Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen?!

Zoe und Noah sind noch nicht wirklich groß. Sie sind weder erwachsen noch wirklich große Kinder oder Teenager. Schulkinder, nur. Trotzdem sind die Sorgen andere, als bei Emil oder Tom und Ben. Es ist anders. Ich werde niemals vergessen wie essentiell die Sorgen sind um ein Baby. Wie viel Schlafentzug und langes Stillen an einem zehren, einem Tränen in die Augen treiben, weil man einfach am Limit ist und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Solche Tage eben, einfach nur weiter atmen, es geht im übertragenden Sinne für die Eltern ums pure Überleben und das Problem ist doch, fürs Kind geht es nicht mal im übertragenen Sinne darum, es geht genau darum. Alles ist fragil. Kostbar. Man entscheidet allein ohne Hilfe über das Leben eines kleinen Menschen- Impfen oder nicht, Arzt jetzt ja oder nein? Das ist eine große Aufgabe, das sind große Sorgen.

Dem entgegen stand ich heute morgen auf, ich war noch gar nicht richtig wach, tröstete Ben, der nur seine Mama wollte, weil Papa den Laden allein schmiss bis dahin und ein Zeitdruck entstanden war. Da standen die Muffins für den Verkauf, dessen Erlös Kindern in Not zu Gute kommen sollte und es gab ein Problem.
Und ich wusste nicht, was ich tun soll. Was nur tun, damit das Kind nicht dringend Therapie braucht- praktisch sofort? Alles oder nichts. Der Mann entschied sich gegen die Muffins, aber so einfach war das für mich nicht. Es gab neben der Lösung für den Kindervater in meinen Augen nur noch Holzhammer oder überraschende Veränderung des morgendlichen Plans. Und nicht mal das war mir klar. Ich merkte nur meinen Bauch, der schlaftrunken erstmal schrie: „Geh mal mit. Kannste immer noch nachdenken.“ Und dann kam da schon der Bus und wieder war keine Zeit zum nachdenken. Also stieg ich mit Emil und den Schulkindern ein. Dann dachte ich, hätte ich Zeit- so im Bus. Ich sprach mit meinem Kind, das der Meinung war ich solle das regeln, aber wollte ich das? Was war verdammt noch mal das richtige? Mitfahren war schon mal gut, … doch ja, das sagte mein Bauch, denn was mein Kind da gesagt hatte, war essentiell, war wichtig. So sehr. Und dann war da auch noch ein fremdes Kind mit Nasenbluten und ich die einzige mit Taschentüchern, die einzige Mama weit und breit. Und wieder keine Zeit zum groß Nachdenken, keine Lösung weit und breit. Wo ist dieser scheiß Souffleur, wenn man ihn braucht? Plötzlich waren wir schon an der Schule, also stiegen wir aus und ich war mir immer noch nicht sicher, ob ich gerade wirklich meinem Kind half oder mich übermutternd vor es schmiss. Und dann… stand es da das Kind, wuchs an meiner Seite über sich hinaus und tat einen großen Schritt, in die richtige Richtung. Ohne Drama. Es gab noch ein Missverständnis, dafür war ich dann da. Und alles passte ins Bild. Letztendlich denke ich, dass es richtig so war, aber wissen tu ich es nicht. So spontan zu sein war gut, auch wenn ich lieber zu Hause noch ein Nickerchen gemacht hätte, aber es war wichtig. Ich wollte und konnte mein Kind in diesem Moment nicht allein lassen, es war zu wichtig. Ist es noch, sonst würde ich nicht darüber schreiben. Es ist eine große Aufgabe, dieses Kinder begleiten, es gibt nämlich keine Anleitung. Und es sind eben auch genauso große Sorgen. Nur in anders.

5 Responses to “Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen?!”

  1. Mamachaos Says:

    Ich finde du machst das mit soviel Herz, das ist es was dein Kind spürt und was ihm die Kraft gibt für sich selbst einzustehen. Allein das lässt es wachsen und stark werden, zu wissen, dass du da bist. Ich denke du hast aus dem Instinkt heraus alles richtig gemacht in dieser Situation. Das wichtigste ist doch aber, dass deine Kinder wissen, dass du immer für sie da bist und ihnen den Rücken stärkst, wenn sie ihre kleinen Kämpfe austragen, und nicht, dass du immer perfekt bist. Ich denke auch aus deinen Fehlern und deinen Schwächen können die Kinder etwas lernen.
    Aber es stimmt, es ist nicht einfach, immer wieder Herausforderungen meistern und sich neu orientieren und anpassen, in Frage stellen und mit offenem Blick durch das Leben gehen. Eigentlich ein Wahnsinn was da von uns verlangt wird!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

  2. frl_mieke Says:

    Liebste Frau Kassiopeia,

    ohne die Umstände näher zu kennen, habe ich mich beim Lesen soo einfühlen können, denn auch ich habe hier ein großes Kind, das dem Ihren wohl sehr ähnlich ist und ich kenne solche-mit Vorliebe unter Zeitdruck morgens oder spätabends-kurz vor der Eskalation stehende Gefühlsdramen.
    Ich finde, Sie haben alles richtig gemacht und das ganz ohne große Vorbereitung. (so quasi vom Bett in den Bus und rein in die Situation ;))
    Ich glaube, auf den Bauch hören, ist letztlich doch der einzig verlässliche Weg im Umgang mit Menschen, ob groß oder klein.
    Und Ihr Kind erst, was muß es über sich hinaus gewachsen sein, denn solche Situationen verlangen so viel Mut und Beherrschung – mit der Mama im Rücken hat es sich selbst getraut und alles bravourös gemeistert. Der Wahnsinn – so aus meiner Sicht mit einem ähnlich gestrickten Kind, Sie wissen ;)

    Ich bin stolz auf Sie, dass Sie Ihrer Bauchstimme gefolgt sind, auch wenn eine Mütze Schlaf sicher auch wichtig gewesen wäre.
    Denn bei solchen Kindern wirkt der Holzhammer nicht so, wie manche Menschen sich das so einfach vorstellen, sondern er hinterlässt nichts als eine verstörte, verunsicherte und sich elend fühlende Seele. Denn so ein Elefantengedächtnis vergisst gefühlte Demütigungen oder Scham nicht.

    Ich bewundere Ihre Gelassenheit in der ganzen vertrackten Situation und Ihre gute Intuition; mich verlässt in solchen Situationen, wenn das Kind kurz vorm Dekompensieren ist, oft die Geduld … (wie war das noch gestern, Warten lehrt Geduld, ähem ..)

    So, jetzt hab ich ja nen echten Roman geschrieben,
    sind wohl mein Herzensthema, die sensiblen großen Kinder …

    Ich habe diesen Spruch in Ihrem Titel früher so gehasst, damals, als Mama von zwei Kleinstkindern, denn die Sorgen, die ich damals hatten, schienen mir soo unendlich groß manchmal und kaum noch zu toppen ;)

    Heute weiss ich, wie wahr die Aussage ist und ich denke mit etwas Bange daran, was wohl in 5,6 Jahren sein wird.
    Aber mit Bauchgefühl werden wir auch diese Klippen umschiffen, hoffe ich jetzt einfach mal … ;)

    Ganz liebe Grüße von einer (komatöse)müden Klein(und Groß)Kindmama zur anderen

    PS.So vielen lieben Dank für den virtuellen Drücker, Grübeln und Rauchen führt ja nicht wirklich weiter, aber Ihre Worte haben mir sehr gut getan, liebe Frau Kassiopeia …

  3. blumenpost Says:

    Ich unterschreibe das, was mamachaos sagte.

    Deine Art ist so wunderbar.

  4. kassiopeia Says:

    @Mamachaos und Blumenpost: Hach, ihr seid so lieb, alle beide! Und wenn ich das so lese kommen da ganz viele Ängste hoch, wie das wohl sein wird, wenn ich arbeite. Dann wird das alles nicht mehr so einfach und davor hab ich wirklich Angst. Aber danke, es hing sehr nach dieser Vormittag.

    @Frl_Mieke: Die Gelassenheit täuscht. Ein anderer Tag und es wäre vielleicht ganz anders abgelaufen, aber ich wollte es aufschreiben, weil es mich so beschäftigt hat, danke für die Blumen! :)
    Ich glaube auch, dass sich da jeweils unsere Kinder etwas ähneln, von dem was ich bisher so mit bekam :)
    Ich hab so das Gefühl, die Sorgen sind gleich groß. Auch wenn ich eben durch das Alter meiner Kinder jetzt nicht so einen unglaublich großen Abstand/Vergleich habe, es sind ja nur 8 Jahre.
    Ich bin froh, dass wir uns da über den Weg gelaufen sind und freu mich auf gaaanz viel Gemeinsamkeiten und Unterschiede und das was schon war <3

  5. frl_mieke Says:

    ach Du, jetzt hat mein Herz aber gerade einen gewaltigen Hüpfer gemacht. und ich grinse von einem Ohr zum anderen. Danke !