Archive for Juli, 2010

“Noch nie was von Kindesentführung gehört?”

Donnerstag, Juli 15th, 2010

Ich dachte ja, so was gibt es quasi gar nicht oder nur ganz selten. Aber heute als ich Ben kurz
draußen stehen ließ, ihn sogar schimpfen hörte, aber zu tun hatte einen brüderlichen, schlimmen
Streit zu schlichten (zerrissene Geburtstagseinladung), klingelte bei der Ergotherapeutin eine
ältere Dame Sturm: “Wo ist die Mutter dieses Kindes?” (Akteurin zeigt auf Ben im Stokke.) “Ich
bin die Mutter.”- “Ja, das können Sie doch nicht machen?”- “Was genau?”- “Na, das Kind hier
in der Sonne (es war bewölkt, 1 1/2 Minuten mit Gucken gehen waren vergangen) und das
Kind (gemeint ist immer noch Ben) hätte entführt werden können!”- “Aha.” Die Dame sichtlich
aufgebracht, weil es mich so gar nicht interessierte: “Aber haben Sie denn noch nie was von
Kindesentführung gehört?”- “Was soll ich denn machen?”- “Ja, also das geht ja gar nicht!”
Der Mann der Dame ist auch sehr aufgebracht. Ben guckt irritiert. Die Ergotherapeutin und
ich schmunzeln um die Wette. “War ja nur kurz”, sagt sie. Die Dame keift entrüstet: “Ihnen ist
aber auch nicht mehr zu helfen.” Ähm ja. Und zurück bleibt das Gefühl von: Ist das gerade
wirklich passiert? Mir wurde dann bei der Ergotherapie der feierliche Türkeil gezeigt, mit dem
ich in Zukunft auch gern, die Tür offen stehen lassen darf, damit ich von drinnen raus schauen
kann auf das Kind im Kinderwagen. “Damit das Kind nicht entführt wird”, sage ich zur Therapeutin
und sie schmunzelt.

Ich glaube,

Dienstag, Juli 13th, 2010

ich habe in meinem Leben noch nie soviel gelesen. Mails, Berichte, Fragen. Ich hab auch noch nie
so viele Emails geschrieben. Ich war auch noch nie so überwältigt von anderen Menschen!

Buchprojekt 2010 und das Leben

Dienstag, Juli 13th, 2010

Ich arbeite. Ich geb mir Mühe. Aber ich bin auch unsagbar müde. Zwei Kinder sind krank, eines
davon für mich schlimm. Mein kleiner Rothaariger reagiert ganz fies auf Mückenstiche. Einer in
seiner Kniebeuge ist so angeschwollen, dass er heute vom Kinderarzt bandagiert wurde. Und
als würde das nicht reichen, vermutet der Arzt eine Sonnenallergie, weil seine Arme übersät sind
mit Ausschlag. Ich mag das noch nicht richtig glauben. Ich geb die Hoffnung nicht auf. Vorhin
schlief der kleine Mensch wimmernd, im kühlen Bad in meinen Armen ein. Ich bin Mutter. In
solch schrecklichen Momenten ein ganz wunderbares Gefühl, trotzdem.

Ich habe bereits
*um die 24 Geburtsberichte, wenn ich mich nicht verzählt habe.
*1 Bericht von einem Vater
*2 Interviews von Hochschwangeren
*eine Handvoll Interview Partnerinnen zum Thema Totgeburt
*eine Handvoll zum Thema Fehlgeburt
*eine Handvoll zum Thema Frühgeburt
*eine Handvoll zum Thema Kinderwunsch
*Fotos aus dem Kreisssaal
*ein geplantes Interview von Hebammen aus der Region im September
*eine Hebamme als Interviewpartnerin

Ich brauche:

*mehr Berichte
*mehr Väter
*mehr Fotos von Geburtsorten mit Einverständniserklärungen
*mehr Interviewpartner, Erzählungen von Frauen und Fotos zu jedem Thema
*noch mehr Geduld von den Interviewpartnern- Ich arbeite an allem!
*mehr Zeit
*mehr Ruhe

Einsendeschluss ist der 01. Dezember 2010.

Sie kam, sah und verlor

Sonntag, Juli 11th, 2010

ihren ersten Zahn! Gestern Abend beim Putzen fast verschluckt. Und jetzt sieht sie noch süßer
aus mit ihrer ersten Zahnlücke.

Aber diese Sache mit der Zahnfee nervt mich. Wer hat sich das denn ausgedacht? 20 kleine
Geschenke? Oder gar Geld? Bin ich reich? Nö. Das macht jede Familie anders erklärten wir und
einigten uns gemeinsam auf eine Milchzahndose und einen Mutter-Tochter-Shopping-Tag
für den allerersten Verlorenen.

Kannst mal halten?

Samstag, Juli 10th, 2010

Es ist soweit. Jeden Morgen beim Schminken muss ich an Meryl Streep denken. In dem Film
“It’s Complicated” sitzt sie beim Schönheitschirurgen, liebäugelt mit einem Augenlifting, da
ihr linkes Augenlid zu sehr hänge. Nachdem der charmante Arzt ihr sagt, dass ihr rechtes Lid
eigentlich ebenso stark herunter hängt wie das linke und ihr in allen wunderschönen Details
erklärt wie so eine OP abläuft und über die 6 Monate Spannungskopfschmerzen spricht,
flüchtet sie und flucht über sich selbst und diese abstruse Idee.

Jeden Morgen halte ich mittlerweile also tapfer mein linkes Augenlid hoch, damit ich auch
wirklich in die Lidfalte mit dem Lidschatten komme. Deprimierend. Ich bin doch erst 26. Wenn
ich nun aber meine magische Formel anwende, die da besagt mit jedem Kind altere man 5 Jahre,
bin ich schon 46. Passt dann schon eher. So soll es also sein. Ich bin tapfer und ertrage meine
dahin schwindende Jugend erhobenen Fingers Hauptes. Nur wenn ich irgendwann zwei
Finger brauchen sollte, wird es eng… dann heißt es “Kannst mal halten?” Obwohl dann brauch
ich wohl keinen Schatten mehr für mein Lid, den mach ich mir ja dann ganz nature selbst.

Welche bösen Mächte…

Donnerstag, Juli 8th, 2010

zwingen kleine Kinder eigentlich dazu in Flüssigkeiten aller Art sofort mit flacher Hand hinein
zu batschen und auf der Stelle intensiv, gleichmässig und hingebungsvoll einzumassieren?

Finger weg von meinem Kind!

Mittwoch, Juli 7th, 2010

Vorhin in der Altstadt half mir eine ältere Dame beim Aussteigen aus dem Bus mit den
Kinderwagen. Sie konnte den unhandlichen Wagen vielleicht nicht mit anpacken, aber meinen
Sohn vorm Bus festhalten. Sie passte auf, dass er nicht noch mal auf den Bus zu geht, was er
meiner Meinung nach nicht tun würde, aber da ich das nur glauben kann, war ich froh um ihre
Hilfe. Der Bus fährt gern einfach mal zügig los und da er nicht richtig in die Haltebucht stehen
kann im Augenblick, auf Grund der WM-Umgestaltung der Altstadt, steht man sehr nah oder
tatsächlich auf der Strasse.
Nach dem wackeligen Ausstieg, bedankte ich mich herzlich bei der Dame, worauf sie den
Kopf leicht schräg legte und sagte: “Sie wissen aber schon, dass ich ihr Kind grad angefasst
habe?!” Ich stotterte irritiert und mit leichtes Schmunzeln ob der kessen Dame, dass das ja
Sinn machen würde, wenn man ein Kind festhält, damit es nicht wegläuft. “Aber letztlich
hat mich eine Mutter geschimpft, weil ich ihr Kind angefasst hab!” Und irgendwie fiel da ein
Groschen bei mir.
Ist das wirklich so schrecklich? Sicher früher fand ich das auch ganz schrecklich: Der
Schutzraum des Kindes wird verletzt. Wird er das aber wirklich, fragte ich mich heute? Sicher
noch letzte Woche schimpfte der Gatte, weil Toms Wange gestreichelt wurde und drohte beim
nächsten Mal zurück zu streicheln. Aber ist es wirklich, wirklich so schlimm? Wir reden hier
über eine Generation, die das so kennt und praktiziert. Ein plötzlicher Wandel der Gesellschaft,
macht das Berühren eines Kindes zu einem Übergriff. Ganz nüchtern, sind es oft einfach nette
ältere Damen, die vielleicht einsam sind, Kinder gern mögen, speziell das, was gerade vor
ihnen sitzt und möchten es berühren, vielleicht aus einem liebevollen Moment? Wissen wir
heute wie wir uns verändern werden mit der Zeit? Haben wir eine Ahnung wie sich das
anfühlt, die sich verändernden Finger, die Haut? Wie fühlt sich das später wohl an so an ein
Baby oder Kind zu berühren?
Es geht um mehr. Um Abgrenzung. Wir möchten das Kind beschützen. Aber braucht es das?
Oder müssen wir uns abgrenzen in solchen Augenblicken und sind wir als Eltern die, in deren
Schutzraum eingedrungen wird? Ganz klar muss ich sagen, dass ich in der Vergangenheit,
Gegenwart und in der Zukunft sicherlich auch noch, oft davon ausgehe meine Kinder zu
beschützen, dabei geht es in diesem Momenten um mich. Um meine Betroffenheit in bestimmten
Situationen. Darum wie ich mich fühlen würde, gefühlt habe und fühle. Ich werde also sauer,
bin verletzt, traurig, weil den Kindern etwas fehlt. Aber eigentlich fehlt mir etwas. Kann es in
dieser spezieller Situation nicht auch so sein? Das es den Kindern egal ist? Aber uns nicht? Wollen
wir unsere Kinder vielleicht beschützen, obwohl sie das gar nicht brauchen? Und wie oft dringen wir,
weil wir denken wir müssten, in den Schutzraum der älteren Menschen ein, einfach nur um zu
Helfen? Wir berühren sie am Arm, nehmen sie an die Hand, nehmen ihre Taschen, ihren Rollator in
unsere Hände. Aus den Augen dieser Menschen gesehen, ist das gar kein Übergriff, weil sie
selbes täglich erleben müssen. Weil sie uns brauchen.
Und der Zweck? Wir wollen und wünschen uns so sehr für unsere Kinder, dass sie im richtigen
Augenblick laut und deutlich “Nein” sagen. Fangen wir doch selber bei uns an. “Gib der Mama
einen Kuss zum Abschied!” Akzeptieren wir immer ein “Nein”?!

Eine Prinzessin Wackelzahn…

Mittwoch, Juli 7th, 2010

haben wir hier im Haus. Ist das nicht fürchterlich schrecklich? Als sie in den Garten gerannt
kam und sagte, dass er wackelt, schrie ich auf, was das Tochterkind gar sehr erschreckte.
Mit Händen und Füßen versuchte ich die nächsten fünf Minuten das Kind zu beruhigen und
darüber aufzuklären, dass das schrecklich schön sei und aber auch fürchterlich, weil sie einfach
so schnell groß wird und was das eigentlich soll?! Wir haben die Kurve gekriegt. Dann noch
schnell den Papa angerufen und die frohe Botschaft verkündet. Das Kind wird groß! Hab ich
schon erwähnt wie fürchterlich schrecklich das ist! Wir sind Eltern von einer Prinzessin
Wackelzahn!

Kinder, zu Tisch!

Montag, Juli 5th, 2010

Tom, Noah und Zoe sitzen in einer Reihe am Tisch. Ich sitze am Tischende, Ben sitzt Tom gegen
über. Zoe hängt mit den Beinen halb über Noahs Stuhl, was Noah nicht gefällt, er schnippst sie mit
seinen Fingern. Zoe jault auf und haut zurück. Tom tut so als würde er Noah beißen, worauf hin
Noah vorsorglich einmal haut. Tom fängt an zu jammern, während Zoe Noah erneut bedrohlich nahe
kommt. In der Zwischenzeit versuche ich Ben etwas mit Joghurt zu füttern, was gelingt bis Ben einmal
“Bpft” macht und alles wieder raus spritzt. Worauf hin alle anderen Kinder dicke anfangen zu lachen.
Großartig. An Füttern ist nicht mehr zu denken, was ein Spaß, Ben lacht laut und Zoe fängt an auf
dem Tisch zu klopfen. Inspiriert davon, hauen Noah und Tom wie die Lemminge auf auf den Tisch,
was Ben unglaublich witzig findet und nach macht. Ben macht “Bpft” und haut auf den Tisch bis Zoe
um seine Aufmerksamkeit zu erregen winkt, was Ben wieder nach ahmt. Jetzt winken, gröhlen, lachen,
und hauen alle am und auf den Tisch. An Essen ist nicht zu denken.

Wie war das noch mal mit diesen Erziehungstipps und dem Ignorieren?! Funkioniert bei einer
kleinen Großfamilie mal so gar nicht! Denen ist total egal, ob ich lache oder unbeeindruckt bin,
Blödsinn machen sie weiter, animiert durch die Freude des Gegenübers.

Ich habs ja so gewollt :)

Nicht so witzig

Montag, Juli 5th, 2010

Wenn man beim Ballett im Flur zu sieht, wie der kleinste Spross der Familie seinen allerersten
hysterischen Tobsuchtsanfall bekommt, klassich mit 9 Monaten, sich auf dem Boden schmeißt
mit allem was er hat, weil er sich nicht weiter mit der 1,5l Flasche nass machen darf, mir das
Herz aufgeht und ich innerlich lächle, weil es ganz klar mein Kind ist, der Ballettlehrer von
nebenan herein gestürmt kommt und mich laut anschreit, ich solle mit meinem Kind bitte gehen,
denn so könne niemand (er arbeitete soeben nicht) gescheit unterrichten, worauf ich entsetzt
sage, dass das nicht mal eben geht, weil ich mit drei Jungen da bin, er weiter schreit, dem
Kind wäre zu heiß, worauf ich sage, dass es draußen wohl nicht unbedingt besser wäre mit der
stickigen Temperatur und laut sage, entweder ich bin hier mit allen Kindern oder gar keinem…
ist das scheiße. Große scheiße. Ich hab fast geheult und war einfach überrumpelt, verzweifelt
und völlig durch den Wind. Ich weiß, dass der Herr Ballettlehrer nicht leicht zu handeln ist, oft
grundlos schimpft und schreit, prinzipiell ein Problem mit Kindern hat, aber eine Ballettschule für
kleine Mädchen mit leitet, aber irgendwie musste das heute nicht sein, es traf, es saß und ich
brach irgendwie in mich rein, wusste kurz nicht ob ich wegrennen soll oder meine Tochter
abmelden müsste. Nur durch den Zuspruch einer anderen befreundeten Mutter konnte ich mich
irgendwie fangen. Das war gar nicht witzig heute. Das hab ich nicht gebraucht, für so etwas hab
ich im Augenblick überhaupt keine Energie.