Viele kleine Puzzleteile

Ich schreibe wieder öfter. Ein Teil von mir, der in den letzten zwei Jahren etwas brach lag. Es gab mir nicht mehr so viel. Oder aber mir fehlte Zeit und Muse aufzuschreiben, was in mir vor geht, was mich berührt. Es gab da nach den Fehlgeburten einen richtigen Bruch. Was man im Blog auch sieht. Man muss zwar ganz genau hinsehen, aber es berührt mich nach wie vor, dass es eine Unterbrechung der Wellenlinie im Archiv meines Blogs gibt, im Jahr 2011 fehlen Mai und Juni. Zeit, die ich damals brauchte. Auch wenn ich danach versuchte zu schreiben, fiel mir auf, wie sehr ich mich verändert hatte. Mein Leben wurde einmal komplett auf den Kopf gestellt.

Der Versuch dieses Blog zu Reanimieren mit dem Festhalten unseres Lebens, ist ein kleiner Teil von mir. Diese Teile suche ich mir gerade zusammen, was nicht immer einfach ist, wenn man mittlerweile so ganz anders das Leben mit Kindern lebt und es manchmal sein kann, dass es Richtung 21 Uhr geht, bis es wirklich still ist. Und wenn alle Kinder im Traumland sind, weiß ich immer nicht wie lange es dauert, bis der Kleinste mich braucht. Es gibt Abende an denen ich sehr gut damit umgehen kann so gebraucht zu werden und Tage, da fühle ich mich eingeengt. An guten Tagen gelingt es mir erstaunlich gut mich abends anzupassen und zum Beispiel Dokumentionen auf dem Ipad im Bett zu schauen dank Kopfhörern oder zu lesen, während Emil nur schlafen kann, wenn ich neben ihm liege. Aber wie gesagt, mir gelingt das nicht immer. Und ich bin froh, dass ich zwar jeden Abend flexibel und anpassungsfähig sein muss, weil ich nicht weiß, was mich genau erwarten wird, aber eben auch nicht jeden Abend gleich wenig Freiraum habe zu tun was ich mag.

Das Aufladen meines emotionalen Akkus läuft erstaunlich gut. Ich würde an dieser Stelle noch nicht sagen, dass es merklich aufwärts geht, aber ich halte ein positives Level und das ist schon einmal ganz toll, wie ich finde.

Ich schwimme nach wie vor, versuche es mindestens zwei Mal in der Woche zu schaffen. Es tut mir unheimlich gut. Es ist auch nicht mehr so wie am Anfang, wenn der Tag mir bei den ersten Zügen noch nach hing. Ich versuche mittlerweile einfach nur meine 20 Bahnen zu schwimmen und bin ganz bei der Sache, ärgere mich über und lache mit anderen Badegästen.
Ich liebe es im Wasser zu sein. Das passt einfach so gut zu mir und ich bilde mir auch jetzt schon ein, dass ich fitter bin. Es fällt mir leichter mich im Wasser zu bewegen und erhoffe mir einen schönen Effekt für meinen Körper. Rückenschmerzen habe ich zur Zeit jedenfalls keine mehr.
Ich versuche einfach gesünder zu leben, mich ausgewogener zu ernähren. Viel abgenommen habe ich noch nicht, auch wenn Abnehmen ein netter Nebeneffekt wäre, in erster Linie möchte ich was Gutes für meinen Körper tun und meiner Seele gleich mit, dank dieser kleinen Auszeiten.
Ich merke aber auch wie vorsichtig ich bei dem Thema bin, ich möchte meiner Tochter und meinen Söhnen ein gutes Vorbild sein und keine Diäten ins Haus holen.
Ich hoffe und wünsche mir einfach, dass ich am Ball bleibe. Die Zeit (für mich) tut mir einfach zu gut, dieses Loslassen von Emil, einfach fahren auch wenn Emil sieht, dass ich gehe und das mitunter gar nicht so toll findet. (Mit dem Ende dieser Woche bin ich aber auf das Wetter angewiesen, denn das Hallenbad wird seine Türen schließen.)

Ich würde gerne mehr Sport treiben. Ein bißchen Gymnastik oder Aquafitness, aber dazu fehlt mir einfach die Routine am Abend, um regelmässig gut wegzukommen oder aber Vormittags durch die Arbeit die Zeit oder Kraft, mir noch selber ein Programm zu machen.

Durch die Jahreszeit, dank meinem neuen Rad und meiner Zeit abends für mich, habe ich mir nun einen neuen Fahrradkorb von meinem letzten eigens verdienten Geld gekauft und auch wenn er nicht preiswert war, leistet er mir gute Dienste und ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich mir das noch gegönnt habe. Ein weiterer Punkt auf meiner Seelenstreichlerliste.

Korb

Eine Seelenstreichelei ist aber auch jedes Treffen, jedes Gespräch mit einer liebsten Freundin oder einem Menschen, der mir einfach gut tut. Das wiegt soviel mehr, als alles andere. Manchmal sind solche Treffen fast schon ein Noteinsatz, danach sind die Akkus meistens wieder gut aufgeladen, da reicht auch schon ein kurzes Kinderübergabe machen an der Tür, einfach ein paar warme Worte, zusammen lachen und schon strahle ich. Ich könnte gar nicht anders.

Dank ein paar Strickdamen um mich herum, habe auch ich in den letzten Tagen wieder vermehrt zum Strickzeug gegriffen und ganz einfach und simpel ein paar rechte Maschen gestrickt, wann immer Zeit war und ich zwei Hände frei hatte. Auch das tut mir gut, weil es mir Spaß macht und der Ehrgeiz ein Stück weit da ist, durch das Üben an einfachen Dingen, mal wirklich schöne Stücke zu schaffen.
Wahnsinnig gern würde ich die Nähmaschine aus dem Keller hoch holen und mir viele schöne Stoffe kaufen, um das eine oder andere schöne Stück zu nähen, aber da merke ich ganz ganz deutlich, dass mir die Zeit fehlt und die Kraft mich länger mit dem eigentlich unbekannten Objekt auseinander zu setzen.

Zeit fehlt mir auch für neue Rezepte, die ich gern ausprobieren würde. Wo ich beim ersten Mal einfach konzentrierter bei der Sache sein möchte, natürlich auch gespannt bin, wie das Backwerk wird, wie es mir schmeckt und meiner Familie. Ich habe mittlerweile einfach schon wieder so viele Ideen und Wünsche zum Nachbacken und mir fehlt schlichtweg dann der Moment oder die Lust neben dem Alltag noch in der Küche zu stehen.

Und so gibt es immer mehr und mehr kleine und große Projekte, die durch meinen Kopf schwirren, wie die blaue Wand im Wohnzimmer, die mich im schönen und fertigen Zustand ans Meer erinnern soll, dass ich so sehr liebe und nach dem ich mich zugebener Maßen momentan so so sehr sehne, dass ich wirklich die Wochen zähle und schon jetzt weiß, wie sehr mir das Herz bluten wird, dass wir dann wirklich wirklich wieder eine so lange Zeit nichts mehr davon sehen werden können.

Zu guter Letzt bleibt das Lesen, dass in meinem Leben in großen Wellen kommt. Wird mir ein gutes Buch vor die Füße gespült, dass ich liebe, muss ich das sofort verschlingen, bin dann unsagbar traurig, wenn es zu Ende ist, aber während des Lesens muss ich einfach alles andere liegen und ruhen lassen, weil dann nur das zählt.
Und so geht mir das mit all den Dingen, die mir Spaß und Freude machen, immer geht nur eines zur Zeit und das, was ich an Zeit habe muss ich mir einteilen lernen, ohne dem anderen hinterher zu jagen oder zu trauern, sondern mehr genau das genießen, was ich gerade in diesem Moment tue.

9 Responses to “Viele kleine Puzzleteile”

  1. frl_mieke Says:

    Lese Dich gerade auf allen Kanälen und bin wohl ähnlich gerührt wie Du!

    Dieser Text strahlt so viel Kraft und inneren Frieden aus … ich kann die sich glättenden Wogen förmlich spüren …
    Fühl Dich ganz fest gedrückt …

  2. kassiopeia Says:

    @frl_mieke: „auf allen Kanälen“… hachz… ich kann nicht aufhören zu lächeln! Danke! Mir bedeutet das so viel!

  3. Meise mit Herz Says:

    Das was bei frl_mieke ankam, genauso fühlte auch ich als ich deinen Text las. <3 Du bist auf einem ganz tollen Weg! Das freut mich für dich!
    Du gönnst dir was (echt schöner Fahrradkorb), du tust deinem Körper (und somit auch deinem Geist) etwas sehr gutes (Schwimmen) und du hast kreative Ideen, die du umsetzen willst, Träume und Sehnsüchte!
    Du bist auf einem guten Weg!
    Schön, dich dabei ein Stück zu begleiten!
    Meise mit Herz/freakymaielfe ;-)

  4. ApfelPhi Says:

    Wow, als hauptsächlich stille Mitleserin bewundere ich Deine Ausdauer und Deinen Vermögen Dir trotz so einer großen Familie auch eigene Freiräume zum Akkuauftanken zu schaffen. Die sind nötig und wichtig! Auch nur mit einem Kind, schwanger mit dem zweiten, finde ich es teilweise schwer genug neben Beruf, mit Mann geteiltem Haushalt und Kind Zeit für mich alleine zu finden. Sei es das Nähen, doch endlich wieder in einem Orchester spielen, einfach mal wieder im Rutsch ein gutes Buch lese…. Viel zu oft versacke ich dann doch nur am Computer, was auch entspannend ist, wo aber nicht so viel rauskommt und was meine Akkus nicht im gleichen Maße tankt…
    Dir alles Gute! und viel Erfolg weiterhin beim eigene Akkus tanken. Auch den anderen geht es ja besser, wenn es Dir gut geht. – und Dank für dieses tolle, berührende Blog!

  5. Laura Says:

    Ich lese schon lange still mit und wollte dir mal schreiben, dass du mich oft sehr berührst!

    Danke dafür.

  6. Martina Says:

    Hey! Ganz liebe Grüße sende ich Dir! :-)

  7. kassiopeia Says:

    Ich freu mich so so sehr, über die lieben Kommentare, ganz vielen lieben Dank!

    Das freut mich so, das glaubt ihr ja gar nicht! Ganz viele liebe Grüße!!!

  8. isabella Says:

    du bist ein besonderer mensch. ein fels in der brandung. du hast so ein spezielles wesen und eine ganz besondere art, die dinge zu sehen.

    deine kinder und dein mann, könnten keine bessere an ihrer seite haben <3

  9. kassiopeia Says:

    @Isabella: Du schaffst es auch immer mich zu Tränen zu rühren. Das ist so lieb! Ich dank dir so! Ach, ich bin ganz sprachlos.