Jahresrückblick 2014

Auch wenn ich körperlich wie geistig in den vergangenen Monaten anwesend war, kann ich nicht glauben, dass all das in 365 Tage gepasst hat.
Und für mich bleibt dieses Jahr auch für immer ein wenig gespalten in das Leben vor und nach Antons Geburt.
Das Jahr, in dem ich ich Mutter von sechs Kindern wurde.

Januar

Dieses Jahr beginnt für mich noch mit größter Unsicherheit. Sorge und Hoffnung vereint in einem Herzenswunsch, ich bin in der 11. Woche schwanger.
Ich begleite Tom zu seiner Schuleingangsuntersuchung, wir füllen die dritte Schulanmeldung aus, er schnuppert in seiner Wunschklasse, sehr zu seiner Freude. Wir feiern Nils 31. Geburtstag, streichen das Kinderzimmer von Tom und Ben neu und so etwas heller. Wir backen Waffeln und kaufen erste Tulpen, als bunte Tupfen in der kalten Jahreszeit. Wir hübschen das Wohnzimmer auf, was sich nicht unbedingt als geschickt erweist. Es gibt einen neuen schwarz/weißen Teppich fürs Wohnzimmer, eine weiße TV- Bank und einen neuen weißen Tisch fürs Wohnzimmer. Emil verschönert derweil den weißen Sekretär mit rotem Filzstift, schmiert das gelbe vom Ei auf den neuen Teppich im Wohnzimmer und verewigt sich obendrein mit blauem Wachsmaler auf den neuen Couchtisch. Auch eine Art Farbkleckse, ein bunter Jahreseinstieg.
Wir haben drei Tage kein Telefon, Fernseher oder Internet. Noah erobert die Nachbarschaft und dreht mittlerweile routiniert seine Runden mit dem Rad allein. Ich erwische Emil zwei Mal beim Anknabbern von Kuchen und halte das fotografisch fest, als er ins Klo greift mache ich nicht extra ein Foto (ansonsten ist er einfach nur niedlich). Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht ein einziges Buch gelesen habe, was wie sich später heraus stellt ein Omen für dieses Jahr ist.
Genau einmal war ich Schwimmen und habe es leider bereut. Das Tochterkind gründet einen Club in der Schule, der sich um Verletzte während der Pause kümmert, nicht die einzige Idee in diesem Jahr. Man kann endlich mit Herz behaupten, Ben ist nach über einem Jahr richtig im Kindergarten angekommen.
Es finden ein Familienfrühstück ohne Opa, ein Krimiabend, ein Taufgespräch und ein Frühstück bei mir statt.
Das neue Haus an der Ostsee feiert sein Richtfest.

Februar

Das Wetter ist mild für diese Jahreszeit. Am 15. des Monats können wir sogar draußen grillen und auch wenn die Temperaturen nicht so schön bleiben sollten, wir genießen jede Minute davon.
Ziemlich zügig gehen die Vorbereitungen für die Haustaufe voran. Meine Schwiegereltern öffnen ihr Haus für uns und unsere Freunde. Zusammen feiern wir mit 10 Kindern, 16 Erwachsenen und der Pfarrerin die sehr bewegende Taufe unseres fünften Kindes. Wenige Tage später möchte ich meiner Schwiegermama anvertrauen, dass wir auf unser sechstes Kind hoffen, da gesteht sie mir, dass man es an der Taufe schon gesehen hat.
Unser 10. Hochzeitstag nähert sich. Auch in diesem Jahr schenkt uns Heide zwei Nächte im Ausland. Unser Ziel in diesem Jahr ist Paris. Doch nur wenige Tage vor der Abreise hat Emil einen ersten schlimmen Pseudokrupp- Anfall und obwohl es ihm gut geht und ich ihn in den besten Händen weiß, fällt mir der Abschied schwer. Noch schwerer wird er durch die leichten Blutungen, die ich ganz plötzlich und unerwartet habe. Ich bin in der 19. Woche schwanger und im Krankenhaus ist bei der Untersuchung mit Anton soweit alles gut. Schweren Herzens setzen wir uns in das Flugzeug, fliegen immer der Liebe entgegen. Wir haben endlich Zeit für uns, sind in einer der schönsten Städte der Welt und ich bin die meiste Zeit mit meinen Gedanken bei unserem Kind, dessen Bewegungen ich immer wieder nachspüren muss. Ich traue mir nicht viel zu, möchte nichts riskieren, nicht in diesem fremden Land, in dem ich mich nicht gut ausdrücken kann. Wir verleben trotz allem viele schöne Momente, machen alles sehr behutsam. Als wir am Flughafen auf den Rückflug warten bin ich dennoch aus tiefstem Herzen dankbar und erleichtert, zähle weiter die Tage bis zur magischen Grenze: überlebensfähig. Eine Chance aufs Leben. Es sind noch etwas mehr als 30 Tage dahin.
Mit dem Hochzeitstag jährt sich auch mein allerster positiver Schwangerschaftstest. Ich bin unheimlich sentimental und schwelge in Erinnerungen. Derweil macht der positive Test von damals mit dem ältesten jüngeren Bruder die Straßen unsicher: Zoe und Noah .

März

Gleich zu Beginn des Monats feiern wir Toms Geburtstag mit viel Sonnenschein.
Die ganze Zeit schon schleiche ich um Anleitungen für eine Decke für Anton, auch ihm möchte ich wie schon Emil eine häkeln oder stricken, aber ich finde keinen Anfang. Dann ist da plötzlich eine andere Idee und ich bastel ein Mobile für Anton. Jedes kleine Teil, an das ich mich wage, an das ich meine Vorfreude rein arbeiten kann ist ein Stück Glück.
Wir werden von der Zeitschrift Freundin gefragt, ob wir Lust darauf haben, Teil einer Serie in der kommenden Ausgabe zu sein. Eigens dafür werden wir in ein Studio eingeladen, um professionelle Fotos machen zu lassen, die nun ein Stück wundervolle Erinnerung für unsere Familie sind.
Der dritte Monat im Jahr ist auch der, an dem ich mich jedes Mal an den Tod unseres ungeborenen Kindes erinnere. Schon ein zweites Mal in meinem Leben bin ich genau zu der Zeit schwanger und unheimlich unsicher. Da ist Trauer, Liebe, Vermissen und Hoffnung, Glück und Vorfreude auf einmal, alles gleichzeitig.
Meine Eltern sind zu Besuch und ich kann ihnen endlich sagen, dass wir noch ein Kind bekommen, auf diesen Moment habe ich Monate gewartet. Zusammen besuchen wir den Tierpark Hellabrunn in München, als wir ankommen scheint die Sonne, als wir gehen ist es klirrend kalt und es wehen Schneeflocken. Aber der Besuch ist unvergesslich und für die Kinder eine schöne Abwechslung in diesem Frühjahr von ihrem Alltag.
Ende März, nach der Abreise meiner Eltern, fasse ich mir ein Herz und offenbare auch im Netz meine Schwangerschaft. Mit mulmigem Gefühl, da ich Emils bis zur Geburt für mich behalten hatte.

April

Wir sind krank. Andauernd, zumindest gefühlt. In diesem Monat werden die mittleren Jungs nur ein paar wenige Tage im Kindergarten sein. Emil leidet mehrere Tage ganz fies unter einem Magendarm- Virus, scheint sich erstmal kaum davon zu erholen. Darum herum leiden auch andere Familienmitglieder.
Mitte April hat Noah Geburtstag. 8 Jahre wird er alt und feiert mit ein paar Gästen seinen Geburtstag im Deutschen Museum in München.
Nils geht mit den vier Großen ins Kino, sie schauen: The Lego Movie, derweil erkennt man uns in der neuen Ausgabe der „Freundin“. Emil spricht endlich Ein- und Zweiwortsätze, ich halte seine ersten Worte fest und bin hingerissen von unserem wachsenden Küken. Außerdem nehme ich mir Zeit zu Zweit mit Tom, der seinen Platz nicht findet und zwischen den Stühlen steht, die Kindergarten und Schule heißen.
Ein neuer finanzieller Tiefpunkt tut sich auf, der uns in Streit und Verzweiflung treibt, weil da noch ein Berg Ausgaben vor uns liegt. Weil ich den Kindern gegenüber ein unglaublich schlechtes Gewissen habe, dass wir bis zum Sommer keinen Urlaub oder eine kleine Auszeit nehmen können, kratzen wir dennoch unser Geld zusammen und fahren mit den Kindern in die Therme Erding, was uns als Familie unheimlich gut tut und wieder schöne Erinnerungen geschafft hat! Am nächsten Tag findet bei uns in der Stadt eine kleine aber richtig tolle Lego- Ausstellung statt, die wir besuchen, im Anschluss daran kochen wir schön und genießen unser Essen auf der Terrasse.
Ich versuche mir eine Auszeit zu nehmen und fahre allein in die Bücherei, in der ich mehrere Bücher ausleihe, die ich in den kommenden Wochen tatsächlich auch lese und der Mann freut sich, dass ich nicht wieder welche kaufe. Ich beginne mit dem autobiografischen Buch „Ein Tagwerk Leben“.

Mai

Oma läd die Kinder ein bei sich zu übernachten. Leider regnet es am ersten Tag und Tom spuckt mit solcher Ausdauer, dass er mit uns zu Hause bleibt und lange aufbleiben darf, während die anderen unterwegs sind. Am nächsten Tag bekommen wir die drei Kinder nach einem schönen zweiten Tag zurück.
Seitdem es Erdbeeren gibt, kaufe ich fast täglich welche, die Kinder verschlingen beinahe ein Kilo mühelos am Tag und ich genieße diese Zeit sehr, backe Erdbeerkuchen mit eigenem Biscuitboden dank der alten Form meiner Oma und dem Rezept meiner Familie, wenn wir Besuch erwarten.
Je weiter die Schwangerschaft voran schreitet, desto mehr beschäftigen mich die Blicke der Anderen. Ich bin nach dem letzten Monat Kranksein ziemlich ausgebrannt und hege schon jetzt meine ganze Hoffnung ins kommende Wochenbett, das mich in wenigen Wochen erwartet. Ausruhen möchte ich mich gern können, gut dass ich jetzt noch nicht weiß, dass das so auch nicht möglich sein wird.
Beim Abholen der Kinder im Kindergarten läuft Ben gegen den Maibaum, sofort kommen der Papa und die Oma zur Hilfe und eilen zu uns nach Hause. Zusammen versorgen wir das Kind, das nur geklebt werden muss und mit Kopfschmerzen davon gekommen ist (und die anderen Mäuse).
Nachdem wir den ersten Besuch von Toms Kindergarten- Gruppe absagen mussten, als Tom erkrankt war, versuchen wir das nachzuholen und dem Vorschulkind zu ermöglichen. Genau an dem Tag vergesse ich dem Schulsohn seine Schwimmsachen mitzugeben, das schlechte Gewissen ist riesig, ich mag für alle da sein, also renne ich im Galopp zur Bushaltestelle, fahre zur Schwimmhalle und bitte dort eine mir fremde Frau meinem Kind die Badesachen zu übergeben, weil ich keine Zeit habe, selbst auf ihn zu warten, denn wir erwarten ja die Kindergartengruppe in wenigen Minuten, also renne ich zum Bus und von dort zum Erdbeerstand, wo mir die allerliebste Verkäuferin die Erdbeeren erstmal ohne Geld mit gibt, denn das liegt abgezählt zu Hause. Rechtzeitig sind wir zurück, machen allen die Türe auf und Tom genießt den Trubel. Als alle wieder fort sind, hänge ich meinen Gedanken nach und mache sauber, den Kindern Mittag und hoffe auf einen entspannten Nachmittag bis Emil auf den Arm fällt und ihn nicht mehr richtig bewegt, also fahren wir alle dem Papa in die Stadt entgegen, übergeben den Gestürzten und fahren wieder nach Hause, in das uns nur kurze Zeit später Gott sei Dank beide wieder folgen. Der Arm ist nur ordentlich geprellt.
Ich nutze an einem Tag die Gelegenheit und fahre mit den aktuellen noch drei Kleinen das erste Mal ins Freibad und finde es wundervoll!
Im Frühjahr hatte ich mich liebevoll um meine Rosen gekümmert, das trägt nun die schönsten Blüten. Meine Rosen blühen in Hülle und Fülle, was mich unheimlich glücklich macht und ich stelle sie mir wegen des Regens öfter ins Haus, damit ich auch etwas von Duft und Farbe habe, so lange sie blühen.
Ich hechte einmal abends ins Freibad, um etwas für mich zu tun und schwimme zwar nur noch vier Bahnen, aber bin danach sehr glücklich.

Juni

Die Ruhe, die ich mir noch vor Kurzem gewünscht hatte, trifft mich plötzlich aus dem Hinterhalt. Ich habe Wehen in der 33. Woche und muss für ein paar wenige Tage ins Krankenhaus, in dem ich meine Familie nicht nur vom Bett aus vermisse, sondern sie auch von jetzt auf gleich mit allem allein lassen muss. Nach dem Aufenthalt fühle ich mich total verunsichert und es fällt mir unglaublich schwer meine Kräfte einzuschätzen, möchte unser Baby nicht in Gefahr bringen, aber auch wieder etwas tun, meine Arbeit erledigen, keine Last sein und mich lebendig fühlen. Dabei hilft ein Ausflug ins Freibad mit der Familie, bei dem ich mich nicht von der Decke bewege, aber mich trotzdem wieder als ein Teil der Familie fühle, mittendrin bin.
Der Garten liegt brach, ich darf nicht und Nils fängt schon genug auf, noch immer kann ich mich um nichts mehr wie zuvor kümmern, derweil zähle ich die Tage.
Ich möchte Emil bei stehen und schaffe es tatsächlich die großen Vier bei einer Freundin zu lassen und so fahren wir Eltern und Oma zusammen nach München, um ihm bei seiner Zahn- OP bei zu stehen. Emil wird unter Vollnarkose operiert, wobei ihm zwei seiner oberen Schneidezähne entfernt werden. Ich habe sehr lange daran zu knabbern, die Schuldgefühle nagen (berechtigt) an mir und ich versuche mich an den neuen Anblick unseres Sohnes zu gewöhnen, was mir leichter fällt als gedacht, weil er deutlich zeigt, wie gut ihm das alles tut, endlich hat er keine Schmerzen mehr.
Nach zwei Wochen daheim ohne nennenswerte Wehen, muss der beste Vater meiner Kinder wieder arbeiten gehen, die Kinder haben noch eine Woche Ferien und ich lasse die Kindergartenkinder zusätzlich daheim, damit ich nicht raus muss und mir das Hin- und Herlaufen und Fahren erspare.
Je mehr Zeit vergeht, desto weniger mache ich mir Sorgen um Anton. Am Ende des Monats habe ich doch wirklich die 37. Woche erreicht und fiebere der magischen Frühchengrenze entgegen. Ich kann mich kaum noch bewegen, aber bereite mich mehr und mehr auf Antons Ankunft vor, koche Mahlzeiten vor, während die drei Großen mit ihrem Papa durch den Wald stapfen, anlässlich der Sommersonnenwende. Aber ich koche nicht nur, ich nähe einen Wal für Zoe mit der Hand, nachdem wir einen für Anton geschenkt bekamen. Total überwältigt bin ich von einem großen Paket, wir bekommen das Bett für Anton, das ich versuche seit Wochen zu kriegen, geschenkt.
Emil feiert mit uns seinen zweiten Geburtstag in Familie, ganz in Ruhe, an einem schönen warmen Tag Ende Juni.

Juli

Mit dem Bett, dem Kuscheltier und der Bettschlange meiner Eltern für Anton vollende ich auch den Ausbau unseres Nests. Wir fangen an zu warten, vor allem jetzt da ich wieder eine ganz normale Schwangere bin und mir keine Sorgen mehr um Anton machen muss. Dieser Wechsel fällt mir gar nicht so leicht, so fällt die Anspannung von mir nur langsam endgültig ab und das Erwarten und Hinfiebern beginnt.
Derweil breitet sich in mir viel innere Unruhe aus, ich habe das Gefühl so auch kein Kind bekommen zu können, es ist neben Weihnachten die anstrengendste Zeit im Jahr: Der letzte Monat vor Schul- und Kindergartenferien. So dreht sich alles um Toms und Zoes Abschied. Tom malt mit seinem Papa eine Zaunlatte an und ich helfe Zoe bei ihrem Abschiedsgeschenk für ihre Lehrerin.
Heide und ich fahren zur Zahn- OP- Nachkontrolle mit Emil, ihm geht es gut, alles heilt wie es soll und ich sehe deutliche Fortschritte.
Mittlerweile kann ich kaum mehr Laufen. Bekomme Zahnweh, die mir mein herbeigesehntes Wochenbett noch zerschießen werden. Nach einem solchen Termin beim Zahnarzt, kommt ein Anruf aus dem Kindergarten, Tom wäre in Ohnmacht gefallen. Ein Riesenschreck nicht nur für uns, sondern vor allem auch Tom, seine Erzieherinnen und die anwesenden Kinder. Gott sei Dank bleibt es bei dem einen Mal.
Ich gehe ein letztes Mal schwimmen und erinnere mich an das letzte Jahr, als ich die vielen wunderschönen runden Bäuche beäugte, jetzt bin ich selbst schwanger und zeige meinem Kind schon einmal mein geliebtes Wasser.
19 Tage vorm Termin fährt meine Schwiegermama und Notfallnummer Nummer 1 in den wohlverdienten Urlaub. Eine super liebe Freundin erklärt sich bereit und wartet Tag und Nacht auf unseren Anruf, doch der kommt nicht. Wir warten auf Heides Rückkehr…
Mitten in der Nacht, zwei Tage nach dem errechneten Termin habe ich meinen allerersten Blasensprung und renne anschließend nicht nur sprichwörtlich ins Krankenhaus, um Anton auf die Welt zubringen. Endlich! Auch nach dieser Geburt laufen mir vor Erleichterung und Glück die Tränen, ich liebe dieses kleine zauberhafte Wesen und er wird sofort bestaunt und gestreichelt, als nur eine Handvoll Stunden nach seiner Geburt, die Geschwisterkinder das Schlafzimmer stürmen.
Noch am selben Abend ist die Abschlussfeier von Noah, die Heide mit Zoe und Tom besucht, diese endet mit einem Besuch der Notaufnahme, Noah muss geklebt werden. Tags drauf ist der letzte Schultag dieses Schuljahres und weitere zwei Tage später wird Tom aus dem Kindergarten geworfen. (Außerdem jährt sich mein letzter Arbeitstag als Tagesmutter und ich bin nach wie vor sehr froh, um meine Entscheidung von damals.)

August

Ferien. Endlich. Nils ist in Elternzeit zu Hause für zwei Monate. Ich sauge unser Baby in der ersten Woche auf, spiele mit den Kindern Uno im Bett oder lese ihnen abends Harry Potter vor und bin allein genauso hilflos am Abend, als ich mir ein Brot machen will und Nils grad mit Emil im Kinderwagen seine Runden dreht, wie beim ersten Kind…
Acht Tage nach Antons Geburt, lasse ich unruhig das Baby bei seinem Papa und renne zum Zahnarzt, das erste Mal. Leider folgen weitere Male, was ich noch nichts weiß. Bei all dem hat mir im Wochenbett der Wochenflussstau noch gefehlt, aber Heide rettet mich vor dem Krankenhaus, in das die Ärztin mich am Liebsten sofort zur Ausschabung geschickt hätte.
In der zweiten Ferienwoche lernen erst Tom und dann Ben Radfahren, Anton genießt sein erstes Bad. Heide entführt die fünf Großen damit wir Zeit haben für einen Ausflug zum Volksfest und packen, denn in der dritten Woche nach der Geburt sind wir mitten in den letzten Abreisevorbeitungen… und auf den Tag genau als Anton drei Wochen alt wird, fahren wir mit TaxiBahnBahnTaxi die 1000km ans Meer ins neue Haus, das erste Mal zu Acht!
Dort verlieben wir uns mehr und mehr in Anton, der dort oben auch bald 1 Monat alt wird.
Wir sind im Glück, genießen das Meer, den Strand, die Wellen, die Ruhe… Zoe bekommt einen Roller und mit den anderen mitgebrachten Rollern und Laufrädern sind die Kinder herrlich mobil und trauen sich immer mehr zu. Erst fährt Zoe allein an die Promenade, dann Noah, ein paar Mal auch beide zusammen. Tom liest erste Worte, in dem er einzelne Buchstaben verbindet, wir essen Eis an der Strandpromenade, machen einen Ausflug nach Neustadt.

September

Die zweite Hälfte unseres Urlaubs bricht an. Wir sind weiterhin am Meer, am Ende werden es vier Wochen sein, die wir am Stück da waren. Das erste Mal überhaupt verbringen wir so viel Zeit an der Ostsee hintereinander.
Wir besuchen das erste Mal den Zoo zu Acht, die Kinder fahren Motorboot mit ihrem Papa, einmal fahren wir alle zusammen. Ich schaffe es unerschrocken in der kalten Ostsee zu baden. Gegen Ende des Urlaubs gehen wir noch ins Schwimmbad und ich versuche mir Zeit für mich zu nehmen. Dazu gehört leider auch ein Besuch beim hiesigen Zahnarzt. Zoe bricht sich als erstes unserer Kinder einen Knochen. Es ist der Ringfinger, der sie mit ihrem Papa ins Krankenhaus bringt und mit einer Schiene zurück kommen lässt. Derweil hat Anton seine erste Bindehautentzündung, was nicht sonderlich verwunderlich ist mit dem Wind und dem einen oder anderen Finger von Emil der sich in Antons Auge verirrt. Die Abreise rückt immer näher und auf einmal ändert sich das Wetter radikal, als würde es uns nach Hause schicken wollen. Die Wellen brechen sich weit auf der Uferschutzanlage, dort sitzen wir auch und beobachten die Naturgewalt. Auf der Fahrt nach Hause treffen wir das erste Mal Frische Brise und ihren Adventsjungen am Hamburger Hauptbahnhof und kommen nach einer langen Fahrt am Abend, eine Stunde später als geplant nach Hause, um am nächsten Tag schon die Einschulung von Tom zu feiern, zu der sogar meine Eltern anreisen.
Ein paar Tage später wird mir ein umkämpfter Zahn endlich gezogen, was aber auch wieder nicht ohne Komplikationen passieren kann. Noch haben wir Elan nach dem Urlaub und so streichen wir die Wand im Wohnzimmer, die dann pünktlich zu Bens Geburtstag erstrahlt. An seinem Geburtstag nehmen wir uns bewusst Zeit für ihn und fahren vormittags in ein Schwimmbad ohne die älteren Geschwister, gerade auch weil er niemanden einladen wollte und unsere Nähe geniesst.
Dieser Geburtstag ist auch so ein Wendepunkt. Ben kam genau in dem Jahr zu Welt, als Zoe wenige Wochen später 5 Jahre alt wurde, so alt wie er jetzt.
Zum Ende des Monats bin ich bei meiner Frauenärztin und habe dort meine Abschlussuntersuchung, die nun diese neunte Schwangerschaft offiziell beendet und mir meinen Rest Unsicherheit nimmt. Mein Körper hat es geschafft!

Oktober

Mein Geburtstag naht. Dafür stehe ich am Ende doch wieder viel in der Küche, weil alle meine Gäste sich nicht nur auf mich, sondern auch meine Backwaren freuen. Der Mann unterstützt mich tatkräftig und so kann ich nach einem schönen Frühstück mit meiner Freundin am Nachmittag einen wunderschönen Geburtstag mit wenigen erwachsenen Freunden und ihren und unseren vielen Kindern verbringen.
Ich bin immer noch mit meinen Zähnen beschäftigt und habe mir Ohrenschmerzen angeschafft. Da mich der Alltag und die Monate voller Arztbesuche überfordern, pfeffere ich unvorsichtig und sauer wie ich bin einen kaputten Teller so in den Mülleimer, dass ich anschließend noch mehr Zeit beim Arzt und in der Notaufnahme verbringe und mich nähen lassen muss. Somit bin ich in den wenigen Tagen vor der Abreise zum Geburtstag der Oma an die Ostsee noch überforderter und weine am Ende bitterlich, weil ich nur eine Hand benutzen kann. Aber es lohnt sich so sehr. Wir reisen in acht Tagen somit 1000km hin und dann noch einmal zurück.
Ich habe in den letzten Wochen Angst gehabt mich selbst zu verlieren, hier am Meer finde ich mich. Und genieße das erste Mal mit meiner Familie den wunderbaren Herbst bei schönstem Wetter an der Ostsee in einem Traum von Haus. Meine Familie geht ins Schwimmbad, bei diesen Besuchen lässt Noah endlich los und „lernt schwimmen“, ich gehe viel am Strand spazieren und versuche die Zeit möglichst viel zu genießen und lese endlich „Die Mondspielerin“ zu Ende, als hätte es nur auf den richtigen Moment gelesen zu werden, gewartet.
Heides Geburtstag(e) ist (sind) richtig schön und wir genießen das Wiedersehen mit vielen Familienmitgliedern.

November

Am zweiten Tag im November reisen wir zurück und nehmen ein großes Stück Erholung mit, dass ich gleich in die Vorbereitungen für Zoes Geburtstag stecke. Unglaublich aber wahr, das Tochterkind wird 10 Jahre alt und ich bin sehr stolz auf unser tolles Kind!
Eine Woche später werden mir die letzten Weisheitszähne heraus operiert, was unten gar nicht so einfach ist wie erhofft. Ich leide in den Tagen danach so sehr, weiß nicht wohin mit den Schmerzen und brauche viel mehr Schmerzmittel, als ich gehofft hatte.
Auch in diesem Monat wartet ein kleiner Magendarm Infekt auf uns, der aber nicht alle Familienmitglieder trifft.
Mitte des Monats stirbt Nils Tante, die wir noch kurz zuvor auf dem Geburtstag gesehen hatten. Und mit dem Totensonntag denke ich an noch andere liebe Menschen, die nicht mehr bei uns sind.
Und somit kündigt sich auch traditionell plötzlich die Vorweihnachtszeit an. Eigentlich hatte ich viel vor, ich wollte selbst etwas herstellen, aber hinten und vorn fehlt die Zeit dafür, so bleibt es vorerst bei ein paar gestrickten Reihen für Antons Stulpen.
Wir backen viel und ich genieße die viele Zeit mit den Kindern und versuche sie möglichst schön zu gestalten. Was etwas erschwert wird, durch einen fiesen Infekt, der erst den Mann richtig Schach matt setzt für eine Woche und meinen neu hinzu gewonnenen Schmerzen im Fuß.. Ein Gutes hat das Ganze, wir entdecken endgültig „How I met your mother“ für uns und dann ist auch schon der erste Advent…

Dezember

Nun bin ich krank. Und ich bastelte die ersten Tage mit Fieber sogar noch mit den Kindern, bis es in die Höhe schießt und nichts mehr geht, so pflegt mich der Mann ein paar Tage. Durch die Ruhe und die Zeit, die ich nun habe, spüre ich ganz deutlich wie schlimm das Geburtstrauma für mich ist. Mit dem Mut einen Artikel hier zu veröffentlichen und dem offener zu begegnen, mich zu trauen die Worte laut zu sagen, geht es mir schon besser. Ich beherzige einige Anregungen, die ich bekam und versuche weiterhin auf meine Psychohygiene zu achten. Was mir relativ gut gelingt, ich bin drei Mal allein schwimmen, lese immer wieder die eine oder andere Seite meines nur 13. Buchs in diesem Jahr, stricken schaffe ich dafür gar nicht, weil da am Abend, wenn es still ist andere wichtigere Dinge auf mich warten, vor allem in der zweiten Hälfte des Monats, dafür treffe ich einen Abend liebe Freundinnen.
Nach meiner Gesundung entsteigt Emil seinem Kinderwagen und läuft fortan nur noch.
Wir besuchen den Weihnachtsmarkt, ich schaffe es drei Mal mit den Kindern ins Schwimmbad, wir backen viel und laden Freunde zu uns ein zu einem schönen Nachmittag ein, besuchen an einem Advent Oma und Opa in der Nachbar- Vorstadt.
Der Nikolaus kommt auch in diesem Jahr, Nils und ich gehen nach Jahren beinahe allein abends aufs Tollwood. Wir schaffen es in diesem Jahr zu drei von vier Weihnachtsfeiern, die Vierte entfällt wegen erneutem Magen- Darm- Infekt, der uns dieses Mal alle erwischt, vor und direkt über Weihnachten. Aber noch halte ich tapfer den Kopf über Wasser, solange wir nur zusammen wären sei alles gut, so verbringen wir einen schönen Nachmittag in Familie am zweiten Weihnachtsfeiertag bis die nächste Plage ins Haus steht, der wir mit allen verbleibender Macht entgegen treten. Aber wie las ich bei irgendwo so schön!?- Weihnachten mit denen feiern, die da sind, an die denken, die es nicht sein können und die vermissen, die da sein sollten- so sinngemäß meine ich. Sehr wahr.
Ansonsten basteln wir fleissig an Bens Schulrücktritt. Tom verliert die zwei oberen Frontzähne und Anton bekommt dafür zwei Neue unten.
Und vielleicht verheißt uns der blühende Barbarazweig ja etwas Glück und vielleicht auch Gesundheit fürs kommende Jahr…

In etwas mehr als 24 Stunden ist dieses Jahr zu Ende. Und als ich vorhin „meinen“ Weg an der Amper entlang zum Hallenbad ging, während überall Schnee lag und die Flocken umher tanzten, dachte ich bei mir: „Weißt du noch letztes Jahr um diese Zeit, als alles was erstmal zählte Antons Leben war?!“ Wie viel Angst, wie viel Sorge, wie viel Wunsch und Hoffnung, ja wie viel Liebe ich empfand, wenn ich diesen Weg ging. Es war als würde ich noch einmal alle meine Fußspuren nachgehen… als hätte ich mich selbst eingeholt. Ich fühlte mich leichter und dankbar…

… und so geht das Jahr zu Ende…

3 Responses to “Jahresrückblick 2014”

  1. blumenpost Says:

    Was für ein Jahr.
    Ich bin so beeindruckt davon mit wie viel Herz du alles machst.
    Ich wünsche euch für das neue Jahr vor allem Gesundheit. Trubel hast du ohnehin immer, krank sein muss da nicht auch noch sein finde ich.

  2. frl_mieke Says:

    Wie einen spannenden Roman mit allen Höhen und Tiefen hab ich deinen Rückblick aufgesogen. Ich bin glücklich, dass wir über das ganze Jahr in Kontakt( im Herzen und in Gedanken) geblieben sind und wünsche uns,dass wir es 2015 schaffen,uns wieder in echt zu sehen.Ob allein zum Reden oder dann zu 13t alle zusammen! Fühl dich ganz innig umarmt und grüße alle von uns!

  3. Manuela Says:

    Wow! Ich wünsche dir für 2015 einen Moment Zeit, in dem dir bewusst wird, was du und ihr im letzten Jahr alles geschafft habt. Und Gesundheit wünsche ich euch!
    Liebe Grüße,
    Manuela