Diese Tage

Am Morgen rollte ich mich heute etwas eher aus dem Bett, wir hingen mit unseren Plänen alle etwas in der Schwebe. Gestern hatte ich noch sehr viel gebacken, aber es war nicht klar, ob das Wetter mitspielen würde und die Kindergartengruppe des Vorschulkindes wirklich zu uns zu Besuch kommen könnte. Als Alternative hatte ich eingeplant sonst mit den Backwaren in den Kindergarten zu fahren. Was zwar kein Weltuntergang, aber nur eine Notlösung gewesen wäre, denn eigentlich war ja der Wunsch, dass alle ein letztes Mal hier her zu uns kommen. Und wir hatten es bereits einmal verschieben müssen, als Tom letzte Woche krank gewesen war und noch einmal würde ich das wohl nicht hinkriegen mit der Backerei, die Schwangerschaft schreitet mit zu großen Schritten voran.
Also wartete ich fix und fertig angezogen auf den Mann zurück von der Bushaltestelle und den Anruf, der das zu uns kommen bestätigte. Als der Mann dann zurück war, wusste ich, dass wir Besuch bekämen und freute mich darüber sehr, aber der Mann fluchte, weil der Schulbus beinahe ohne unsere Kinder los gefahren wäre mit anderem Fahrer, der zu früh dran gewesen war. Schon mal ganz unguter Tagesstart.
Ben durfte zu Hause bleiben, weil sein Bruder ja bald zurück käme und so würde ich mir das Abholen mittags sparen. Es war angenehm still und stressfrei. Ich machte schon einmal Teller mit Muffins und Cookies fertig und genoss diese Ruhe. Ich hätte genug Zeit zum Frühstücken, noch einmal durch die Zimmer zu streifen, durch die Bäder zu gehen, die Erdbeeren von Gegenüber zu holen und zu schneiden. Dann sah ich mitten beim Müsli in den Mund schaufeln in den Kalender und da stand es: „Noah Schwimmen“. Da ging dann ein beherztes „Fuck“ durch meinen Kopf. Wieder vergessen, wieder er. Ich machte mir sofort Vorwürfe. Niemand hatte daran gedacht, weder er selbst noch wir Eltern. Kann doch nicht wahr sein, dass passiert immer, wenn man was anderes im Kopf hat. Ich seufzte und rief den Mann an, aber der saß nach dem Kindergartenintermezzo, um Tom abzugeben schon in der SBahn. Wann sie losfahren würden wollte ich wissen, darum kümmerte sich Nils, von unterwegs rief er im Sekretariat an und machte wieder alle Telefonarbeit- in 30min würde es losgehen. Ich erreichte meine im Kopf flexibelste Freundin leider nicht, also flitzte ich in den Keller, holte Noahs Sporttasche, rannte hoch und warf alles rein, rief Ben zu er solle sich anziehen, wir müssten sofort los und waren auch schon weg. Ich hörte den Bus, der zu spät war um 9.07Uhr, nahm Ben an die Hand und wir sprinteten, der nette Busfahrer hatte Erbarmen, denn zu Fuß wäre es eng geworden- mindestens 20 min zu Fuß. Um 9.17Uhr lief ich mit den Kindern in die Schwimmhalle rein, wartete auf eine nette Frau mit Schwimmhallenoutfit und erklärte ihr die Lage. Die Frau war super nett, merkte sich Klasse und Namen und schon war ich wieder weg, weil wir den Bus 9:25Uhr bekommen wollten und mussten, denn gegen 9:45Uhr hatte sich die Kindergartengruppe angemeldet. Der Bus kam auch und wir fuhren zurück. Ich brauchte immer noch die Erdbeeren, aber mein Geld lag abgezählt zu Hause. Ich fasste mir ein Herz, ging zu dem kleinen RundumdieUhrStand zu der netten Verkäuferin und die sagte sofort „Ja!“, als ich fragte, ob ich später zahlen durfte. Sie kennt uns zwar, aber sie hätte das nicht tun müssen und es war einfach super lieb von ihr. Ich ging so happy nach Hause. Dort wusch ich die Beeren und schnitt sie, ging nur noch über eine Toilette und saugte noch, bevor es klingelte. Tom genoss den Trubel sehr, die Kinder spielten und aßen gemütlich und dann wars auch schon wieder vorbei und sie mussten zum Mittagessen zurück in den Kindergarten. Tom blieb natürlich, Ben war da und Emil müde. Ich wickelte den Kleinsten und steckte ihn in seinen Kinderwagen, in dem er beinahe sofort einschlief. Nicht mal eine Stunde später, kündigte sich der Schulbus an, Tom und ich gingen die Erdbeeren bezahlen, Noah stieg mit Schwimmtasche aus und ich war so dankbar, dass auch das geklappt hatte. Zur Feier des Tages durften die Kinder noch einen Moment DVD schauen und ich kochte ganz in Ruhe. Ich hatte immer noch Schmerzen von dem Sprint am Vormittag, jeder Schritt tat seitdem sauweh. Ich wollte nur etwas Ruhe reinbringen und das gelang auch ganz gut. Beim Essen erzählte das große Kind glücklich von der Schwimmtaschenübergabe, also war auch das ein voller Erfolg gewesen. Ich war erleichtert. Nach dem Essen war Hausaufgabenzeit und Tom und Ben fanden nicht ins Spiel, waren komisch drauf und Emil mittendrin. Auf einmal fing Emil an zu weinen, ich hatte nur nicht gesehen wieso eigentlich. Er hörte nur nicht auf, ich nahm ihn und kuschelte ihn. Versuchte aus Tom raus zu bekommen, ob er etwas gesehen hatte. Das dauerte etwas. Emil wimmerte derweil weiter und mir kam das sehr komisch vor, erst dachte ich an seinen Kopf, aber er hielt sich die Hand. Die schonte er. Ich dachte nur, er wird doch nicht… soviel Pech kann man doch nicht haben. Egal was ich machte, er bewegte den Arm nicht und hielt sich immer wieder die Hand. Unter seinem Klagen rief ich den Mann an und wie schon letztlich geschrieben, dass ist ja immer die letzte Option. Ich wäre allein mit den Kindern in die Klinik gefahren, aber beim Röntgen durfte ich ja vermutlich eh nicht dabei sein, Nils kam mir dann entgegen, meinte er, seine Mama hätte heute einfach keine Zeit. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil Nils ein Meeting verpassen würde. Tom hatte in den Zwischenzeit vom Unfallhergang erzählt, Emil wäre genau auf den Arm gefallen. Meine größte Sorge war, dass er sich das Schlüsselbein gebrochen haben könnte, denn das hatte ich als Kind mal geschafft und Brüche und Kinder ist immer so eine Sache, das merkt man nämlich leider immer nicht sofort. Ohne Auto und mit über einer Stunde, eher eineinhalb Stunden Fahrzeit, musste ich aber schnell überlegen und konnte nicht noch zu Hause abwarten, war mein Gefühl. Ich suchte alles Sachen zusammen mit Hilfe der großen Kinder, allen voran Zoe, delegierte Aufgaben, bat die Mäuse sich anzuziehen, zog mich an, setzte Emil vorsichtig in den Kinderwagen und fuhr mit den Kindern und dem Bus um kurz nach vier zum Bahnhof, kaufte eine Fahrkarte für die Innenstadt und stieg in die S-Bahn. Unterwegs stieg Nils zu und wir aus. Er übernahm dann Emil, meine Tasche und den Kinderwagen und ich fuhr mit den anderen vier Kindern im Feierabendverkehr zurück nach Hause. Zu Hause dann großes Vermissen von Emil -als ich nur vier Gläser aus dem Schrank holen musste, hätte ich fast geweint, zu groß war die Anspannung- und Sorgen machen, ob ich zu hysterisch gewesen war, ob es ihm gut ginge und andere Gedanken, war sehr seltsam nicht beim eigenen Kind zu sein, obwohl Emil seinen Papa abgöttisch liebt und bei ihm genau so in allerbesten Händen ist, wie bei mir! Dann die Erlösung, es wäre wohl nichts dramatisches, es wurde nicht mal geröntgt, sie kämen nun zurück. Ich dachte nur daran, dass dieser super wichtige Elternabend zum Klassenwechsel heute Abend noch wäre und bot an zum Bahnhof zu fahren, um da Emil in Empfang zu nehmen, damit Nils von da aus mit dem Rad zur Schule fahren könnte und rechtzeitig da wäre und das tat ich dann auch. Endgültig mit Abschliessen und meinem fünften Kind wieder zu Hause, schloss ich die Tür heute kurz nach halb acht hinter mir zu. Das war schön. Jetzt warte ich noch auf den Mann und dann braucht nur noch Emil eine Mütze Schlaf -mittlerweile schläft er- und der Tag ist rum. Hoffe ein wenig sehr, dass am Donnerstag bei der Vorsorge alles prima mit mir und Anton ist- bei dem Programm zur Zeit. Eigentlich waren wir nämlich erst gestern beim Kinderarzt etwas abklären und da sind wir ja sonst auch nicht so oft. Aber war auch schön alte bekannte, nette Gesichter zu sehen und zu hören, dass unser Kinderarzt wieder zur U2 zu uns nach Hause käme.

2 Responses to “Diese Tage”

  1. stadtfrau Says:

    hut ab! vor dir UND deinem mann! und den kooperativen kindern natürlich :)

  2. kassiopeia Says:

    Stimmt, die hab ich vergessen. Auf unsere Kinder ist echt immer Verlass! Das ist so toll! <3