Wenn aus großer Veränderung, große Liebe wird…

Dezember 17th, 2014

Als Anton geboren war, wurde Emils ganzes Leben neu geordnet. Ihn jetzt zu erleben, wie viel Liebe er seinem Bruder entgegen bringt, wie viel Fürsorge und Zärtlichkeit… ist unbeschreiblich schön.

Heute im Wasser, als Anton im Kinderbecken in seinem Schwimmreifen nur etwas abgetrieb und für einen Moment unglücklich war, rief der zweieinhalb Jährige selbst Nicht- Schwimmer in Schwimmflügeln im zu: “Anton! Warte! Ich rette dich!”

-Herzübersprudel-

Lähmendes Loslassen

Dezember 17th, 2014

Vieles was mir in den letzten Jahren auf dem Weg hier her in meinem Leben begegnet ist, was ich erlebt habe, hat nur dazu geführt, dass ich oft Angst habe. Angst um meinen liebsten Menschen, meine Kinder, mein eigenes Leben, vor Krankheit und Verlust. Aber nicht nur das, ich zerdenke zu vieles, bevor es überhaupt passiert ist oder bin oft erschlagen von Kleinigkeiten, die sich zugebener Maßen in diesem Jahr gehäuft haben.

Immer wenn ich diesen Kreislauf durch breche, freue ich mich. Drei kleine Kinder hatte ich heute Nachmittag und ich wollte so gern Zeit mit ihnen verbringen, es genießen. Schwimmen? Oder Plätzchen backen? Auf jeden Fall raus aus diesem Kreislauf des Funktionierens, des Vorweihnachtsstress. Aber ich hatte auch Angst. Angst Anton könnte im Wasser weinen, während ich nicht weiß wohin ich zuerst Greifen oder Schauen soll. Auf der anderen Seite: Was könnte schon passieren? Dann müssten wir eben Heim fahren. Natürlich war Emil den weiten Weg heute von der Altstadt nach Hause gelaufen und er würde nachher nicht wacher sein, sogar sehr viel müder nach dem Wasser. Aber was sonst? Putzen? Während die Kinder wieder für sich sind? Nein. Ich wollte es wagen.

Ich wollte das so sehr! Also sprang ich wortwörtlich ins kalte Wasser und bereute es nicht. Ich hatte so viel Glück heute, so eine schöne Zeit mit den drei Kleinen und im Anschluss war ich wacher, mehr bei mir und so viel glücklicher. Weil ich es gewagt habe…

Gegen verpasste Chancen und entgangene schöne Momente- für mehr ausprobieren, mutig sein, loslassen… Da sind so viele Vorsätze fürs neue Jahr…

Von freien Radikalen

Dezember 12th, 2014

Letzte Woche Freitag, nach beinahe zwei Wochen Kranksein von uns Eltern, veränderte sich mein Leben von Grund auf: Emil stieg nicht mehr in den Kinderwagen.

Eigentlich dachte ich schon länger, dass es Zeit wäre. Das Kleinkind sendete eindeutige Signale des Nichtgefallens. Und vor drei Jahren, als ich mit Emil schwanger wurde und der Kinderwagen ein zweites Mal in meinem Leben in meinem Bauch gelandet war, in Folge dessen auch ein Hämatom, landete der Kinderwagen unverzüglich auf dem Abstellgleis und Ben musste fortan mit seinen zwei Jahren und zwei Monaten jede Strecke laufen. Emil ist nun sogar drei Monate älter, es war so schrecklich bequem ihn dort hinein zu setzen und lange Strecken zu laufen tat mir so gut. Die Zeiten sind vorbei. Nichts mehr mit Kopf durch pusten lassen. Er möchte laufen, alles alleine machen: “Nein, ich mach das!”

Bereits beim Loskommen ist die Sache total aufregend. Mein Herzschlag vervielfacht sich bis wir überhaupt dazu kommen uns mit der Welt da draussen auseinander zu setzen. Ich plane also extra viel Zeit ein und versuche das Anziehen mit Schneehose, Strickjacke, Jacke, Schal, Mütze, Socken und Winterstiefeln so schmackhaft wie möglich zu machen. Nebenher weint oder motzelt das Baby, das lieber jetzt als gleich in die Trage möchte oder sich darin sitzend befindet, dass ihm zu diesem Zeitpunkt viel zu wenig Aktivität geboten wird- Stichwort laufen und schuckeln, obwohl es mir längst viel zu viel Betriebsamkeit ist- und ich sollte mich zudem ebenfalls anziehen, weil es draussen echt kalt ist. Zwischendurch denke ich an andere Mütter, die drei Kleinkinder anziehen müssen oder erinnere mich an früher, als zum Beispiel die “grossen” Babygeschwister 1 1/2 Jahre alt waren, jedoch saßen diese nach dem Ankleiden wenigstens im Kinderwagen.

In einem letztem Aufbegehren probiert Emil das Ganze noch auf die Oma abzuwälzen, soll die doch bittedanke Ben vom Kindergarten abholen und ausserdem: “Bus fahren dürfen wir heute leider nicht!”

Kaum sind wir aus der Tür, versuchen wir die Haltestelle anzupeilen, nicht die Grünflächen mit Hundekot oder wenigstens Dinge rasch von der Strasse aufzulesen, nicht versunken minutenlang zu betrachten, denn unsere Zeit ist trotz eines Sicherheitspolsters durch geplant. Der Bus fährt in die Altstadt, da angekommen müssen wir zum KiGa laufen und dann mit zwei Bussen heimwärts, um von dort retour zur Haltestelle zu flitzen, an der die Schulkinder ankommen.

Was so kurz geschrieben ist, ist in Wahrheit ein lustiges Ringelrein mit frei laufendem Zweijährigen um die Bushaltestelle herum und dem Versuch ihn von der Strasse fern zu halten. Minuten können einem da als Mutter schon einmal wie Stunden vorkommen. Bei Einfahrt des sehnlichst erwarteten Objekts versuchen möglichst zügig in eben dieses Einsteigen. Das Kind abhalten den Knopf zu drücken und zeitgleich mental darauf vorbereiten, dass wir gleich wieder aussteigen, um den Bruder abholen. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass wir hinten und nicht vorn aussteigen werden, denn das war heute Knackpunkt Nr. 1. Also trug ich neben neun Kilo Baby, zwölf bis dreizehn Kilo Kleinkind aus dem Bus. Darüber hinaus nächstes Abenteuer: Einkaufen. Der Lieblingsschwägerin gerade erzählt das ginge zur Zeit nicht, musste heute gehen und klappte super, weil Emil mit Milchtragen voll in den Einkauf integriert war. Somit umschifften wir den schlafenden Weihnachtsmarkt, den wir tags zuvor auf dem Weg zum Kindergarten genauestens inspiziert hatten. Am gestrigen Tage noch etwas anderes gelernt, wir müssen nicht unten, sondern oben den Berg runter gehen- sonst unversöhnliches das Weitergehen verweigerndes Kleinkind und erreichten so knapp rechtzeitig erst den Kindergarten und wenig später die Bushaltestelle direkt davor. Aufs Neue das Kind mental auf den Einstieg ins rollende Gefährt vorbereiten, dabei hilft manchmal Gummigetier, manchmal nichts. Abermals das Knöpfchen drücken und zweiter Ausstieg unserer Reise. Glück gehabt, hat gar nicht so lange gedauert. Angespanntes Warten auf einen knapp folgendem Anschlussbus. Den zwei laufenden Kindern wird natürlich trotzdem spontan langweilig und fad, sie schwärmen aus. Das dritte Kind schlummert derweil in der Trage oder schaut sich das alles sehr interessiert an, die Mutter stromert inzwischen nervös zwischen Bordsteinkante und Kindern an Schaufenstern. Plötzlich kommt Bewegung ins Geschehen, die Mutter hüpft aufgeregt auf und ab: “Der Bus kommt! Der Bus kommt!” Die Kinder setzen sich schnell oder langsam in Bewegung und Muttern zieht das grössere Kind nur ein kleines Stück von der Strasse weg, während der Bus einfährt. Beide Steigen ein, manchmal Emil etwas zögerlich, der Busfahrer guckt vielleicht schon genervt. Puh. Endspurt. Das Kleinkind hat sich die Plätze hinter dem Fahrer ausgesucht. Soweit so gut, bis der Mutter auffällt, dass es versucht sich auf den Platz zum Gang hinzusetzen was es ihr unmöglich macht ebenfalls mit Baby Platz zu nehmen, also spricht sie mit Engelszungen aufs Kind ein, bis “Kling”, der grosse Bruder hat zuerst gedrückt, hoffentlich hat es der kleine nicht gemerkt, wir wieder aussteigen müssenkönnendürfen. Was grad ganz unpassend ist, weil das Kleinkind jetzt den Sitz erobert hat. Der nette Busfahrer öffnet uns sogar dir vordere Tür, nicht einmal das hilft, Emil mag augenblicklich nicht aussteigen. Also trägt die Mutter wiederholt Baby und Kleinkind behutsam und vorsichtig, dennoch weit genug von der Fahrbahn aus dem Bus. Auftritt: Gummibärchen. Wir können nach Hause gehen, können wir? Ja, allerdings ausschließlich rückwärts. Zu Hause angekommen ziehen wir alles bis aufs Baby aus, decken den Tisch, bereiten das Mittagessen vor, nur um uns 15 Minuten später erneut anzuziehen. Der Schulbus müsste gleich da sein, aber da: ein Blatt auf dem Boden und dort: ein Vogel. Endlich geht es an der Hand weiter, über die grosse Strasse und da fährt der Bus ein. Drei meiner Kinder steigen neben den anderen aus, wie erfreulich und zurück geht es über die Strasse heimwärts. Unverhofft wirft sich Emil auf den letzten Metern bodenwärts. Nein, er mag nicht mehr. Ich auch nicht, doch der Hunger siegt und bringt uns samt unseres kleinen Wettrennens ins Haus.

Es ist kurz nach 13Uhr, ich habe wirklich alle Kinder eingesammelt, bin total müde, jedoch wandere ich statt in mein kuscheliges Bett an den Herd und vollende das Mittagessen…

Geburtstrauma, unter anderem

Dezember 5th, 2014

Es kommt in Wellen. Ich dachte, es würde reichen, dass ich schon einmal über die Geburt geschrieben habe. Alle Worte, die ich gehabt hatte waren darin eingeflossen, was hätte es noch zu erzählen gegeben?
Alle hatten mir einmal virtuell über den Kopf gestreichelt, mit mir gelitten, nun müsse es doch gut sein. Doch nichts war gut, schlecht aber auch nicht. Ich fühlte nur alles durch einen Nebel, den ich ignorierte. Ich gab mir Mühe, denn es war ja gut. Und ich hatte doch dieses wundervolle sechste Kind geschenkt bekommen, warum blieb mein Herz so schwer?

Eigentlich ist alles schief gelaufen, was schief gehen konnte. Mit meiner Vorgeschichte von drei Fehlgeburten brachte ich schon mehr Sorge und Furcht in die Schwangerschaft als gut war, die zudem geschürt wurde. Mehrmals. Dazu körperliche Beschwerden mit denen man mich allein liess, von den seelischen ganz zu schweigen. Ich bin dann unter der Geburt an die furchtbarste Hebamme und den widerlichsten Anästhesisten geraten und hab dann im Wochenbett ein zweites Mal das Vertrauen in meinen Körper verloren und musste dann die Verantwortung komplett auch schon an meine Zahnärztin abgeben, zu denen sich nun eine wirkliche Vielzahl von anderen Ärzten der Zahnheilkunde und verschiedener Fachrichtungen gesellt haben, die ich nicht so oft, so erfolglos und in so kurzer Zeit kennen lernen wollte.
Irgendwo da drinnen hab ich mich wohl verloren. In einem der Wartezimmer sitze ich vielleicht noch und muss abgeholt werden, so ähnlich wie in Paulo Coelhos Geschichte in der Wüste.

Vielleicht muss mein Körper wirklich nur auf meine Seele warten. Vielleicht brauche ich nur Zeit. Aber ich habe keine. Es geht nur weiter und weiter… Mittlerweile reagiere ich panisch auf Schmerzen, ich bin jetzt so darauf konditioniert, sofort ist da Unruhe, Panik und Grausen “Nein, nicht schon wieder zum Arzt, bitte!”, noch funktioniert meine Selbstregulation und ich kann mich nach ein paar Minuten des Sackenlassens beruhigen, erst einmal- es bleibt die vielleicht irrationale Angst mein Körper könne einfach Stück für Stück weiter auseinander fallen.

Ich kann mich nicht erinnern, was genau mich zu diesem Wort “Trauma” trieb, ob es meine letzten Fiebertage waren, die mir im Bett allein zuviel Zeit ließen meinen Gefühlen nachzuspüren, die Roses Revolution, die mich über mein nicht Verarbeitenkönnen der Erinnerungen stolpern ließ oder diese nicht enden wollenden Schmerzen, Arzttermine seit über vier Monaten, weil mein Körper mir vielleicht doch irgendetwas sagen will, was ich nicht so genau hören will?
Meine Kraft ist verbraucht. Wenn ich Fotos ansehe von Emil und mir, als er grad frisch geschlüpft war, wirkt alles scheinbar soviel leichter. Es gibt so viele Bilder auf denen ich lächle, glücklich aussehe. Wenn ich Anton ansehe, unsere anderen Kinder, meinen Mann, dann ist da Liebe und Freude, auch ein Nebel wie ein Schleier, wie ein großes Aber.
Egal wie viele Schritte ich gehe, egal in welche Richtung, egal wie oft ich mir ins Gedächtnis rufe, dass der Ausgang der Geburt brilliant ist, ich lande immer bei der selben Szene und meinen Emotionen.

Wenn ich an die Geburt von Anton denke kommen mir die Tränen, immer nur kann ich an das Legen der PDA denken, an diese Hebamme, die meine Bitte um Hilfe ignorierte, mich nicht anfassen wollte, so dass ich einmal fast vom Bett gefallen wäre, der Anästhesist, der von “roter Soße” sprach, die den Hocker runter läuft, daran denke ich, wenn ich an die Geburt unseres Kindes denke. Und deswegen fühle ich mich sogar schuldig, weil ich es nicht positiver verbinden kann. Natürlich bin wie jede Mutter dankbar, dass mein Kind gesund ist und ja auch (denn das war einer meiner Befürchtungen) mir erneut nichts geschehen ist, aber das allein reicht nicht. Es ist einfach nicht egal wie ein Kind auf die Welt kommt und es war traumatisch, furchtbar, entwürdigend. Ich fühlte mich in dieser sensiblen und so unglaublich wichtigen Zeit solchen Menschen hilflos ausgesetzt, so hab ich meine sechste Geburt empfunden.
Da sind Vorwürfe, die ich mir mache: “Hättest du bloß keine PDA gewollt. Warum hast du Lusche es nicht dieses Mal auch ohne geschafft? Wieso?! Dann gäbe es diese Szene gar nicht erst!” Die leise, piepsige Stimme im Kopf antwortet: “Mit einer anderen Hebamme hättest du dich nicht so allein gelassen gefühlt, so übergangen, so wenig ernst genommen. Mit einer guten Hebamme an deiner Seite hättest du keine PDA gewollt.” Ich habe diese gute Geburt so sehr gebraucht.

Ich hatte keine Geburtsvorbereitung und keine Rückbildung und dazwischen eine fürchterliche Geburt, manchmal fühlt es sich an, als wäre ich nie wirklich schwanger gewesen, als könnte ich mich auch irren, dass fühlt sich furchtbar an, da ist soviel Leere in mir, als würde etwas fehlen.
Mein Körper versagte ja dann ein zweites Mal im Wochenbett und zusätzlich musste ich mich selbst trotz diesen Sorgen rausreißen um meine Zahnschmerzen anzugehen, was sich zieht bis hier her. Monate nun. So viel Zeit!

Was die Geburt mit mir gemacht hat ist mich zu verunsichern. Egal was ich auch tue, ich finde dauerhaft meine Mitte nicht. Dabei gebe ich mir Mühe und dann läßt mich etwas Neues straucheln. Vieles, was mich erdete, mich ausmachte, steht da hinten an. Schwimmen war ich das letzte Mal vor Antons Geburt und ein Mal danach, davor Monate nicht. Ich bräuchte es so sehr, doch immer, wenn ich denke: “Jetzt!”, kommt das nächste Arztgespann. Dazu natürlich viele verpasste Gelegenheiten Freundinnen zu treffen und sich da die Seele aufzufüllen, ich hatte wenig Zeit und Konzentration zu lesen und in den letzten Tagen konnte ich nicht einmal mehr Stricken, was mir gut getan hatte bis hierher und nun steuern wir auf Weihnachten zu. Eine Zeit, in der der Fokus dann gern auch wieder auf den Vorbereitungen ruht.

Nach unseren Verlusten war ich ein unheimlich auf Sicherheit bedachter Mensch. Mich faszinierten zwar Hausgeburten so sehr, ohne die Kinder hier daheim, wäre das ein großer Wunsch gewesen, einfach nach der Geburt sein wo man hingehört: zu Hause, aber ich ordnete diesen Wunsch immer meinem Sicherheitsbedürfnis unter. Im Krankenhaus keine fünf Minuten von uns gab es Hebammen, Ärzte und einen Kreisssaal mit OP. Ich brauchte das. Zudem waren da alle Söhne geboren. Wenn ich dort hoch sah, trotz der Erfahrungen mit Noah blieb da dieses selige Lächeln, wenn ich vorbei fuhr, war der Wunsch immer so groß: noch einmal schwanger werden, noch einmal dort gebären. Außerdem klammerte ich mich leider an bestimmte Abläufe in der Schwangerschaft und ich konnte es nicht früher jemanden sagen, nicht einmal einer Hebamme, die für mich da gewesen wäre, zu groß war die Angst etwas damit herauf zu beschwören, wenn ich mich um die Geburt kümmere, die so weit weg schien wie eine lange Reise.
Schwangersein war wie eine Art nicht enden wollender Marathon, ich hatte nur das Ziel vor Augen: mein Baby. Auf dem Weg dahin, hab ich mir den Blick genommen für verschiedene Bedürfnisse. Wieder Vorwürfe: “Wieso hast du dir nicht auch ein HypnoBirthing- Buch besorgt?!”, “Wieso hast du dich darauf verlassen, dass schon wieder im richtigen Moment, die richtige Hebamme da sein würde?!”- Das Traurige ist, ganz am Ende war die Richtige da.

Heute also bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nie wieder dort ein Kind bekommen möchte, würde vieles anders machen und ein paar mehr Risiken eingehen, um mein Innerstes zu schützen, weil ich weiß wie wichtig ein guter Start ist. Und suche noch nach einem Weg oder einem Ritual, meiner Seele wieder ein bißchen näher zu kommen.

Rose

Ich habe mehrere Tage immer wieder irgendwo Zeilen aufgeschrieben und gebastelt um sie in einen Zusammenhang zu bringen, weil ich das Gefühl hatte, mein Herz würde erst dann ruhiger schlagen können, wenn ich meine Emotionen wirklich in Worte fassen konnte.

Totensonntag

November 23rd, 2014

Seit Jahren (für mich, für uns) der letzte Sonntag im Jahr, bevor die Weihnachtsdekoration aus dem Keller geholt wird. So hielt es meine Oma und so führe ich es fort. Seit 2012 leider auch der Tag, an dem ich an sie denke, weil sie nicht mehr bei uns ist. Ein Tag zum noch einmal innehalten und erinnern, bevor wir der aufregenden Weihnachstszeit entgegenfiebern.
Ich hatte für heute nicht viel geplant, aber am Morgen nach dem Aufwachen war ich mir sicher, ich würde heute gern auf den Friedhof gehen wollen für all jene, die nicht mehr bei uns sind. Die Kinder fanden die Idee gut und so zogen wir uns an und liefen los, nicht ohne das Nils zurück flitzen musste. So überquerte ich die Straße allein mit den Kinder und uns kam ein Mann entgegen, der uns freundlich grüßte. Ein paar Schritte weiter hielt er uns auf, entschuldigte sich für die Unterbrechung unseres Weges und fragte, ob das alles meine Kinder seien. Das war mir unangenehm, weil es heute ein besonderer Tag ist und ich Angst hatte, der Mann würde nun den Kopf schütteln und jeden Moment sein Missfallen ausdrücken, wie ein Teil solcher Gespräche manchmal ausgeht und ich konnte den Blick des Fremden einfach nicht deuten oder aber würde er uns von sich erzählen, wie es viele auch tun?!
Der fremde Herr hatte Tränen in den Augen, als er erzählte sie wären zu Hause auch sechs Kinder gewesen. Er stockte, musste schlucken und erzählte wie sein Vater 1944 in Russland gefallen war, weil die Deutschen ihn dort hingeschickt hätten. Mich berührte das sehr und in diesem Moment stieß mein Ehemann und Vater der Kinder zu uns und so verschwamm das Bild des Fremden von mir allein als Mutter mit den sechs Kindern. Er erzählte noch einmal Nils von seiner Mutter und seinen Geschwistern und der schweren Zeit und so langsam gingen wir weiter, nachdem der Mann einen Kuss in die Luft geschickt hatte für unsere Familie.

Eine außergewöhnliche Begegnung an diesem Tag. Und für mich noch einmal sehr besonders, weil mich diese Zeit der Kriegsjahre in seinen Bann gezogen hat, seitdem ich das erste Mal als Kind eine Bibliothek betrat und immer wieder viele Bücher, Filme und Dokumentation darüber verschlang und aufsog über die Jahre und das zur Zeit wieder gehäuft tue, als könne ich dann endlich verstehen… Begegnungen am Totensonntag. Seltsam welche Wege das Leben manchmal geht.

Von Zahnfeen

November 22nd, 2014

Die Zähne sind leider in diesem Jahr zu einem großen Thema geworden. Als ich gestern Abend im Bett lag mit unseren beiden kleinen Jungs, einen links und einen rechts von mir, musste ich doch etwas schmunzeln, obwohl das vielleicht nicht der richtige Moment dafür war, aber ein bißchen seltsam mutete es an: Wir Drei mit unseren Zähnen.
Der Kleinste kämpft zur Zeit mit dem Durchbruch der Zähne, sie schieben sich scheinbar sehr schmerzhaft durch den Kiefer, das ist natürlich eine ganz besondere Zeit, schön und einmalig (nicht für Anton), aber auch nicht ganz frei von Schatten durch Emil, dem zwei Frontzähne nun schon fehlen, die Anton in den nächsten Monaten erst bekommen wird. Natürlich ist da der Gedanke, möglichst sorgfältig auf Antons Zähne zu achten, sobald sie durch gebrochen sind mit dem Putzen beginnen zu müssen, wie schon bei den vier großen Kindern, damit ihm erspart bleibt, was sein jüngster, älterer Bruder durch machen musste. Der in dieser Woche, erst einen Tag zuvor Kontrolle bei seiner Zahnärztin in der großen Stadt gehabt hatte, die jedoch im Augenblick sehr zufrieden ist und seit der OP -Gott sei Dank- keine weiteren Schäden an den Milchzähnen feststellen konnte, trotzdem sind wir in engmaschigen Abständen zur Kontrolle bei ihr, um das weiter im Auge zu haben. Aber zur Zeit bin ich sehr dankbar und froh über den Stand der Dinge.
Und in der Mitte lag ich, die sehr unten dem Entfernen der beiden letzten Weisheitszähne litt und leidet. Mir wurden der obere linke und untere rechte Zahn operativ entfernt, also einmal diagonal das Leiden im Mund und ich wurde doch sehr von diesen Schmerzen überrollt. Wie so oft, wenn mich etwas überrumpelt spielten meine Erwartungen an die Geschehnisse eine Rolle. Ich hatte Vorstellungen von dieser Zeit, ich dachte im Vorfeld nur daran, die ersten 24 Stunden zu überstehen und war nach einem Wochenende mehr oder minder gepflegt im Bett total überfordert von den Schmerzen, die mich allein auf mich gestellt zurück im Alltag vertikal am Montag überrollten. Die Schmerzmittel die vorher wunderbar gewirkt hatten, ließen mich zum Teil im Stich, der aufmerksamere Teil waren die Ibuprofen von denen ich stillend natürlich keine Mengen zu mir nehmen konnte und wollte. Mir liefen dann nur noch die Tränen, ich motzte jeden an, der mich ansprach und leider waren an diesem Tag Tom wie schon Ben zu Hause geblieben und so wuselten vier Kinder um mich herum bis zum Mittag noch die beiden Großen dazu stießen. Ich fühlte mich wie ein verwundetes Tier, bestand nur noch aus Schmerz, es dröhnte um Kopf und fühlte sich an, als würde den ganzen Tag über ein Flugzeug neben mir starten. Ich kam aus dem Schmerznebel einfach nicht heraus. Ich war am Ende und als Anton dann noch bitterlich anfing schrill zu weinen und zu schreien, vor lauter eigenen Zahnschmerzen, spürte ich die Vibrationen im Kiefer, als wäre er ein einziger kleiner Resonanzkörper. Ich hasste den Mann, der dann zu mir eilte, weil gar nichts mehr ging, verkroch mich nach den abgewarteten Stunden mit einer neuen Schmerztablette ins Bett und ließ anschließend beim Chirurgen abklären, ob sich da auch nichts entzündet hätte. Was nicht der Fall war, die Chirurgin war unheimlich einfühlsam und meinte, das sei leider normal und das könne schon bis zur zwei Wochen dauern, aber ich solle mir keine Gedanken wegen zwei Wochen Medikamenteneinnahme machen. Was natürlich leichter gesagt, als getan ist.
Jetzt nach über einer Woche nach der OP spüre ich deutlich eine Verbesserung. Ich nehme nach wie vor Tabletten gegen die Schmerzen, kann sie gut in Schach halten und es geht, obwohl die Abende zur Zeit noch recht fies sind, (weil einfach nicht mehr soviel Ablenkung da ist wie untertags,) aber ich bin dankbar, mehr als das, dass diese Zeit der starken Schmerzen überstanden ist und hoffe der Heilungsverlauf bleibt weiterhin unkompliziert. Sobald ich mich mich vollständig erholt haben werde, muss ich dann auch schon meine Zahnärztin erneut aufsuchen und dann geht es weiter, auf das es im kommenden Jahr vielleicht dental ein wenig ruhiger zugehen möge.

Herbsttage am Meer

November 15th, 2014

Vor zwei Wochen noch waren wir zum Abschluss einer wunderschönen Woche an der Ostsee in den Herbstferien beim Geburtstagsessen meiner Schwiegermama, direkt an der Strandpromenade.

Es war der erste Urlaub, den wir im Herbst an der Ostsee verbrachten und es war wunderwunderschön. Auch wenn die Anreise mir einiges abverlangt hatte, hat es sich mehr als gelohnt mit acht Menschen in acht Tagen 2000km mit Taxi und Bahn zu reisen. Die Unterkunft war für uns neu, wir waren direkt einquartiert neben meinen Schwiegereltern und hatten nach anstrengenden hinter uns liegenden Wochen Zeit die Seele baumeln zu lassen und Luft zu holen.
Wenn jetzt andere Menschen am Meer sind, nur so kurze Zeit nach uns, merke ich wie sehr mein Herz wirklich am Norden hängt, am Strand, am Wasser und es liegt mir halt einfach im Blut, meine Oma ist in Koserow aufgewachsen und ich kann heute nur noch annehmen, dass sie dort eine wundervolle Kindheit verbrachte, auch wenn ihr Berlin später sehr gut stand.

Die Unterkunft war zauberhaft. Wir haben beide gesagt, wir würden sofort einziehen. Auch wenn solche alten Häuser so viele Baustellen haben, besitzen sie einen Charme und eine Ausstrahlung, dieses Backstein, das macht was mit mir, wärmt mir das Herz und als ich einen Abend mit Emil die Steine vom Strand nach oben erklomm, machte mein Herz Freudensprünge. Leider befindet sich das Haus seit Jahrzehnten in lieben Händen in Familienbesitz und wird wohl nur an enge Freunde und Bekannte vermietet, wie das Haus meiner Schwiegereltern. Das große Haus wurde umrahmt von einem schönen großzügigen Garten mit Blick aufs Wasser- traumhaft. Hier durften wir durch atmen, quasi Tür an Tür mit Oma, Opa und den ersten Tagen auch der Tante, der Kinder.

Es gipfelte eben in diesem Familientreffen, dieser Feier, dem runden Geburtstag zu dem ich doch gern mehr beigetragen hätte, als improvisierte Cupcakes und einem Zitronenkuchen. Aber ich bin halt doch sehr schüchtern und war schon so gerührt von der Rede der besten Freundin. Hätte gern mehr gesagt zu einem Menschen, der immer für uns da ist, uns unterstützt, uns begleitet und zuhört.

Nachdem ich einige Zahnarzttermine vorher hinter mich gebracht hatte, verlor ich vor Ort eine kleine Füllung und musste dort erneut zum Zahnarzt und leider auch zum Fädenziehen, denn ich hatte es doch eine Woche vorher talentiert geschafft mir beim Scherben in den Müll pfeffern gescheit in die Hand zu schneiden, so dass ich genäht werden musste und ich letzten Endes auch etwas mehr Schwierigkeiten hatte alles allein für die Abreise von acht Menschen vorzubereiten (Ich hab so geheult). Der nette Arzt kannte uns dann auch langsam alle, mein Schwiegervater war erst dort gewesen und der Mann erst im Sommer mit seinem Knie. Obwohl ich anscheinend keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, aber das ist wohl ein anderes Thema.

Auch wenn es hier zu Hause wunderschön ist, ich ein paar liebe Freundinnen in diesen zwei Wochen treffen konnte, einen wichtigen Kindergeburtstag erlebt habe, St. Martin mit unseren Kindern, bleibt die Sehnsucht nach dem, was das Meer in mir auslöst…

Es bleiben die Erinnerungen an einen wunderschönen Abend mit dem Mann, leuchtende Farben der Blätter rechts und links das Wasser, tobende Kinder durch den Garten und am Strand, Spaziergänge barfuss durchs kühle Nass, das Rauschen der Wellen… ich könnte ewig so weiter schreiben.

Vor einem Jahr… (10.11.2013)

November 10th, 2014

Drehten sich meine Gedanken…

“Ich schreibe diese Zeilen heimlich und allein, naja so allein wie man in einem Haus voller Ehemann und Kindern wohl sein kann. Ich bin im 10. Tag nach dem Eisprung. (Anmerkung, es war erst der Neunte.) Also noch nicht vollendet, aber mittendrin. Ich möchte schreiben, dass ich dankbar bin, dass ich immerhin diesen Monat schon so eine längere zweite, wichtige Zyklushälfte habe. Genau die war mir im letzten Zyklus abhanden gekommen und hatte mich sorgenvoll zurück gelassen, weil mein Körper so ganz klar signalisieren würde, ich wäre nicht bereit schwanger zu werden. Ich könne ja niemals ein Kind halten. 9 Tage sind soviel, ein Geschenk schon. Im letzten Monat waren es höchstens 7, eher weniger, realistisch wirklich nur 6 oder 5 Tage nach dem Eisprung, ich weiß noch wie überrumpelt ich im ersten Moment von meiner Periode gewesen war.
Aber davon will ich gar nicht erzählen. Ich will schreiben von dem Gefühl letzte Nacht. Ich fühle mich ganz bei mir. So rund. So angekommen. Klingt das kitschig? Das Gefühl bleibt, das sich in mir etwas verändert hat und ich weiß nicht, ob ich mir etwas zusammen phantasiere wie in den Monaten zuvor, aber irgendetwas ist anders, schöner, besonderer.
Es gibt noch soviel zu erzählen, meine Mutter, die irgendwas ahnt, wir beide, die erstmal “Nein.” rufen, auch wenn ich noch mehr dahinter dachte und sie die fragte liebevoll: “Seid ihr schon wieder am Basteln?!” Die Kinder, die über Babies sprechen. Der Mann, der plötzlich Lotta vorschlägt und so tut also wäre das beschlossene Sache, nun liegt mir Lola näher, aber immerhin ein “L” Vorname. Eine Junge Johann oder Anton. Egal, nun habe ich viel zu viel geschrieben. Der Wunsch scheint da, nicht nur bei mir, bei allen. Wunderschön. Ich bin darüber allein schon sehr glücklich. Ich kann nur warten. Schützte Bauch vor Alkohol, Zigaretten, Medikamenten und Tritten von Ben. Es kommt, wie es kommt. Ich versuche ruhig zu bleiben. Es wäre ja erst einmal der Anfang, ich sollte mich in Geduld üben.”

Der erste 10. Geburtstag

November 8th, 2014

Auch in diesem Jahr wollte das Tochterkind ihren Geburtstag gern zu Hause feiern, worüber ich mich sehr freute. Ich liebe es die Feier zu Hause auszurichten und mit ihr zusammen alles vorzubereiten neben dem Heimlichkeiten für diesen ihren besonderen Tag.
Sie hatte sich in das Thema Meer verliebt und so verschickten wir Einladungen mit Meerjungfrauen, ich bastelte kleine Schiffchen als Platzkärtchen und Zoe hatte sich in einer Zeitschrift in ein paar Ideen verliebt. So machte ich mich ohne ihr Wissen abends, als alle schliefen an kleine Schildkröten aus grünem Fondant mit weißem Schokokuss als Panzer und bastelte eine wie mal von ihr gewünschte zweistöckige Torte mit der Silhouette eines Meermädchens. Die Torte hielt ich absichtlich einfach, denn die Regenbogentorte im letzten Jahr war so mächtig, dass kaum ein Kind auch nur ein Stück bewältigen konnte. Daneben gab es Cookies, wobei ein Teil für zu Hause und ein Teil in die Schule ging und Cupcakes in klein und größer. Eigentlich hatte sie sich Cakepops gewünscht, aber ich war schon so gut genug gefordert und hopste beschäftigt herum, da wir erst am Sonntag zurück gekommen waren von der Ostsee und ich so nur drei Tage Zeit für die Vorbereitungen gehabt hatte und froh war überhaupt schöne Geschenke zu haben und noch einwickeln zu können, alles herzurichten. Am Vorabend bliesen wir dann etliche Luftballons auf, die ich extra bestellt hatte und befestigen sie wie immer an der Tafel, dazu gab es ein paar Rosen und einen erweiterten Geburtstagskranz von Grimm mit Meerjungfrau und neuen Zahlen.
Sie durfte zehn Mädchen einladen, von denen leider am Ende nur sieben gekommen sind. Es gab erstaunlich wenig Rückmeldungen in diesem Jahr. Am Wichtigsten war für sie, ob sie auch alle ihre liebsten Kleinigkeiten aus der Geburtstagstüte bekommen würde, die sie sich sehr arg gewünscht hatte. Wir vereinbarten mit ihr, dass die Mädchen schon zum Mittagessen direkt nach der Schule kommen und sogar bis halb sieben bleiben dürfen, das hieß für uns ein kleiner Mehraufwand. Also dreizehn Kinder auf zwei Erwachsene und drei Mahlzeiten.
Zum Mittag hatte sich Zoe eine Tomatensuppe gewünscht, dazu gab es Baguette und Aufschnitt für die, die das Essen nicht mögen würden, aber ich war total begeistert wie gern die Suppe gegessen wurde. Im Anschluss wurden Geschenke ausgepackt und im Zimmer gespielt bis mir die Last Minute Bastelidee vorgab, dass wir nun die Umrisse der Fenstermalbilder malen müssten. Dann gab es wieder eine Spielpause und dann gab es Kuchen und im Anschluss malten wir weiter bis es Zeit war für eine wunderschöne Tradition: Laternelaufen. Wir hatten im diesem Jahr erstmals gebeten eine Laterne mitzugeben, in den Jahren davor hatten wir entweder eine gestellt oder welche mit den Kindern gebastelt. So liefen wir trotz Regenwetter tapfer los und es zerstreute sich erst einmal alles. Bis wir einen Rhythmus gefunden hatten und in Zweierreihe liefen und sangen, das war wirklich wunderschön und ich war so dankbar für diesen Moment.
Im Ofen zu Hause warteten schon die Pizzaschnecken, die ich vorher gerollt hatte und dann war es schon Zeit für das Abendessen. Bis alle abgeholt waren wurde es 19Uhr und dann kam noch Zoes (Paten-)Tante und wir saßen noch einen Moment zusammen, bis wir die Kinder ins Bett brachten und erleichtert und glücklich zugleich aufs Sofa plumpsten.
Es war rund, wir Eltern sprachen später auch über den Ablauf, beim Basteln eher darauf zu achten es am Stück zu haben und nicht so zu zerteilen. Man macht sich vorher immer so viele Gedanken und dann spielen die Kinder so toll zusammen in einem Zimmer und brauchen gar nicht soviel mehr… Abends stießen wir noch auf unsere runde Elternschaft an und unsere fabelhafte große Tochter.

Vor über zehn Jahren bewegte mich…

November 4th, 2014

die Ankunft unseres ersten Kindes, so wie es mich nun heute eine Dekade später bewegt, dass sie nach zwei Mal schlafen das erste Mal nullt und zweistellig alt wird, was dann nie wieder weg geht, nie wieder anders sein wird…

Ich bin über alle Maßen bewegt und schrecklich aufgeregt!

29. September 2004, der letzte Eintrag in dem Buch fürs Tochterkind vor ihrer Geburt, zum Zeitpunkt des Schreibens war ich noch 20 Jahre alt:

“Mein klitzekleines liebstes Wesen!

Vor zwei Stunden habe ich deine Spielstation aufgebaut, klingt nicht sonderlich spektakulär, aber es ist mitten in der Nacht. Mittlerweile ist es fast 4 Uhr und nun merke auch ich, dass es Schlafenszeit ist/sein könnte!
Bei jedem Ziehen, jedem Tritt, denke ich… jetzt gehts los! Ich bin jetzt in der 36. Schwangerschaftswoche und der Arzt meinte, du könntest schon kommen. Dein Köpfchen liegt tief im Becken, aber dass ja auch schon seit der 30. Woche. Du weißt also anscheinend wo es lang geht. Einer muss ja wissen wies geht. Und ich weiß es nicht.
Ich bereite brav alles vor, hab deine komplette Wäsche gewaschen. Hoffe nur, ich hab nicht zuviel oder das Falsche gekauft. Papa und ich, wir sind so aufgeregt, möchten dich sehen, spekulieren wie wild.
Der Arzt meinte in der 34. Woche du seist ungefähr 2200g schwer und bei der Geburt wahrscheinlich 3400g. Naja, mal schauen. Mein Bauch ist jedenfalls riesigst!
Grad räumte ich ein paar normale Sachen in den Schrank (vor den Socken kapituliere ich!).
Ich weiß gar nicht mehr wie das so war vor dir. Ich war sehr jung, bin es ja noch, aber irgendwie auch wieder nicht. Ich muss mal gucken, wer ich dann so bin als Mutter.
Auf jeden Fall freu ich mich auch meine Sachen und dich in meinem Arm.
Ehrlich gesagt hab ich sogar schon Windeln gekauft, hatte Angst es wäre sonst zu spät und Babyshampoo, Dusche, Cremes etc. auch!

Aber du fehlst noch!

Ich hab dich sehr sehr sehr sehr lieb, du kleiner Strampler! Deine Mami”