Totensonntag

November 23rd, 2014

Seit Jahren (für mich, für uns) der letzte Sonntag im Jahr, bevor die Weihnachtsdekoration aus dem Keller geholt wird. So hielt es meine Oma und so führe ich es fort. Seit 2012 leider auch der Tag, an dem ich an sie denke, weil sie nicht mehr bei uns ist. Ein Tag zum noch einmal innehalten und erinnern, bevor wir der aufregenden Weihnachstszeit entgegenfiebern.
Ich hatte für heute nicht viel geplant, aber am Morgen nach dem Aufwachen war ich mir sicher, ich würde heute gern auf den Friedhof gehen wollen für all jene, die nicht mehr bei uns sind. Die Kinder fanden die Idee gut und so zogen wir uns an und liefen los, nicht ohne das Nils zurück flitzen musste. So überquerte ich die Straße allein mit den Kinder und uns kam ein Mann entgegen, der uns freundlich grüßte. Ein paar Schritte weiter hielt er uns auf, entschuldigte sich für die Unterbrechung unseres Weges und fragte, ob das alles meine Kinder seien. Das war mir unangenehm, weil es heute ein besonderer Tag ist und ich Angst hatte, der Mann würde nun den Kopf schütteln und jeden Moment sein Missfallen ausdrücken, wie ein Teil solcher Gespräche manchmal ausgeht und ich konnte den Blick des Fremden einfach nicht deuten oder aber würde er uns von sich erzählen, wie es viele auch tun?!
Der fremde Herr hatte Tränen in den Augen, als er erzählte sie wären zu Hause auch sechs Kinder gewesen. Er stockte, musste schlucken und erzählte wie sein Vater 1944 in Russland gefallen war, weil die Deutschen ihn dort hingeschickt hätten. Mich berührte das sehr und in diesem Moment stieß mein Ehemann und Vater der Kinder zu uns und so verschwamm das Bild des Fremden von mir allein als Mutter mit den sechs Kindern. Er erzählte noch einmal Nils von seiner Mutter und seinen Geschwistern und der schweren Zeit und so langsam gingen wir weiter, nachdem der Mann einen Kuss in die Luft geschickt hatte für unsere Familie.

Eine außergewöhnliche Begegnung an diesem Tag. Und für mich noch einmal sehr besonders, weil mich diese Zeit der Kriegsjahre in seinen Bann gezogen hat, seitdem ich das erste Mal als Kind eine Bibliothek betrat und immer wieder viele Bücher, Filme und Dokumentation darüber verschlang und aufsog über die Jahre und das zur Zeit wieder gehäuft tue, als könne ich dann endlich verstehen… Begegnungen am Totensonntag. Seltsam welche Wege das Leben manchmal geht.

Von Zahnfeen

November 22nd, 2014

Die Zähne sind leider in diesem Jahr zu einem großen Thema geworden. Als ich gestern Abend im Bett lag mit unseren beiden kleinen Jungs, einen links und einen rechts von mir, musste ich doch etwas schmunzeln, obwohl das vielleicht nicht der richtige Moment dafür war, aber ein bißchen seltsam mutete es an: Wir Drei mit unseren Zähnen.
Der Kleinste kämpft zur Zeit mit dem Durchbruch der Zähne, sie schieben sich scheinbar sehr schmerzhaft durch den Kiefer, das ist natürlich eine ganz besondere Zeit, schön und einmalig (nicht für Anton), aber auch nicht ganz frei von Schatten durch Emil, dem zwei Frontzähne nun schon fehlen, die Anton in den nächsten Monaten erst bekommen wird. Natürlich ist da der Gedanke, möglichst sorgfältig auf Antons Zähne zu achten, sobald sie durch gebrochen sind mit dem Putzen beginnen zu müssen, wie schon bei den vier großen Kindern, damit ihm erspart bleibt, was sein jüngster, älterer Bruder durch machen musste. Der in dieser Woche, erst einen Tag zuvor Kontrolle bei seiner Zahnärztin in der großen Stadt gehabt hatte, die jedoch im Augenblick sehr zufrieden ist und seit der OP -Gott sei Dank- keine weiteren Schäden an den Milchzähnen feststellen konnte, trotzdem sind wir in engmaschigen Abständen zur Kontrolle bei ihr, um das weiter im Auge zu haben. Aber zur Zeit bin ich sehr dankbar und froh über den Stand der Dinge.
Und in der Mitte lag ich, die sehr unten dem Entfernen der beiden letzten Weisheitszähne litt und leidet. Mir wurden der obere linke und untere rechte Zahn operativ entfernt, also einmal diagonal das Leiden im Mund und ich wurde doch sehr von diesen Schmerzen überrollt. Wie so oft, wenn mich etwas überrumpelt spielten meine Erwartungen an die Geschehnisse eine Rolle. Ich hatte Vorstellungen von dieser Zeit, ich dachte im Vorfeld nur daran, die ersten 24 Stunden zu überstehen und war nach einem Wochenende mehr oder minder gepflegt im Bett total überfordert von den Schmerzen, die mich allein auf mich gestellt zurück im Alltag vertikal am Montag überrollten. Die Schmerzmittel die vorher wunderbar gewirkt hatten, ließen mich zum Teil im Stich, der aufmerksamere Teil waren die Ibuprofen von denen ich stillend natürlich keine Mengen zu mir nehmen konnte und wollte. Mir liefen dann nur noch die Tränen, ich motzte jeden an, der mich ansprach und leider waren an diesem Tag Tom wie schon Ben zu Hause geblieben und so wuselten vier Kinder um mich herum bis zum Mittag noch die beiden Großen dazu stießen. Ich fühlte mich wie ein verwundetes Tier, bestand nur noch aus Schmerz, es dröhnte um Kopf und fühlte sich an, als würde den ganzen Tag über ein Flugzeug neben mir starten. Ich kam aus dem Schmerznebel einfach nicht heraus. Ich war am Ende und als Anton dann noch bitterlich anfing schrill zu weinen und zu schreien, vor lauter eigenen Zahnschmerzen, spürte ich die Vibrationen im Kiefer, als wäre er ein einziger kleiner Resonanzkörper. Ich hasste den Mann, der dann zu mir eilte, weil gar nichts mehr ging, verkroch mich nach den abgewarteten Stunden mit einer neuen Schmerztablette ins Bett und ließ anschließend beim Chirurgen abklären, ob sich da auch nichts entzündet hätte. Was nicht der Fall war, die Chirurgin war unheimlich einfühlsam und meinte, das sei leider normal und das könne schon bis zur zwei Wochen dauern, aber ich solle mir keine Gedanken wegen zwei Wochen Medikamenteneinnahme machen. Was natürlich leichter gesagt, als getan ist.
Jetzt nach über einer Woche nach der OP spüre ich deutlich eine Verbesserung. Ich nehme nach wie vor Tabletten gegen die Schmerzen, kann sie gut in Schach halten und es geht, obwohl die Abende zur Zeit noch recht fies sind, (weil einfach nicht mehr soviel Ablenkung da ist wie untertags,) aber ich bin dankbar, mehr als das, dass diese Zeit der starken Schmerzen überstanden ist und hoffe der Heilungsverlauf bleibt weiterhin unkompliziert. Sobald ich mich mich vollständig erholt haben werde, muss ich dann auch schon meine Zahnärztin erneut aufsuchen und dann geht es weiter, auf das es im kommenden Jahr vielleicht dental ein wenig ruhiger zugehen möge.

Herbsttage am Meer

November 15th, 2014

Vor zwei Wochen noch waren wir zum Abschluss einer wunderschönen Woche an der Ostsee in den Herbstferien beim Geburtstagsessen meiner Schwiegermama, direkt an der Strandpromenade.

Es war der erste Urlaub, den wir im Herbst an der Ostsee verbrachten und es war wunderwunderschön. Auch wenn die Anreise mir einiges abverlangt hatte, hat es sich mehr als gelohnt mit acht Menschen in acht Tagen 2000km mit Taxi und Bahn zu reisen. Die Unterkunft war für uns neu, wir waren direkt einquartiert neben meinen Schwiegereltern und hatten nach anstrengenden hinter uns liegenden Wochen Zeit die Seele baumeln zu lassen und Luft zu holen.
Wenn jetzt andere Menschen am Meer sind, nur so kurze Zeit nach uns, merke ich wie sehr mein Herz wirklich am Norden hängt, am Strand, am Wasser und es liegt mir halt einfach im Blut, meine Oma ist in Koserow aufgewachsen und ich kann heute nur noch annehmen, dass sie dort eine wundervolle Kindheit verbrachte, auch wenn ihr Berlin später sehr gut stand.

Die Unterkunft war zauberhaft. Wir haben beide gesagt, wir würden sofort einziehen. Auch wenn solche alten Häuser so viele Baustellen haben, besitzen sie einen Charme und eine Ausstrahlung, dieses Backstein, das macht was mit mir, wärmt mir das Herz und als ich einen Abend mit Emil die Steine vom Strand nach oben erklomm, machte mein Herz Freudensprünge. Leider befindet sich das Haus seit Jahrzehnten in lieben Händen in Familienbesitz und wird wohl nur an enge Freunde und Bekannte vermietet, wie das Haus meiner Schwiegereltern. Das große Haus wurde umrahmt von einem schönen großzügigen Garten mit Blick aufs Wasser- traumhaft. Hier durften wir durch atmen, quasi Tür an Tür mit Oma, Opa und den ersten Tagen auch der Tante, der Kinder.

Es gipfelte eben in diesem Familientreffen, dieser Feier, dem runden Geburtstag zu dem ich doch gern mehr beigetragen hätte, als improvisierte Cupcakes und einem Zitronenkuchen. Aber ich bin halt doch sehr schüchtern und war schon so gerührt von der Rede der besten Freundin. Hätte gern mehr gesagt zu einem Menschen, der immer für uns da ist, uns unterstützt, uns begleitet und zuhört.

Nachdem ich einige Zahnarzttermine vorher hinter mich gebracht hatte, verlor ich vor Ort eine kleine Füllung und musste dort erneut zum Zahnarzt und leider auch zum Fädenziehen, denn ich hatte es doch eine Woche vorher talentiert geschafft mir beim Scherben in den Müll pfeffern gescheit in die Hand zu schneiden, so dass ich genäht werden musste und ich letzten Endes auch etwas mehr Schwierigkeiten hatte alles allein für die Abreise von acht Menschen vorzubereiten (Ich hab so geheult). Der nette Arzt kannte uns dann auch langsam alle, mein Schwiegervater war erst dort gewesen und der Mann erst im Sommer mit seinem Knie. Obwohl ich anscheinend keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, aber das ist wohl ein anderes Thema.

Auch wenn es hier zu Hause wunderschön ist, ich ein paar liebe Freundinnen in diesen zwei Wochen treffen konnte, einen wichtigen Kindergeburtstag erlebt habe, St. Martin mit unseren Kindern, bleibt die Sehnsucht nach dem, was das Meer in mir auslöst…

Es bleiben die Erinnerungen an einen wunderschönen Abend mit dem Mann, leuchtende Farben der Blätter rechts und links das Wasser, tobende Kinder durch den Garten und am Strand, Spaziergänge barfuss durchs kühle Nass, das Rauschen der Wellen… ich könnte ewig so weiter schreiben.

Vor einem Jahr… (10.11.2013)

November 10th, 2014

Drehten sich meine Gedanken…

“Ich schreibe diese Zeilen heimlich und allein, naja so allein wie man in einem Haus voller Ehemann und Kindern wohl sein kann. Ich bin im 10. Tag nach dem Eisprung. (Anmerkung, es war erst der Neunte.) Also noch nicht vollendet, aber mittendrin. Ich möchte schreiben, dass ich dankbar bin, dass ich immerhin diesen Monat schon so eine längere zweite, wichtige Zyklushälfte habe. Genau die war mir im letzten Zyklus abhanden gekommen und hatte mich sorgenvoll zurück gelassen, weil mein Körper so ganz klar signalisieren würde, ich wäre nicht bereit schwanger zu werden. Ich könne ja niemals ein Kind halten. 9 Tage sind soviel, ein Geschenk schon. Im letzten Monat waren es höchstens 7, eher weniger, realistisch wirklich nur 6 oder 5 Tage nach dem Eisprung, ich weiß noch wie überrumpelt ich im ersten Moment von meiner Periode gewesen war.
Aber davon will ich gar nicht erzählen. Ich will schreiben von dem Gefühl letzte Nacht. Ich fühle mich ganz bei mir. So rund. So angekommen. Klingt das kitschig? Das Gefühl bleibt, das sich in mir etwas verändert hat und ich weiß nicht, ob ich mir etwas zusammen phantasiere wie in den Monaten zuvor, aber irgendetwas ist anders, schöner, besonderer.
Es gibt noch soviel zu erzählen, meine Mutter, die irgendwas ahnt, wir beide, die erstmal “Nein.” rufen, auch wenn ich noch mehr dahinter dachte und sie die fragte liebevoll: “Seid ihr schon wieder am Basteln?!” Die Kinder, die über Babies sprechen. Der Mann, der plötzlich Lotta vorschlägt und so tut also wäre das beschlossene Sache, nun liegt mir Lola näher, aber immerhin ein “L” Vorname. Eine Junge Johann oder Anton. Egal, nun habe ich viel zu viel geschrieben. Der Wunsch scheint da, nicht nur bei mir, bei allen. Wunderschön. Ich bin darüber allein schon sehr glücklich. Ich kann nur warten. Schützte Bauch vor Alkohol, Zigaretten, Medikamenten und Tritten von Ben. Es kommt, wie es kommt. Ich versuche ruhig zu bleiben. Es wäre ja erst einmal der Anfang, ich sollte mich in Geduld üben.”

Der erste 10. Geburtstag

November 8th, 2014

Auch in diesem Jahr wollte das Tochterkind ihren Geburtstag gern zu Hause feiern, worüber ich mich sehr freute. Ich liebe es die Feier zu Hause auszurichten und mit ihr zusammen alles vorzubereiten neben dem Heimlichkeiten für diesen ihren besonderen Tag.
Sie hatte sich in das Thema Meer verliebt und so verschickten wir Einladungen mit Meerjungfrauen, ich bastelte kleine Schiffchen als Platzkärtchen und Zoe hatte sich in einer Zeitschrift in ein paar Ideen verliebt. So machte ich mich ohne ihr Wissen abends, als alle schliefen an kleine Schildkröten aus grünem Fondant mit weißem Schokokuss als Panzer und bastelte eine wie mal von ihr gewünschte zweistöckige Torte mit der Silhouette eines Meermädchens. Die Torte hielt ich absichtlich einfach, denn die Regenbogentorte im letzten Jahr war so mächtig, dass kaum ein Kind auch nur ein Stück bewältigen konnte. Daneben gab es Cookies, wobei ein Teil für zu Hause und ein Teil in die Schule ging und Cupcakes in klein und größer. Eigentlich hatte sie sich Cakepops gewünscht, aber ich war schon so gut genug gefordert und hopste beschäftigt herum, da wir erst am Sonntag zurück gekommen waren von der Ostsee und ich so nur drei Tage Zeit für die Vorbereitungen gehabt hatte und froh war überhaupt schöne Geschenke zu haben und noch einwickeln zu können, alles herzurichten. Am Vorabend bliesen wir dann etliche Luftballons auf, die ich extra bestellt hatte und befestigen sie wie immer an der Tafel, dazu gab es ein paar Rosen und einen erweiterten Geburtstagskranz von Grimm mit Meerjungfrau und neuen Zahlen.
Sie durfte zehn Mädchen einladen, von denen leider am Ende nur sieben gekommen sind. Es gab erstaunlich wenig Rückmeldungen in diesem Jahr. Am Wichtigsten war für sie, ob sie auch alle ihre liebsten Kleinigkeiten aus der Geburtstagstüte bekommen würde, die sie sich sehr arg gewünscht hatte. Wir vereinbarten mit ihr, dass die Mädchen schon zum Mittagessen direkt nach der Schule kommen und sogar bis halb sieben bleiben dürfen, das hieß für uns ein kleiner Mehraufwand. Also dreizehn Kinder auf zwei Erwachsene und drei Mahlzeiten.
Zum Mittag hatte sich Zoe eine Tomatensuppe gewünscht, dazu gab es Baguette und Aufschnitt für die, die das Essen nicht mögen würden, aber ich war total begeistert wie gern die Suppe gegessen wurde. Im Anschluss wurden Geschenke ausgepackt und im Zimmer gespielt bis mir die Last Minute Bastelidee vorgab, dass wir nun die Umrisse der Fenstermalbilder malen müssten. Dann gab es wieder eine Spielpause und dann gab es Kuchen und im Anschluss malten wir weiter bis es Zeit war für eine wunderschöne Tradition: Laternelaufen. Wir hatten im diesem Jahr erstmals gebeten eine Laterne mitzugeben, in den Jahren davor hatten wir entweder eine gestellt oder welche mit den Kindern gebastelt. So liefen wir trotz Regenwetter tapfer los und es zerstreute sich erst einmal alles. Bis wir einen Rhythmus gefunden hatten und in Zweierreihe liefen und sangen, das war wirklich wunderschön und ich war so dankbar für diesen Moment.
Im Ofen zu Hause warteten schon die Pizzaschnecken, die ich vorher gerollt hatte und dann war es schon Zeit für das Abendessen. Bis alle abgeholt waren wurde es 19Uhr und dann kam noch Zoes (Paten-)Tante und wir saßen noch einen Moment zusammen, bis wir die Kinder ins Bett brachten und erleichtert und glücklich zugleich aufs Sofa plumpsten.
Es war rund, wir Eltern sprachen später auch über den Ablauf, beim Basteln eher darauf zu achten es am Stück zu haben und nicht so zu zerteilen. Man macht sich vorher immer so viele Gedanken und dann spielen die Kinder so toll zusammen in einem Zimmer und brauchen gar nicht soviel mehr… Abends stießen wir noch auf unsere runde Elternschaft an und unsere fabelhafte große Tochter.

Vor über zehn Jahren bewegte mich…

November 4th, 2014

die Ankunft unseres ersten Kindes, so wie es mich nun heute eine Dekade später bewegt, dass sie nach zwei Mal schlafen das erste Mal nullt und zweistellig alt wird, was dann nie wieder weg geht, nie wieder anders sein wird…

Ich bin über alle Maßen bewegt und schrecklich aufgeregt!

29. September 2004, der letzte Eintrag in dem Buch fürs Tochterkind vor ihrer Geburt, zum Zeitpunkt des Schreibens war ich noch 20 Jahre alt:

“Mein klitzekleines liebstes Wesen!

Vor zwei Stunden habe ich deine Spielstation aufgebaut, klingt nicht sonderlich spektakulär, aber es ist mitten in der Nacht. Mittlerweile ist es fast 4 Uhr und nun merke auch ich, dass es Schlafenszeit ist/sein könnte!
Bei jedem Ziehen, jedem Tritt, denke ich… jetzt gehts los! Ich bin jetzt in der 36. Schwangerschaftswoche und der Arzt meinte, du könntest schon kommen. Dein Köpfchen liegt tief im Becken, aber dass ja auch schon seit der 30. Woche. Du weißt also anscheinend wo es lang geht. Einer muss ja wissen wies geht. Und ich weiß es nicht.
Ich bereite brav alles vor, hab deine komplette Wäsche gewaschen. Hoffe nur, ich hab nicht zuviel oder das Falsche gekauft. Papa und ich, wir sind so aufgeregt, möchten dich sehen, spekulieren wie wild.
Der Arzt meinte in der 34. Woche du seist ungefähr 2200g schwer und bei der Geburt wahrscheinlich 3400g. Naja, mal schauen. Mein Bauch ist jedenfalls riesigst!
Grad räumte ich ein paar normale Sachen in den Schrank (vor den Socken kapituliere ich!).
Ich weiß gar nicht mehr wie das so war vor dir. Ich war sehr jung, bin es ja noch, aber irgendwie auch wieder nicht. Ich muss mal gucken, wer ich dann so bin als Mutter.
Auf jeden Fall freu ich mich auch meine Sachen und dich in meinem Arm.
Ehrlich gesagt hab ich sogar schon Windeln gekauft, hatte Angst es wäre sonst zu spät und Babyshampoo, Dusche, Cremes etc. auch!

Aber du fehlst noch!

Ich hab dich sehr sehr sehr sehr lieb, du kleiner Strampler! Deine Mami”

02. November 2013

November 2nd, 2014

“Neben mir liegt es, ich hielt es gerade in meinen Händen. Aus unerfindlichen Gründen holte ich es aus dem Regal und nun ist es gelesen. Als wäre es real. “Ein einzigartiger genetischer Code”. Mehr noch als alles andere wünschte ich mir genau das. Und das obwohl das Buch mir so wichtig ist. Aber darüber soll hier kein Platz sein.
Es gibt keinen Anlass zu glauben, es hätte geklappt und dennoch kann ich an nichts anderes denken, wenn ich hier in vollkommender Stille sitze. Mein Leben ist gut, ich mag mich gerade nicht beschweren. Nein, das bestimmt nicht. Das Buch ich möchte es gerade festhalten, als würde ich Hoffnung festhalten, auf ewig.”

01. November 2013

November 1st, 2014

“Nachdem dieser Eisprung im letzten Monat so komisch war, wartete ich also irgendwie ein bißchen auf tagelange diffuse Schmerzen. Aber mit Nichten. Am ersten Ovu- Test- Tag eine schwache Linie, beim zweiten Test, zwei Tage später etwas stärker, aber nicht so, dass es mich angesprungen hätte. Auf einmal war Halloween und am Abend dachte ich, es geht nichts mehr. So schlimme Schmerzen wie ich es vor Emils Schwangerschaft in Erinnerung hatte. Einerseits toll, den Zeitpunkt so gut ausmachen zu können, andererseits hatte ich gehofft, durch die Geburt könnte sich da etwas verschoben haben und bei diesen Schmerzen Erleichterung bringen. Nun ist es so, dass ich mich ja eigentlich auch verrückt machen könnte, in punkto Periode. Aber das lasse ich noch, ich war die letzten zwei Monate so glücklich über die relative beschwerdefreie Monatsblutung, ich wünsch mir jetzt einfach, dass das so bleibt und nicht wie der Eisprung nur Anlauf genommen hat.
Jetzt bin ich gespannt. Ich frage mich, ob ich durch die Stillerei wieder so eine extreme verkürzte zweite Zyklushälfte haben werde. Was nicht sehr förderlich für eine gewünschte Schwangerschaft ist. Ich mache mich aber deswegen nicht wirklich verrückt, was nicht ist, ist eben nicht, ich sorge mich eher, dass ich schwanger werden und das Kind verlieren könnte…

Jetzt sitze ich hier und horche in mich. Horche, ob ich spüre wie etwas in mir befruchtet wird… Neues Leben entsteht. Wäre das nicht schön, wenn ich das auch so direkt ausmachen könnte? Also jetzt wo es still ist horche ich… Warte auf Antwort und werde sie vermutlich erst in 14, wenn nicht leider schon 10 Tagen haben… Ich bin aufgeregt. Sehr. Mittendrin im Hoffen. Immerhin stimmt mich der plötzliche Eisprung gestern, durch den aufgebauten Schmerz und das plötzliche Abebben von diesem über Nacht überhaupt hoffnungsfroh: Ich hatte meinen Eisprung!”

Losgelöst

Oktober 25th, 2014

Während der Fahrt habe ich intensiv drei unserer Kinder betrachtet, die mir gegenüber saßen. Ich war müde und sie waren total vertieft und lauter vielleicht, als “nötig”.
Was weiss ich überhaupt über diese kleinen Menschen? In ihre Köpfe kann ich unmöglich hinein schauen. Ich sehe nur das, was sie bereit sind zu zeigen. Auch wenn ich versuche mehr zu sehen.
Ich, wir ziehen sie auf. Nur um sie ziehen zu lassen. Was bleibt? Was behalten sie?
Drei Köpfe, drei Brüder vereint über dem Ipad. Versunken in ein Spiel, das ich kaum kenne, für das sie aber scheinbar Geschick haben. Der Jüngste im Bunde der Spieler hat geübt und kennt die Kniffe der Großen, er ist immer mit dabei.
In Konkurrenz, in Unterstützung und Hilfe- Geschwister.

Wie ist es wohl in einer Grossfamilie aufzuwachsen? Was zählt wirklich? Was bleibt?

Ich habe mal gehört, dass die Fehltritte von uns Eltern, die wir bewusst wahrnehmen und manchmal ein Leben mit uns herum tragen, oft gar nicht die Gleichen sind, die die Kinder bewegen.
Unsere Kinder beschäftigen oft ganz andere Dinge nachhaltig.

Ich wüsste gern welche.

Aber heisst das auch, ich hätte sie anders machen können? Wirklich besser? Hätte ich ein Einsehen? Einfühlungsvermögen.
Werde ich mal die Chance haben einen Schritt zurück zu gehen und zu sagen:

“Ja, du hast Recht!” ?

Ich arbeite daran. Im Hier und Jetzt, versuche transparent zu sein, mich zu entschuldigen, manchmal zu erklären, einfach im Gespräch zu bleiben, nochmal drüber zu reden.
Ich gebe mir Mühe, mein Bestes und hoffe, dass mein Bestes irgendwann gut genug war.

If I had a boat, I would sail to you…

Oktober 25th, 2014

Ich durfte beides erleben, größtes Glück nebst schlimmstem Unglück.

Manchmal da habe ich das Privileg und ich weiss kein besseres Wort, nicht wie ich es besser beschreiben könnte, vom grössten Glück anderer, als einer der Ersten zu erfahren. Man bringt mir grösstes Vertrauen entgegen und ich darf dann an Liebe und Glück anteilnehmen. An der Geschichte einer Familie.

Und manchmal da hatte ich das Privileg, durch vergangene geschriebene Worte Kraft zu geben, eine Stütze zu sein.
Etwas was man mir auch hat zukommen lassen, als ich in grösster Not war, das Gefühl nicht allein zu sein. Anteilzunehmen. An der Geschichte einer Familie.
Ich gab also nur etwas zurück, etwas weiter, wenn es gelang, wenn ich durfte.

Und doch fehlen mir im entscheidenden Moment dann die richtigen Worte, wenn es nah ist, wenn es weiter weg ist… Weil ich mitfühle. Mit vermisse.