Ein Vormittag

Manchmal komme ich mir vor wie ein Superheld, wenn ich in den Minuten, in denen Anton auf dem Boden glücklich unter seinem Spielebogen liegt, geschafft habe umher zu flitzen und irgendetwas zu erledigen.
Wenn ich das dann jedoch aufschreibe, wirkt es irgendwie kläglich auf mich.

Heute bin ich extra früh aufgestanden, es war kurz nach halbsechs, um die Quarkbrötchen fertig zu machen aus dem Teig, den ich gestern Abend in den Kühlschrank gestellt hatte. Das Ergebnis war ernüchternd. Mein aktuelles Begehren sind Brotwaren und meine Familie und ich sind da anscheinend sehr kritisch, denn der große Sohn rümpfte die Nase, stand auf und holte sich eine Schüssel und sein Müsli mit den zauberhaften Worten: „Muss man denn immer alles selber machen?“ (damit meinte er das Backen von Brot, statt es zu kaufen). Diese Frage hallte nach, nicht nur mein Misserfolg. (Ich lerne oder gebe irgendwann entnervt auf, denn da ist die Rede von Bäckerleinen und Baguette-Backformen- und das ist erst der Anfang.) Aber viel wichtiger: Hat er Recht? Vergeude ich wertvolle Zeit und mache es mir unnötig schwer? Weil ich auch das selber machen will?

Nach dem Familienfrühstück ging ich selbst schnell hoch zum Zähneputzen, geduscht, geschminkt und geföhnt war ich ja bereits, verarztete meine entzündete Ohrmuschel (eine andere lange Geschichte), putzte im Anschluss zwei Kindern die Zähne, zog mich an und flitzte am weinenden Emil vorbei zum 8Uhr Zahnarzttermin, denn Emil hatte so überhaupt keine Lust mit dem Papa die Großen zum Schulbus zu bringen. Beim Zahnarzt bekam ich dann heute eine schicke grüne Dose mit meiner (für mich) neuen Beißschiene, gegen die kaputten Zähne und hoffentlich die Lösung zur Rettung meiner Brücke.
Auf dem Weg nach Hause sprang ich nur kurz zum Griechen und kaufte noch etwas frisches Obst, da ich es morgen wohl nicht zum Markt schaffen würde wie sonst, beziehungsweise der Mann, denn das ist seine Samstagsroutine und er ist morgen und übermorgen nicht da, sondern auf der Buchmesse, da wurde mir wieder bewusst, wie viel wir da planen und machen und tun den ganzen Tag um den Laden am Laufen zu halten, möglichst effizient zu arbeiten, um acht Menschen zu versorgen und nichts zu vergessen. Ich sputete mich, denn zu Hause wartete der liebe Mann, um abzuklatschen, damit er endlich in die Arbeit fahren könnte, 8.40Uhr.
Zu Hause angekommen lag Anton auf einer Decke und wirkte zufrieden, also winkte ich dem Mann, schnappte mir mein Putzzeug, raste nach oben und schaffte das obere Bad im zweiten Geschoss zu putzen und aufzuräumen, wischte Staub im Schlafzimmer und putzte noch schnell unsere Fenster, weil dank Vogel nötig, brachte den dazugehörigen Müll nach unten, füllte Seife auf, (alles Dinge, die wir Eltern sonst am Wochenende gemeinsam machen) bereite einen Kuchen vor, stellte eine Maschine Wäsche an und die Spülmaschine und dann fand Anton das Liegen nicht mehr ganz so toll.
Also aß ich mit ihm im Sling mein zweites Frühstück, richtete eins für Ben und Emil, buk einen Zitronenkuchen, legte einen Korb voller Handtücher zusammen und sortierte sie oben ein. Irgendwann zwischendrin stillte und wickelte ich, putzte erneut meine Zähne, räumte die Küche wieder auf, begann Kartoffeln zu schälen, denn Anton hatte sich noch einmal ablegen lassen und dann war es aber auch schon wieder Zeit, kurz vor 13Uhr zur Haltestelle zu laufen, um die Schulkinder einzusammeln. Noch einmal wickeln, Anton schnell zurück in den Sling bevor er richtig untröstlich würde, dann Emil in den Kinderwagen setzen, damit er sich nicht wie den Rest der Woche super toll auf dem Hinweg zur Haltestelle an meiner Hand und Regeln hält, aber leider auf dem Rückweg untröstlich war und sich auf den Boden warf, was dazu führte, dass ich a) mit Engelszungen versuchte das Kind rasch dazu zu bewegen doch noch mit uns nach Hause mit zukommen, während alle anderen vier Großen warten mussten, die Tochter am Ende mit ihm „Fangen“ spielte oder b) die Tochter kraftvoll zupackte und Emil trug, ich dafür ihre Taschen und Jacken oder c) ich nebst Anton noch Emil nach Hause trug. Da war das Schieben mit dem Kinderwagen schon bequemer, vor allem wenn er schon freiwillig einsteigt, muss man das auch ausnutzen… :)

Zurück zu Hause, stellte ich Emil samt Wagen im Flur ab, bis er die Müdigkeit besiegt hatte und sich rausnehmen ließ, stellte mich derweil mit Anton vor den Herd und bereitete das kleine Mittagessen zu Ende.
Und immer wenn alle Kinder dann wieder vereint zu Hause sind, ist gedanklich für mich die erste Tageshälfte um…

7 Responses to “Ein Vormittag”

  1. Valrike Says:

    Oh, mein Gott. Was ist dein Geheimnis? Ich schaffe hier nichts. Nichts. Mit Schulkind, welches 3 Tage die Woche bis 17 Uhr in Betreuung ist und Baby, der Liegen nach 3 Minuten absolut Kacke findet. Ich schaffe nichts, bin dauermüde, berückendweht…
    Was du da leistest, ist verrückt. Wahnsinn. Meisterhaft. Bemerkenswert.

  2. Jenny Says:

    Es wirkt für mich überhaupt nicht kläglich, sondern nach Superhelden-Mum.
    Aber ich kenne das Gefühl nur zu gut immer den eigenen Erwartungen hinterher zu rennen.
    Und zum Brot backen/selber machen kann ich nur sagen: mach ich auch, _aber_ nur wenn es für mich Ausgleich, Entspannung und Freude ist. Ansonsten kann man, heut zu Tage, zum Glück doch alles in guter Qualität kaufen;-)

    Ich schick Euch, unbekannt, liebe Grüße und gute Wünsche für ein schönes Wochenende

  3. Jutta Says:

    Hach, das kommt mir alles sehr bekannt vor :-D Hier ist es allerdings ein kleiner Otto, der auf der Decke liegt, unser Anton ist schon 10. Das Leben mit 6 Kindern (hier 3 Jungs und 3 Mädels) ist trotz und wegen dieser Fülle großartig :)

  4. fishly Says:

    Du Superheld! Ich kenne das Gefühl, wenn man in einem winzigen Zeitfenster versucht so viel wie möglich Erledigungen hinein zu quetschen – und ich muss gestehen, ich liebe das auch irgendwie. Das ist mein persönlicher Sport. Das Gefühl Zeit und Liste zu besiegen ist toll. ;) Allerdings ist das natürlich auch kein Dauerzustand, mittlerweile habe ich gelernt, ganz bewusst auch die Momente zu genießen, in denen gar nichts mehr geht und ich irgendwo sitze und warten muss.
    Dir wünsche ich bei allem Superheldentum vor allem gute Genesung.

    (und ganz verlegen, das hatte ich komplett vergessen, alles Gute nachträglich zum Geburtstag)

  5. geologenkinder Says:

    Also ich back nicht eben mal so einen Kuchen, das dauert Stunden ;-) Und meine Brötchen / Brot finden meine Kinder auch nicht so lecker (frag mich was die Backindustrie da rein packt…)

  6. irmche Says:

    Bad putzen, während das Baby auf der Decke liegt?! Und noch ein paar andere Dinge erledigen?! Das geht hier gar nicht! You are my hero!!!

  7. morgan Says:

    Ja, also ich finde das auch ziemlich beeindruckend, was du in kurzer Zeit alles machst…
    meine Ma bäckt seit +20Jahren Brot selbst, da waren auch EINIGE ungenießbare Kreationen dabei. Jetzt ists aber total lekcer, auch wenn sie tagein, tagaus genau das gleiche Brot bäckt (gut, dass ich ausgezogen bin ;-)) Das wird also schon!!!
    Ich backe Brot auch selbst – mittlerweile nicht mehr so oft, weil der Trupp übern Sommer nur viel zu unregelmäßig Brot gegessen hat (auch begünstigt durch den Papa, der da immer mal gern um die Ecke kommt und meint „nääää ich hab jetzt aber Lust auf Müsli“) und mir dann der Sauerteig gekippt ist und ich immer dann, wenn das Brot knapp wird, drandenke, dass ich den ja eigentlich ein paar Tage vorher hätte ansetzen müssen. ARGH!
    Grade „gammelt“ mein zweiter Versuch vor sich hin – der erste wurde schon sehr lecker und gestern direkt aufm Ofen schon die Hälfte vernichtet… Ich hab gestern Abend mit nem halben Tütchen Trockenhefe einen Teig gemacht und den abgedeckt zur Seite gestellt. Der ist jetzt ein bisschen angegoren, nachher (wen ich dazu komme) kommt mehr Mehl, Wasser und der Rest des Tütchens Hefe rein. Und dann halt Salz und ein bisschen Backmalz (weil das hier noch rumliegt) und diverse Körner. Und dann hoffe ich ;-) dass es der Truppe auch schmeckt.
    Samstag hatten wir einen denkwürdigen Dialog übers Thema Brotbacken. Mal sehen ob ich den noch zusammenkriege:
    Sohn_Groß: Mama, die Bäcker machen das Brot aber krustiger
    Ich: Ja, ich habs nicht so krustig gebacken, weil ihr die Kruste nicht so mögt
    Sohn_Groß: Ja. Nur Bäcker machen leckeres Brot, die haben das ja gelernt.
    Ich: Okay, ich mache also kein leckeres Brot?
    Sohn_Groß: nein
    Ich: Okay, dann gib mal bitte dein Nutellabrot zurück, weil das hab ich gebacken…
    Sohn_Groß: Was? ÄÄäääää…. SEHR LECKER!!!! *Stopft sich schnell den Rest in den Mund*
    (Sohn_Groß ist 4. Was kommt da noch auf mich zu??? ;-))