaft; anderer Fall, als Ihrer, ja. Dennoch hatte diese Frau eine so wunderbare, in sich ruhende Art – wie ich sie mir bei Ihnen auch vorstelle – dass ich davon überzeugt bin, dass Sie Ihren Weg gehen werden, und dann werden sich die „Kleinfühldamen“ selbst ganz klein vorkommen.)

  6. Gabriela Says:

    Ich freue mich sehr, dieses Blog entdeckt zu haben. Ich werde hier noch öfter vorbeischauen und habe die Seite in meinem privaten Blog verlinkt. (ich hoffe ich darf…)
    Bin grad etwas müde für einen weisen Kommentar zum Thema, grüsse jedoch herzlich und wünsche weiterhin Mut zum eigenen Weg.
    Gabriela

  7. soulsilence Says:

    Frau Wortteufel hat es auf den Punkt gebracht.

    Und fühlen Sie sich bitte niemals klein. Als ich hier auf Ihrem Blog das erste Mal mitbekam, wie alt Sie sind, entfleuchte mir ein respektvolles „Wow“. Und als der Liebste fragte, was ich „wow“ finden würde, erzählte ich ihm von der jungen Dreifach-Mama, die mit beiden Beinen im Leben steht und eine tolle kleine Familie hat. Seine Reaktion: „Wow.“ Das, was Sie da haben, ist wirklich ganz wunderbar.

  8. Cecie Says:

    sich manchmal klein zu fühlen, hat nichts mit abschlüssen und jobs zu tun. wenns dich tröstet: ich treffe immer wieder leute, bei denen ich mich so fühle. und dann frage ich mich, warum das so ist. es hat nichts mit diesen leuten zu tun, sondern ausschliesslich mit mir: was ich von mir halte, wieviel ich mir wert bin. und seit ich das weiss, fühle ich mich manchmal nicht mehr so klein.

    (was du so jeden tag stemmst, darüber müssen wir doch nicht ernsthaft reden, oder)

  9. 4Kidsmami Says:

    Liebe Jeanine, was du jeden Tag aufs neue leistest, Hut ab und das mit 25 Jahren.
    Ich bin gelernte RA-Fachangestellte und glaub mir ein 8 Std. Job ist viel leichter, als ein 24-Std.-Job und das 365 Tage im Jahr.
    Im Jugendalter muss man sich erst einmal selber finden und versuchen Aufgaben (Jobs) zu finden, der einem doch auch Spaß machen und gerade den hast du doch gefunden. Du hast auch noch genug Zeit dich irgendwann viell. auch noch anderweitig umzusehen und

    Genau wie Cecie schreibt, du bist dir wichtig und wertvoll, was andere sagen ist uninteressant (ich hab 36 Jahre dazu gebraucht um das zu begreifen), also auch ich bin noch gewachsen und habe meinen Sinn des Lebens und meine Aufgaben gefunden….insallah werde ich bald zum 5. Mal Mama! Da ist mein Platz und das sind meine Aufgaben, dort werde ich gebraucht und meine Familie gibt mir das, was ich sonst nirgendwo finde. :-) und als mein Hobby zähle ich meinen Buchhalterjob nebenbei!
    Du gehst deinen Weg! Du wirst dich entscheiden, was du für richtig hälst und für dich und deine Familie das Beste ist.

  10. Anne Says:

    Ich habe die Woche in einem Artikel der ZEIT-Online zum Thema Spätgebärende (ich bin auch so eine, die sich, wenn ja, mit dem dritten beeilen muss, um da nicht drunter zu fallen;-)) einen Kommentar gelesen, der mich zum Grinsen und Nachdenken gebracht hat. Er lautete in etwa:“ wir leben in einer Zeit, in der Frauen meinen, sie könnten der Natur einreden, dass erst die Karriere kommt. Vielleicht sollte man so langsam für die Karriere danach kämpfen, da haben wir alle was davon, keiner wird hier jünger!“ Natürlich kann man das nicht nur den Frauen vorwerfen, denn es ist einfach gesellschaftlicher Konsens, auch ich habe mich dem gebeugt. Im Nachhinein und nach reichlich gewachsener Erfahrung und Menschenkenntnis bin ich der Meinung, es gibt keine bessere Lehre und Persönlichkeitsbildung, als die Mutterschaft. Was man dann noch an spezifischem Fachwissen braucht, kriegt man mit dem erworbenen Organisationstalent auch mit Mitte 20 locker auf die Reihe. (was kein Plädoyer für die Mutterschaft mit 15 sein soll, aber dass 20jährige heute als Teenie-Mütter gelten, ist auch irgendwie seltsam). Also geniessen wir die heutige Vielfalt der Lebenskonzepte und emanzipieren wir uns vom Klischeedenken anderer!

  11. Steffie Says:

    Ich kann das gut verstehen. Ich fühle mich in ähnlichen Situationen auch klein, dumm, passiv. Nur, weil andere sicherer sind, alles richtig zu machen als ich. Dummerweise bin ich das überhaupt nicht. Ich weiß sogar sicher, dass nicht alles perfekt war/ist – aber das war/bin eben ICH! Und genau an das ist sooo schwer zu glauben, weil man eben doch auf andere hört, auf „die Gesellschaft“!
    Ich werde dieses Jahr (hoffentlich ;-) ) mit meinem Studium fertig, dann knapp 27- und denke an Kinder. Weil ich immer vor 30 zumindest mein erstes Kind haben wollte. Und stoße auf besorgte Gesichter. „Lebe erstmal!“, „Verreist erstmal noch ganz viel zu zweit, so wird das nie wieder!“ und v.a. „Also arbeite erstmal, sonst kommst du nie wieder rein – da reichen 2 Jahre kaum, besser 3 – gerade HEUTZUTAGE…“ etc. Wohl gemerkt verteidige ich, dass ich nicht jetzt, aber in wenigen Jahren Kinder plane! Dass ich das einzige, bei dem ich mein Leben lang mehr oder weniger konstant geblieben bin, realisieren möchte. (Und mir eben nichts einreden möchte, das ich die Natur überlisten kann, indem ich erstmal Karriere mache und „irgendwann, jaja!“ auch immernoch Mutter werden kann.)

    Liebe Jeanine, das bist DU, das ist dein Leben, dein Glück -und dass es das ist, kann man hier immer wieder lesen! Du/ihr hast/habt dich/euch gefunden und lebst/lebt deine/eure Träume! Das ist das beste, was man wahrscheinlich erreichen kann.
    Andere Meinungen kann man nicht immer ausblenden – aber vielleicht wiederlegen und sei es nur für deinen Fall. :-)

  12. Pauline Says:

    Ich finde deine Lebensplanung auch sehr mutig. Die Basis ist natürlich eine starke Partnerschaft und die daraus resultierende Liebe. Aber es gehört genauso auch ein Partner dazu welcher genügend Geld verdient. Es ist meine persönliche Meinung das ich momentan froh bin mein eigenes Geld zu verdienen und entsprechend ausgeben zu können. Wenn „nur“ der Mann der Verdiener ist bildet sich doch eine gewisse „Abhängigkeit“. Sollte die Partnerschaft (was ich natürlich keinem wünsche) auseinander gehen wird es evtl. schwierig ohne Ausbildung/Studium die Kinder zu versorgen. Ich bin 24 Jahre alt und mit 16 ins Berufsleben (Realschule, Ausbildung -> Arbeit) gestartet. Für die Ausbildung bin ich alleine 500 KM von meinen Eltern weggezogen. Ich verdiene Geld um zu Leben und wüsste nicht wie ich (trotz Partner) 4 Kinder finanzieren sollte. Das soll keine Kritik sein, nur ein anderes Leben. Es heißt auch nicht das ich zufrieden bin mit diesem Leben. Aber wenn du sagen kannst du bist zufrieden dann ist es das größte Glück überhaupt. Das solltest du dann auch deinen Frauen sagen:“Ich bin zufrieden“. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und bewundere das alles wirklich sehr! Ihr habt euch gefunden, genießt es und lebt gemeinsam eueren Traum!

  13. Pfarrfrau Says:

    Ichbin 22. Bald 23. Abi. Kleiner Job. Umzug. Noch kleinerer Job. Heirat. Studentin. Erstes Jahr wiederholen? Keine Ahnung. Kinder? JA!

    Wenn ich in der Uni sitze, bin ich 4 bis 5 Jahre älter als die Meisten. Manchmal macht es mir zu schaffen. Aber ich kann mir aussuchen, mit wem ich spreche/arbeite.

    Ich hab kein normales Leben (was auch immer das ist), ich bin ehrgeizig, aber es verläuft eben icht alles gradlinig. Ich habe ein Leben. Hui.

    Lass dich nicht verunsichern. Dein Leben, deine Entscheidungen. Und du bist glücklich damit.

  14. Misslavender Says:

    das traurige ist, dass nicht nur du dich erklären musst, sondern auch alle anderen frauen. ob früh kinder, keine kinder, karriere und später kinder,… wir alle müssen uns rechtfertigen, warum wir es machen, wie wir es machen. bei mir ist es anders: keine kinder (und glaube mir, ich wünschte es wäre anders), dafür jetzt ein wenig karriere und noch ein studium. was glaubst du, wie oft ich gefragt werde, ob ich denn keine kinder möchte? auch mir fällt es schwer mich zu erklären. es geht auch schlicht und einfach nicht jeden was an!
    manchmal frage ich mich, warum sich männer nie rechtfertigen müssen für ihre lebenspläne…
    sei stolz auf dich! das kannst du nämlich wirklich sein!

  15. kassiopeia Says:

    Erst einmal an Sie alle, vielen lieben Dank für die ausgewählten Worte. Ich hab alles ausführlichst
    gelesen und mich wirklich unendlich über jede Zeile zu Ihren Gedanken gefreut!

    @Martina: Nein, sind die Damen nicht für mich! Es stimmt wohl das jeder seine eigene Gretchenfrage hat,
    vielleicht war ihre Ausstrahlung auch nur so unangenehm, weil die Dame so alt ist wie meine Mutter, und erst
    sehr spät ihre Kinder bekam. Vielleicht ist das ihre Gretchenfrage und deshalb bohrte sie mal bei mir nach! ;)
    Mag gut sein.
    Ich wünschte nur so sehr, ich könnte mit dieser Frage anders umgehen. Danke für Ihre lieben Worte!

    @soulsilence: Danke, danke, danke!

    @Cecie: Es geht mir aber nur bei einer handvoll Menschen so! Es hat mit mir in dieser Situation zu tun. Ein
    schlechter Tag, Unwohlsein in der eigenen Haut und schon… Sonst bin ich ja sehr, sehr selbstbewusst, was
    meine Arbeit angeht! ;)

    @4KidsMami: Danke. Das werde ich!

    @Anne: Ich finde da haben Sie recht. Ich habe mich in erster Linie für meinen Traum entschieden: Ich wollte
    und will jetzt Kinder und ob ich die so locker flockig noch in 10 Jahren bekommen kann, weiß ich nicht und
    könnte mir nie einer garantieren.
    Wir haben uns früh kennengelernt und waren mutig. Andere finden sich später oder sind weniger mutig.
    Reich waren wir nie und lang zusammen auch nicht. Es war nur dieses Gefühl… ein gutes!

    @Steffie: Ich wünsche dir von Herzen, dass dein Wunsch in Erfüllung geht und die lieben Menschen
    in deinem Umfeld sich einen Hauch zurücknehmen mit ihren Ratschlägen, denn es ist dein Leben!
    Ja, es unserer Traum! Das schaffen wirklich die wenigsten und die Menschen mit ihren Ratschlägen
    standen auch bei uns aufgereiht links und rechts…

    @Pauline: Ich weiß, dass es nicht als Angriff gemeint war, aber das sind doch genau die Argumente,
    die mir zu nahe treten. Ich bin nicht zufrieden, ich lebe einen Traum. Wir leben unseren Traum.
    Ich arbeite nicht um zu leben, ich lebe meine Arbeit. Mein Mann verdient recht gut, aber wir
    sind nicht reich, wir passen uns an. Wir essen gern gut, dafür haben wir kein Auto. Mein Leben
    ist jetzt. Schon immer habe ich mir vorgestellt, zugegeben etwas melodramatisch, wie es wohl
    für mich wäre, wenn ich jetzt sterbe: Was würde ich bereuen. Und es ist immer das gleiche. Ich
    wollte Kinder. Es ist kräftezehrend, anstrengend aber so unglaublich erfüllend. Und selbst wenn
    ich eine Ausbildung hätte, könnte mir doch niemand garantieren, mich einzustellen mit 4 Kindern!
    Wenn mein Mann gehen würde, wer würde mich einstellen? Wer sollte sich kümmern, damit
    ich arbeiten gehe? Dann würde alles zerfallen, darüber brauche ich mir nicht den Kopf zerbrechen.
    Weil es nichts bringt. Jeder erlernte Job, wäre weg nach der langen Kinderpause. Was ich mir
    vorstelle ist ein Start nach den Jahren mit den Kindern. Aber jetzt stehe ich hinter meinem Mann,
    er hinter mir. Ich mache hier meine Arbeit: Ohne mich keine Vollzeitstelle für meinen Mann,
    ohne meinen Mann keine Vollzeitarbeit daheim! So leben wir! In gegenseitigem Respekt.
    Und ich muss weiter enttäuschen: Es gab kein stabile Partnerschaft. Es gab uns einen Monat,
    dann gab es einen Antrag, 3 Monate später erste gemeisame Wohnung, Hochzeit nach 1 1/2
    Jahren, das erste Kind nach zwei Jahren da. Wir waren mutig. Wir sind anders. Schiefgehen kann
    immer alles. Sich trauen, vertrauen haben und investieren ins hier und jetzt ist weitaus schwieriger.
    Es gibt keine absolute Sicherheit.
    Das sind keine bösen Worte, sondern nur ein tieferer Einblick in unsere Köpfe, nur zum
    nachvollziehen!

    @Pfarrfrau: Sie haben so Recht. Ich bin glücklich und gradlinig ist was anderes, aber ich wünschte
    ich hätte wenigstens mein Abitur machen können. Doch ich weiß, dass meine Kinder mich geerdet
    haben und ich erst heute in der Lage wäre, es zu schaffen, damals undenkbar.

    @Misslavender: Die Leute haben immer was zu meckern, das stimmt. Aber bisher dachte ich immer,
    es gäbe Toleranz für sich selbstversorgende Frauen, die spät gebären als jene, die sich in die
    Hände eines Mannes begeben und (ersteinmal) Kinder bekommen. Aber es gibt immer Klugscheißer.
    Kopf hoch, Sie werden auch Ihren Weg weiterhin gehen!

  16. ISabella Says:

    Hab ich das geschrieben?

  17. Klabauter Says:

    Werte Kassiopeia,
    Sie müssen sich einfach mal ein paar kurze Antworten parat legen für solche Situationen. Natürlich mag man Fremden nicht gleich sein gesamtes Innenleben zu Füßen legen… aber wer wird denn nachzählen oder im Detail nachfragen, wenn Sie sagen: „Schule, Ausbildung, Heirat, Kinder“ oder „Schule, Traummann getroffen, Heirat, Kinder“? Kehren Sie die Romantik nach vorne und halten Sie Ihre Tiefflugphase zurück. Das können Sie doch immer noch erzählen, wenn Sie Ihren Gegenüber besser kennen.

    Solche Situationen kenne ich übrigens auch noch, in meinem fortgeschrittenen Alter… ;-) Bei den Männern würde man jetzt sagen: „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“. Aber gegen dieses Konkurrenz- oder Rechtfertigungsdingens oder was das ist, sind wir Weiber halt auch nicht gefeit.

  18. kassiopeia Says:

    Ach liebste Frau Klabauter. Danke wieder einmal! Sie haben Recht und so werde ich das jetzt auch einfach
    halten. Irgendwas möchte ich ja erzählen, aber irgendwie nicht alles und so klingt es einfach nicht soo gut.
    Daher das blöde Gefühl. Man möchte sich kurz fassen, aber erzählt schon wieder zuviel. Und schon bleibt
    der bittere Nachgeschmack! Ja, die lieben Männer, die brauchen sowas nicht: „Ach da war ich saufen nach
    meinem Studium, erstmal leben!“ Und alle nicken zufrieden und verständig. ;)

  19. Ansku Says:

    Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind ähm für Kinder ;) gibt es doch sowieso nicht. Entweder man hat keine Ausbildung (ganz gleich welcher Art), dann ist es schwer, danach ins Berufsleben zu finden. Oder man muss die Ausbildung unterbrechen, das ist ja „ganz ganz schwierig“, danach wieder einzusteigen. Oder man hat gewartet und die Ausbildung brav zu Ende gemacht, dann erzählen sie einem, dass man nach dem Erziehungsurlaub ohne Berufserfahrung schon gleich gar keine Chance auf einem Job hat. Oder man arbeitet bereits und steigt aus dem Beruf aus, was wiederum möglicherweise Aufstiegschancen vermasseln könnte. Deshalb finde ich es fast schon egal, ob man sich zuerst fürs Kinderbekommen oder fürs Berufsleben entscheidet und denke, jeder sollte das nach seinem eigenen Lebensentwurf und seinen Prioritäten entscheiden.

    Weißt Du, ich hab hier im Moment ein gewissermaßen ähnliches, aber auch gewissermaßen entgegengesetztes Problem. Bei mir heißt die Frage immer und ständig und überall „Und was machst Du jetzt mit Deinem Studium?“ Du siehst, der Zwang, sich rechtfertigen zu müssen, hört nie auf, lass Dir das von einer Akademikerin gesagt sein. :lol: ;) Deshalb sollte man zumindest darauf achten, dass man sich davon nicht kleinmachen lässt, denn dazu haben wir beiden keinen Grund. Denn wie Frau Wortteufel schon sagte, Du hast gelebt! Und ich habe auch gelebt, ich habe eine wunderbare Studentenzeit gehabt, die gar nicht hätte besser verlaufen können. Auf völlig verschiedene Art haben wir beide gelebt und uns weiterentwickelt in den letzten Jahren. Eines Tages wird vielleicht die Zeit kommen für neue Aufgaben und Ziele, aber so lange wir uns mit diesen Lebensentwürfen wohlfühlen, so what? (Wobei ich zugeben muss, ich hatte nie eindeutig das Ziel, erst zu studieren, dann zu arbeiten und dann Kinder zu bekommen, es hat sich einfach bis jetzt nicht ergeben und ich bin manchmal etwas traurig darüber, es fehlt mir, aber ich kann damit leben und nutze meine Zeit jetzt noch anderweitig ordentlich aus. ;) )

    Gerade jetzt auf der Deutschlandreise fand ich nochmal auf eindrucksvolle Art bestätigt, dass es so viele verschiedene Lebensläufe, Lebensentwürfe und Ansichten gibt, wie es Menschen gibt und dass man keinen hervorheben noch verurteilen sollte. Es wäre doch langweilig, wenn wir alle einheitlich Abi machen, dann studieren, dann arbeiten und im Alter von 29,4 Jahren unser erstes Kind bekommen, um dann nach einem Jahr in den Beruf zurückzukehren und genau 2,9 Jahr später unser zweites Kind (bzw. Kind Nr. 1,7) zu bekommen, oder? ;) :D

    Und was die zurechtgelegten Antworten angeht. Du leistest Großartiges, Du leitest ein kleines Familienunternehmen, jetzt mal wirklich im Ernst: Du bist die Abteilung für Personalmanagement, Logistik, Buchhaltung und Facility Management inkl. Catering in Personalunion – das sieht man alleine schon an Deinem Post von gestern über das letzte Kind und den vielen vielen Gedanken, die Ihr Euch gemacht habt – und das Wichtigste: Du bist dabei noch Mensch!

  20. Ansku Says:

    Oh!

    Was für ein langer Kommentar….

    :D