„I have died every day waiting for you“…

Oktober 15th, 2017

Ich glaube, die ersten Tage waren die wackeligsten, durchzogen von Unsicherheit und dem meisten in mich horchen, ob es nicht nun los ginge… Zudem hatte ich auch beträchtliche Schmerzen und die Müdigkeit war so bleiern, ich lag so oft unbrauchbar auf dem Sofa, kaputt, ausgelaugt, emotional und körperlich. Die Unsicherheit war groß, ob ich nun wirklich das Richtige tun würde, es verging kein Tag, an dem ich nicht nachspürte…
Das Wetter war zu gut und so plante ich zaghaft schon zu Beginn der Woche einen Ausflug zum Wildpark, sollten alle gesund sein, an dem Tag, an dem alle zeitlich Schule aus hätten. In der Nacht schlief ich nochmal schlecht, ich ging alles in Gedanken durch, wollte nichts vergessen, so wenig Stress wie möglich für mich und maximal Zeit dort. Es war natürlich eine kraftraubende Geschichte, alles rechtzeitig fertig zu haben, morgens hatte ich die zwei Jungs in den Kindergarten gebracht und war nach Hause gelaufen von dort über den Biobäcker, um noch Obst, Gummibärchen und 16 Brötchen zu kaufen, zu Hause packte ich meine Wickeltasche und Wechselsachen für die drei Jüngsten, machte den Fahrradanhänger startklar für zwei Kinder, legte in jedes Brötchen drei Rostbratwürstchen, faltete noch etwas Wäsche und huschte wieder zu Fuß zu Kindergarten, sammelte da die zwei Jungs um 12Uhr wieder ein und lief weiter zum Bahnhof, wo ich mich mit den vier Großen ohne Schulranzen treffen wollte… all das klappte, bis auf das Aussteigen an unserer Endhaltestelle und da war ich dann richtig fahrig, vor Ort dann war ich einfach nur verzaubert und so froh, dass mein Gefühl richtig war, einfach nur schöne Zeit mit meinen Kindern verbringen zu wollen, dem Stress unter der Woche so einen Ausflug anzugehen überwog… Nach Hause ging es mit Nils, der uns auf halber Strecke entgegen kam…
Freitag hatte der Liebste dann Homeoffice und ich meinen Kontrolltermin zu dem ich nach Kindergarten und Speed- Einkaufen ohne Zelda fahren konnte, ohne den Mann bei der Arbeit stören zu müssen, weil sie schon eingeschlafen war… ich versuchte mir davor ein dickes Fell überzuziehen, tags zuvor war ich immer und immer wieder in Gedanken durch gegangen, ob das immer noch mein Weg war, legte mir Argumente zurecht und klopfte noch mal alles in mir ab. Ich kenne die Alternative, das Ausgeliefertsein im Krankenhaus ist noch mal viel schlimmer als in der Praxis. Ich fühle mich wie schon bei den drei anderen Fehlgeburten, verwundbar und nackt, als hätte ich mein Innerstes nach Außen zu tragen, die Vorstellung jemand könne meine zarte Hülle einfach einreißen und kaputt machen, all das Körperliche, was nach der ersten und bisher einzigen Ausschabung so großen Raum eingenommen hatte und auch kein großer Vorteil für mich an Sicherheit- ich ging alles in Gedanken durch. So unerträglich das Warten war, es blieb die bessere Alternative.
Ich hatte noch mal einen ganz wunderbaren Text von Halitha und ihrer kleinen Geburt gelesen. Ein Text, der mich bestärkt und mir noch einmal Mut gemacht hat, zudem haben mich in den letzten Tagen viele liebe Zeilen mir eigentlich fremder Frauen erreicht.
Ich hatte mich dagegen entschieden in der Praxis anzurufen und nach dem Beta- HCG Wert zu fragen, was im Nachhinein gut war, denn ich hätte erfahren, dass er von Donnerstag auf Freitag noch mal gestiegen war, von rund 8.000 auf 11.000. Das hätte mich verunsichert und mich unnötig besorgt. Aber nun war ich da, in der Praxis, schon unheimlich getroffen nach der Anmeldung, war müde von diesem Umgang mit mir und nicht mehr voll geschützt, nach diesem einem kurzen Dialog und auch wütend. Traurig und besorgt, ob ich ohne großen Schaden aus der Praxis käme. Schon letzte Woche war mir aufgefallen, dass man mich zurück in den Wartebereich, der nicht Schwangeren geordnet hatte, ob aus Wohlwollen und knallharten Faktentum. Meine Grübeleien fanden ein jähes Ende, als ich schneller als erhofft vom Arzt aufgerufen wurde. Da wollten wir doch mal gucken… Die Zyste, die mich gequält hatte, war von 5cm auf 3,5cm geschrumpft und die Eihülle war bereits entrundet, wie es so schön heißt, weiterhin umgeben von mehreren Einblutungen in der Gebärmutter. Es war verrückt, aber ich war tatsächlich beschwingt, erleichtert. Mein Körper tut das Richtige und ich erspare mir vorerst noch das Krankenhaus, dachte ich.
Das Warten ist nun ein Teil von meinem Alltag geworden. Für mich ist das alles neu, die zwei frühen Fehlgeburten begannen mit einer Blutung, ich musste nie darauf warten, ich war eher überrumpelt davon… Ich habe mich in dieser Woche gepflegt mit ungesundem Soulfood, mir Tee gegen Zyste und für Gebärmutter einverleibt, mich einmal passiert mit Rosenöl wie nach der Geburt von Zelda, mir Bienenwachsauflagen, die meine Schwiegermama mir besorgt hatte aufgelegt und mich mich Twilight beseelt, gelesen, Zeit mit den Kindern verbracht, denn ich war Freitag nicht nur in der Praxis, sondern später auch noch 40 Bahnen schwimmen, mit dabei Tom und Ben, später noch auf dem Spielplatz mit Sechsen, war Samstag auf der Babymesse um den Kindsknopfstand zu besuchen, mit der Großen danach erfolglos aber gemeinsam Shoppen und abends dann noch mit Nils auf der Langen Nacht der München Museen, wo ich bewegt von der DenkStätte Weiße Rose, gegenüber in der Kirche war und für unsere Ostseeperle ein Kerze entzündet habe, wobei mir dann die Tränen geflossen sind, weil es solche Kleinigkeiten sind, die das alles so real machen… heute war ich noch einmal schwimmen, spazieren mit dem Mann und Zelda, konnte mein Buch beenden und mein Gulasch kochen. Ich habe getankt, wo es ging.
Ich habe getan, was ich konnte, um mich stark zu machen für die kommenden zwei Tage, denn der Mann fährt beruflich weg, ein beschissenerer Zeitpunkt konnte es nicht sein, aber er übernachtet einmal aushäusig und ich muss zwei Abende die Kinder vermutlich allein ins Bett bekommen und den Alltag bewältigen ohne gelähmt zu sein von dem Gedanken, wie ich das nur schaffen soll, wenn es nun los geht. Und ich allein bin. Und dieser Gedanke quält mich. Dieses Alleinsein damit, die ganze Zeit, denn ich konnte mich nicht frei machen von Hoffen und Wünschen und Verlieben in dieses einmalige kleine Wesen, ich muss meine Entscheidungen allein für mich treffen und ich war schon einmal zu einer Ausschabung allein im Krankenhaus, was mir bis heute schmerzhaft nachhängt, auch zwischen uns steht. Dieses verfluchte Alleinsein in so einer Extremsituation. Ich wünsche mir nun statt wie in den letzten Tagen, es möge soweit sein, dass ich noch Zeit habe bis mindestens Mittwoch, ich darf auch kein Fieber bekommen oder sonst welche Probleme… ich habe zwar einen Notfallplan, aber ich möchte den gar nicht nutzen müssen. Ich möchte Unterstützung durch meinen Partner, der maßgeblich beteiligt an meinem (Er-) Leben ist.
Aber ich habe auch Angst vor dem, was mich genau erwartet. Werden es große Schmerzen sein? Wird es mitten in der Nacht sein? Wird es lange dauern? Wie sehr werde ich nochmal trauern? Wird es dann geschafft sein?
Vorhin fragte mich eine liebe Freundin, ob ich ihre Tochter am Dienstag mitnehmen kann vom Kindergarten und ich sagte natürlich ja, denn ihr Papa liegt im Sterben und sie schrieb, es ginge ihm so schlecht, dass sie ihre Tochter so nicht mehr mitnehmen möchte, wenn sie sich mit ihrer Mama aufmacht, den langen Weg zu ihm… Diese Grausamkeit des Lebens, diese Naturgewalt des Todes, diese allgegenwärtige Präsenz des Unausweichlichen, es hilft mir das Leben als Ganzes zu betrachten, mit alle seiner Willkür schlägt es überall zu… Schönes wie Schreckliches und ich hoffe ich habe genug Schönes im Gepäck, um die kommenden zwei Tage gut zu bestehen… und vielleicht kann ich Dienstag auch noch etwas Gutes tun! <3

… so tell me when you hear my heart stop… (trigger: miscarriage)

Oktober 6th, 2017

Ich möchte mich daran erinnern, an diese kuschelige Decke aus Herzenswärme und Liebe, die mich da gestern an meinem Geburtstag umhüllt hat, die mich gewärmt hat, an dem Tag der Gewissheit, ich möchte sie zurück zaubern, mich daran einwickeln und daraus Kraft schöpfen, Kraft die ich hatte, bevor ich gerade zur Kontrolle musste… Ich bin froh, dass ich es morgens noch in mir ruhend mit Kraft und Stärke den Kindern gesagt habe, bevor mich mein Wundsein und meine Verletzlichkeit gerade beim Arzt so eingeholt haben… dabei war ich so gut…

Am Ende war ich dankbar nicht schwanger in den Urlaub zu fahren, ich hätte mir bestimmt auch wenn es ein wundervoller Urlaub war, Sorgen gemacht oder zumindest Gedanken- so war ich frei und unbeschwert und hatte nach diesem Traum von Urlaub schon vor der Abreise so ein Gefühl, aber ich packte es liebevoll ein, für später, ich wollte die Ostsee so unbeschwert verlassen, wie ich sie drei Wochen lang erleben durfte…
Ich schaffte es zu warten…, schon da dieses Gefühl…, der Glücksrausch, der fehlte. Ich hatte eigentlich nur Angst positiv zu testen und dann wenige Tage später zu bluten, dennoch hätte ich es dann gewusst, das war mir klar, aber ich rang immer noch mit mir, ob ich die Kraft dafür hätte, denn ich wusste nach diesem Stäbchen wäre einfach alles anders. Ein Test, der nichts bedeutet, nichts entscheidet und doch alles, es gäbe kein eventuell mehr, nur noch Gewissheit! Ich entschied mich aber für die Liebe, fürs Auskosten, fürs Dasein und Genießen soweit es ging und so machte ich zwei Wochen nach meinem erfühlten Eisprung einen Test, aber als der Test dann positiv war, eigentlich schon davor, fehlte mir etwas und an diesem Test fehlte mir die Intensität für den Zeitpunkt, die Farbe… Und nach zwei Tagen sah der Nächste fast unverändert aus… ich erinnerte mich an meine erste Fehlgeburt im November 2010, die erste von dreien in 9 Monaten… da war es ganz ähnlich, also schwebte ich in Ungewissheit durch die Tage, widerstand dem Drang noch einen dritten Test zu machen, nahm die Reste Progesteron und Bryophyllum und Folsäure (weiterhin) und dachte, ich mache einfach alles was in meiner Macht steht um diese Seele bei uns zu halten, das war mir wichtig…
Aber ich war so einsam. Unsere Freundin Anne lag im Sterben und ich bestand nur aus Traurigkeit, das Leben tat einfach, was es tat- mit bloßer Willenskraft schien nichts auszurichten zu sein. Dieser Gedanke war tröstlich, in gewisser Hinsicht… egal was ich tue, es passiert, was passiert. Aber diese Seele war da! Mein Beschützerinstinkt war geweckt, da war so unendlich viel Liebe, ich wollte behüten und bewahren. Und dennoch das Schicksal annehmen… Ich schrieb in mein Tagebuch: „Mich entspannen. Es annehmen. Das Schicksal, deine bloße Existenz ist ein Wunder. Und ich darf dich vielleicht nicht behalten. Wie soll ich das Überleben? Und dennoch sterben täglich zu viele Menschen, werden schwer krank, wieso sollte ich bekommen, was ich mir wünsche? Mit welchem Recht? Ich liebe dich, oh ich liebe dich so sehr! Ich halte dich, versuche dich zu beschützen, aber lasse dich frei, wenn du gehen musst, ich mache Fotos und streichle meinen Bauch, ich wage es nicht zu träumen. Ich atme.“ Und dennoch träumte ich.
Dann während der Eingewöhnung bekam ich richtig schlimme Krämpfe, auch die hatte ich zwei Mal zu vor erlebt. Ich bin fast umgekippt im Kindergarten und schaffte es gerade noch mich irgendwo hinzulegen und die Beine hochzulagern… als ich wieder stabil war, ging ich runter… und war sprachlos, wieviel so ein Körper leisten kann, mein Körper, hier saß ich nun auf einem kleinen Stuhl und es tat so unendlich gut unter Menschen zu sein! Das Leben zu spüren.
Ich befürchtete, dass ich unser Kind verloren hätte, im schönsten Kreis. Der Schmerz blieb dumpf im Unterleib und abends dachte ich dann, vielleicht sitzen wir das letzte Mal alle so zusammen… alle meine Kinder.
Die Blutung kam nicht. Die Tagen waren auch schön und die kleine Seele war in Gedanken natürlich immer dabei, daraus schöpfte ich Kraft. Meine Hand am Bauch und die Hoffnung neben der großen Angst, dass alles schon vorbei sein könnte… und ich nur warten würde. Und ich wartete und die Tage vergingen…

Und dann war ich beim Arzt, weil ich dachte, ich hätte eine Blasenentzündung oder dergleichen. Und da höre ich die Worte, ich sehe es im Gesicht der Ärztin, du bist nicht zeitgerecht entwickelt, überhaupt nicht. Aber da ist eine Schwangerschaft. Eine kleine runde Perle in mir. Da sind außerdem Einblutungen und eine riesige fünf Zentimeter große Zyste. Kein Herzschlag und so soll ich eine Woche warten und dann zur Kontrolle kommen… Ich nehme ihre Worte sehr ernst. Aber ich kann nicht loslassen, noch nicht über Abschied nachdenken, mein Kopf tut sein Wissen mit dem im Herzen zusammen und trotz allem, trotz den Fakten ist und bleibt da Hoffnung, ein kleines Feuer, winzig aber da… man nennt es wohl Liebe. Ich bin unendlich niedergeschlagen und fühl mich verwundet, ich weiß nicht wie ich das aushalten soll ohne daran zu verzweifeln. Meine kleine Kastanie. Noch ist ein Teil von dir da…

Da ist auch Wut. Ich möchte weinen und schreien, dass ich das auch will, wenn ich Babies sehe. Habe ich kein Anrecht mehr darauf oder weniger? Weil wir schon so oft Glück hatten? Müssen wir uns hinten anstellen und warten bis alles gerecht verteilt ist? Ich verzweifle. Und immernoch ist da Hoffnung, die schmerzt, weil ich nicht weiß, wie ich wieder Luft bekommen soll, wenn mein Baby nicht mehr da ist. Wie soll ich atmen? Wie durch den Schmerz gehen? Das Warten zermürbt mich an manchen Tagen mehr als an anderen. Und dennoch ist es besser als so manch grausame Gewissheit, zwischen schwarz und weiß sind wir in der grauen Zone dazwischen, zwischen alles nur ein böser Traum und der schlimmsten Ahnung. Es ist furchtbar belastend, ich bin einsam, ich fühl mich oft allein. Tage vergehen. Unruhe, Angst. Immernoch ist da Hoffnung. Woher kommt sie? Aber da ist auch fröstelnde Gewissheit. Ich frage mich: „Hast du gut zugehört? Der positive Test und das Ergebnis des Ultraschalls passten nicht zusammen!“ Woran klammerte ich mich also noch? Und wie tief werde ich fallen? Ich habe Angst vor meiner gewachsenen Hoffnung… Ich buk… meinem Geburtstag entgegnen.

Und dann war eine Woche vorbei. Am Morgen schöpfte ich soviel Kraft wie ich konnte aus meiner Familie, lieben Freunden, Glückwünschen, Umarmungen… Ich war soweit. Und ich hörte, was mein Kopf schon wusste. die Fruchthöhle ist leer. Die Zyste, die Hämatome noch da. Ich höre sowas wie Ausschabung und Blut abnehmen und morgen nochmal kommen. Ich mache, was ich soll. Sehe lauter schwangere Frauen und bin bei mir, ich sehe nicht, was ich nicht haben werde, sondern was ich schon sieben Mal hatte, das tut so gut. Ich treffe auf meinem Weg noch mal eine liebe Freundin, sie umarmt mich, wir sehen uns später. Ich habe meine Kopfhörer dabei, ich gehe durch den Park, bin allein, suche mir ein Stelle und lasse die Tränen laufen… Gewissheit. Es ist schrecklich, sie tut gut. Nach all dem Warten. Auch wenn ich noch immer Warte, auf meinen Körper. Auf das Blut. Und ein Teil von mir fehlt, ich bin zersprungen, wieder einmal in so viele Teile und setze mich zusammen, gehe Baguette kaufen, weine noch mal zu Hause, habe Zeit, sammle mich und dann klingeln die ersten Gäste und ich lasse mich mitreißen und einhüllen in Liebe und Freundschaft, guten Gesprächen und Lachen und gutem Essen, ich tanke auf… es bringt mich durch den Tag. Ich schaffe das.

Und dann ist schon wieder heute und ich muss wieder zum Arzt. Ich bin stark, denke ich und dann sagt der andere Arzt: „Oh! SIE! Wirklich! Und sie sind schwanger!“- „Nein!“, muss ich sagen „Nicht so wie es sein sollte!“- „Warum sind sie heute hier?“ WARUM weiß er das nicht? Ich werde untersucht, erneut, wieso? Er spricht Klartext, das tut gut: „Nein! Mit dieser Schwangerschaft ist nichts in Ordnung! Sie bluten“- „Nein, noch nicht!“- „Innerlich und bald.“- „Nein nichts in Ordnung!“ Nach dem vierten Mal ist es kein Klartext mehr, die Worte haben meinen Schutzwall, meine Decke die mich wärmt durchdrungen. Zurück im Sprechzimmer sage ich, dass ich auf keinen Fall eine Ausschabung will, wenn es sich vermeiden lässt, wieso auch sollte das schon jetzt wirklich nötig sein? Dann in einer Woche noch mal wieder kommen. Erneut. Eine Woche Pause. Ich muss es fragen, ob die Blutung, das Wachsen verhindert hat… Er kann mich dahingehend beruhigen, immerhin- „Diese Schwangerschaft war von Anfang an nicht in Ordnung und deswegen, weil das passierte, ist da diese Einblutung.“ Ich atme verwundet. Ich will nur noch weg. Aber ich muss noch einmal Blutabnehmen, den Hormon- Wert vergleichen, ob sie schon zurück gehen, ob mein Körper tut was er soll, ob er verstanden hat. Ich kann nicht verstehen, warum mit Frauen in so einer Situation so umgegangen wird, warum Dinge geraten werden, für die noch Zeit ist… Warum ein Arzt nicht weiß, wen er vor sich hat, dass vielleicht Fingerspitzengefühl gefragt ist, und es ein oder zwei Mal reicht es laut und deutlich zu sagen und alle Hoffnungen zu zerschlagen, was wichtig ist, aber doch nicht so oft, warum es dafür keine Art Protokoll gibt, warum ich in diesem Zustand so lange warten muss, bis ich wieder gehen darf. All das lässt mich mich hilflos fühlen. Alles was mit gerade hilft, ist dass ich das alles schon erlebt habe. Und auch wenn noch nie genau so, weiß ich, was mit mir passiert. Ich halte mich an mich selbst, mein altes- Ich und mein jetzt- Ich stützen sich. Ich weiß wie ich mich fühle…
Ich laufe den Weg nach Hause, ein älterer Herr unterwegs ist nett und lächelt, das tut gut, ich versuche mich zusammen zu setzen. An der Tür hängt ein Zettel von meinem Mann, ein Herz und ein „Liebe euch“- ein Stück meiner Decke. Drinnen ist es warm. Teile meiner Feier gestern, weitere Aufmerksamkeiten, an denen ich mich festhalte, mich wärmen, mir zeigen, dass ich nicht allein bin, sondern geliebt und geschätzt werde… Ich schaffe das. Und warte… ich hab das geübt.

Alleiner

September 30th, 2017

Mir fehlt das Alleinsein, die Möglichkeit dazu. Nicht dass es nicht auch schön wäre, hier zu Hause angekommen zu sein und mehr durch Zufall liebe Menschen kurz zu treffen und hier und da ein paar nette Worte zu wechseln. Aber mir fehlt seit dem Heimkommen die Weite, der Raum, die Luft, die Distanz zu Menschen und Dingen, mein Blick ist immer gestört, meine Gedanken unterbrochen… wenn ich im Urlaub allein sein wollte, ging ich ins Wasser, dort war gegen Ende einfach niemand mehr, vielleicht hier und da ein Motorboot, aber sonst absolut nichts. Dieser Abstand zu allem fehlt mir, der Blick in die Ferne, die Freiheit meine Gedanken einfach fliegen zu lassen… in meinem Tempo. Wenn ich gehen musste, dann war ich so gut wie allein am Strand.
Wenn ich hier laufe, fehlt mir die Weite so sehr, noch immer zieht sich dabei in mir alles zusammen und als ich das erste Mal schwimmen war, fühlte ich mich (mehr noch durch die abgeklebten Fenster) eingeengt und bedrängt, 25 Meter zum Schwimmen sind nicht viel. Umringt von anderen Menschen, älteren Herrschaften, die nebeneinander schwimmen, vielen Menschen dicht an dicht und dem einen oder anderen Mann, der sich für Gottes schwimmendes Geschenk an die Menschheit hält… wenn man hier ins Wasser geht, lässt man sich auf den Moment ein, auf das was da ist und versucht dabei sein Tempo zu finden, wird gezwungen andere Wege zu nehmen, sich anzupassen, die Geschwindigkeit zu drosseln oder man findet jemanden, der einen mitzieht und anspornt schneller zu sein, manchmal bin ich beim Schwimmen einfach nur wütend und so genervt, während ich meine Bahnen ziehe und ein anderes Mal ganz bei mir und im Fluss, ich muss hier immer noch erst ankommen und mich auch darauf einstellen, dass ich weder allein (im Wasser) bin, noch irgendwohin sehen kann, zumindest nicht mehr nach draußen, was das Gefühl von eingesperrt sein und Enge noch verstärkt… mir fehlt das Alleinsein, mein Begleiter ist zur Zeit oft mein Kopfhörer, ein paar Seiten in einem Buch, mein Bett im Dunkeln, wenn die Kinder schon neben mir schlafen und in diesem einen Moment einfach nur alles zur Ruhe wird (bis jemand aufwacht)… ich versuche mich anzupassen… nicht so einfach im Moment, wenn meine Gedanken woanders sind und furchtbar laut werden, wenn es so still wird, aber mit manchen Dingen muss man sich auseinander setzen und versuchen nicht schon im Warten zu ertrinken…

Geschichte trifft Realität

September 24th, 2017

Ich lese gern Weltkriegsliteratur, hauptsächlich Romane- in verschiedenster Form. Ich verschlinge all das, seit Jahren, schon seit dem Jugendalter. Ich behalte jedes Detail, in meinem Kopf so viele Bilder, jedes gelesene Buch, wie ein kleines Puzzleteil, mit diesen vielen Teilen bekomme ich vielleicht unter Umständen an meinem Lebensende ein großes Bild zustande…

Und was mich gerade in diesem Jahr in den letzten zehn Büchern in Atem hielt, zusammen zucken ließ, ist die Zeit vor dem Krieg. Wenn alles sich nur allmählich zuspitzte, so langsam, wie viele Menschen nicht wirklich kommen sahen, was dann folgte.
Vielleicht waren da einige, die dachten in dieser wirtschaftlich wirklich miesen Zeit, da wäre endlich einer, der da was anpackt, endlich einer, der mal was verändern will, vielleicht. Das mit diesen antisemitischen Bemerkungen, kann er ja nicht allzu ernst meinen. Als der Einfluss wuchs und der pöbelnde, schreiende, braune Mob umher schlägerte, dachten so so viele Menschen, man solle ihnen einfach nur genügend Zeit lassen sich selbst zu entlarven, gib denen nur etwas Zeit und dann sind die weg vom Fenster, die könne man doch unmöglich ernst nehmen. Die würden sich nicht halten.
Zu jedem Zeitpunkt der Geschichte der Nazis, ob zu Beginn, mittendrin oder kurz vor Kriegsende, vielleicht sogar danach, dachten so viele, es könne ja nicht noch schlimmer kommen, aber das kam es! Immer! Nicht nur verprügelt, eingesperrt, bedroht, verjagt, unerwünscht, ausgeschlossen, mit Berufsverbot belegt, zusammengepfercht, misshandelt- „Die können uns doch schlecht alle umbringen!“- und „später“ wahrhaftig ermordet. Es gab unzählige Übergriffe, Enteignungen, das alles war so perfide, so ausgeklügelt, Flucht war irgendwann unmöglich.
Und auch die freie Meinungsäußerung der „Deutschen“ war nicht mehr möglich. Du bist ins Lager gekommen, wenn du Flugblätter gedruckt hast. Ist das heute ein Verbrechen? Kann nicht ein jeder (ungefragt und ungeniert) seine Meinung im Internet kundtun, ohne abgeholt zu werden?! Spenden wofür er will, ohne dafür verfolgt und eingesperrt zu werden? Gehen zu wem er wann will, ohne geächtet zu werden? Das ging damals nicht, und diese angeblich alternative Partei, die will genau dahin zurück! Die bedroht Menschen, verbietet ihnen den Mund und möchte sie nun verfolgen.
Ich war heute wählen. Und ich hatte Angst seit gestern und schlief schlecht. Ich wusste, nein ich ahnte viel mehr, mit klarem Blick, dass meine Filterblase, in der ich mich bewege und lebe, einfach zu gut war, denn wenn ich unter kritischen Posts im Netz die Kommentare las, wurde mir übel. Soviel Hass. Unverständnis, Blindheit und so wenig Weitblick.

Ich wohne in einer Stadt, in der eine große, bekannte, deutsche KZ- Mahn- und Gedenkstätte steht. In diesem KZ und auf dem Weg dorthin haben schätzungsweise etwa 41.500 Menschen ihr Leben verloren. Zwölf lange Jahre war es geöffnet und diente – vor allem in seinen Anfangsjahren, als die NSDAP ihre Macht festigen wollte – zur Inhaftierung und zur Abschreckung politisch Andersdenkender.
Als Ende letzter Woche eine Frau von Storch hier in dieser Stadt eine Rede halten durfte, war mir zum Übergeben. Wie kann so etwas möglich sein? Jemand der so menschenverachtend denkt, darf hier sprechen. In unserer Demokratie darf sie hier sprechen und strebt nach einer neuen Form der Diktatur, das ist absurd.

Ich kann nun natürlich den Kopf in den Sand stecken und jammern und so tun, als überrasche mich das Wahlergebnis, was es zum Teil natürlich trotzdem tut, aber ich werde weiterhin meine Kinder aufklären, all mein angelesenes Wissen mit ihnen teilen, ihnen erzählen und nichts auslassen, nichts beschönigen und demaskieren, und sie weiterhin zu weitsichtigen, mitfühlenden, klugen Menschen erziehen, die mit diesem Wissen und den Gedanken durchs Leben getragen werden und all das vielleicht an den richtigen Stellen teilen, so wie wir Eltern das tun.


Wir sind nicht stumm. Wir sind laut. Ehrlich, realitätsnah und menschlich. Und wir sind nicht allein.

Verbunden

September 12th, 2017

Als Verena von kindsknopf mich bat für ihr neues Blog den ersten Gastbeitrag zum Thema Attachment Parenting zu schreiben, war ich gleich Feuer und Flamme, aber auch total aufgeregt und hatte bis zuletzt ein klein wenig die Sorge, ob ich das so gut hinbekomme, wie ich das möchte… aber ich habs geschafft mir im Urlaub dafür Zeit zu nehmen und bin stolz und dankbar, dass ausgerechnet ich beginnen durfte…

Und dann ist er da, dieser Moment, ich bin erneut guter Hoffnung oder zum ersten Mal, ich habe unendliche viele Phantasien und Gedanken um das Leben mit diesem neuen Menschlein, das noch gut behütet unter meinem Herzen wohnt, umgeben von vielen Wünsche und vielleicht noch viel mehr Fragen… Während das Glück wächst, ich eine Verbindung zu unserem Bauchbaby in Liebe eingehe, wächst auch die Unsicherheit. Auf dem langen Weg bis ich es zum ersten Mal im Arm halte, halte ich auch den einen oder anderen Babyratgeber in der Hand. Unter Umständen taucht er da das erste Mal, dieser Begriff- Attachment Parenting oder kurz AP genannt- zu Deutsch: Bindungsorientierte Erziehung oder Bedürfnisorientierte Erziehung. In seinem Ursprung stand alles unter sieben Säulen, mein Kind nach der Geburt gleich sehen können, berühren, es anschauen, Zeit dafür nehmen, um eine Verbindung einzugehen, mein Kind stillen, es nahe bei mir tragen, gemeinsam in einem Bett schlafen, sein Weinen ernst zu nehmen und darauf einzugehen, keine Schlaftrainings anzuwenden und versuchen eine gute Balance zu finden zwischen den Bedürfnissen von mir als Mama und denen meines Babies. Es geht im Großen und Ganzen um Nähe, Vertrauen, Harmonie, Liebe und darum eine Bindung einzugehen, das fortzuführen, was wir zuvor hatten, als wir Eins waren. Denn mein Baby kommt auf die Welt und braucht mich genauso wie zuvor, es weint und macht auf sich aufmerksam, nicht weil es Dinge will, sondern weil es sie braucht. Mein Baby ist ein Bedürfniswesen. Und vielleicht kann unser Miteinander erleichtert werden, wenn ich mich meinem Baby zuwende, auf seine Signale achte und mit Feinfühligkeit versuche zu lesen, was es gerade braucht.

Und dann wird alle Theorie zur Wirklichkeit. Ich bin eine Mama. Möglicherweise merke ich schon im Krankenhaus- so ich da geboren habe,- dass mir verschiedene Krankenschwestern, Hebammen, Ärzte oder Putzfrauen völlig verschiedene Dinge mit auf den Weg geben wollen. Irgendwann bin ich zu Hause mit einem kleinen Bündel, es prasseln weitere liebevoll gemeinte Ratschläge auf uns ein, womöglich begleitet mit dem Satz „Du weißt schon was das Richtige ist!“, nur um im nächsten Moment nachdrücklich erläutert zu bekommen, was es der Meinung Dritter nach sein sollte. Also ich soll auf unseren Bauch hören? Doch im Kopf sind da schon so viele Stimmen, die ich gar nicht eingeladen habe. Vielleicht bin ich erschöpft von den letzten Tagen, von der Schwangerschaft und Geburt, zu verstehen, dass das kleine Wesen in meinem Arm genau das gleiche ist, zudem ich zuvor eine Bindung im Bauch hatte, kann einen Augenblick dauern, Zeit brauchen.
Gegebenenfalls muss ich mich von Geburtsverletzungen erholen, will so sehr stillen. Ich lasse das Kind immerzu an den Busen, damit die Milch einschießt, wie ich es noch im Kopf habe, aber mein Baby weint immerzu, weil es mehr braucht und noch nichts da ist. Mit jedem Tag, den die Milch auf sich warten lässt, werde ich müder und angestrengter, das merkt auch das kleine Wesen in meinen Armen und irgendwann kann es sein, dass vor lauter Kaputtsein, mein Baby, dass ich nur halten und kennenlernen und beschnuppern wollte, meinen Busen nur noch anschreit, während ich schon große Schmerzen nur beim Gedanken ans Anlegen habe und ich habe so viele Dinge im Kopf. Wörter, die ich noch nicht verstehe, Saugverwirrung, richtiges Anlegen, Kolostrum, die Vormilch, die eigentlich reichen sollte. Wieso aber reicht sie dann nicht, wieso weint mein Kind? Im Vordergrund steht das Baby, sein Bedürfnis irgendwann zu stillen. Ich gebe alles und vielleicht lasse ich in diesem Augenblick aus den Augen, dass es einen Mittelweg gibt, in dem ich als Mensch auch vorkomme. Vielleicht kann ich meinem Baby ohne großen herbei gesprochenen Schaden anzurichten, etwas anderes geben, eine Zuckerlösung oder eine Premilch aus der Packung. Es wäre ein Versuch wert zu schauen, ob ich so das Nuckeln und Saugen in größeren Abständen schaffe, damit mein Busen sich erholen kann, ich etwas abgeben kann von der Verantwortung und mein Säugling vielleicht schon einen Moment zufriedener sein kann- ein wenig Druck raus nehmen. Wenn ich mich darauf einlassen kann, beachte ich die Bedürfnisse von mir als Mama und meinem Kind.
Denn nicht nur jedes Kind ist anders, sondern ich werde auch jedem Kind eine andere Mama sein, weil ich mich im Wandel befinde und vielleicht in Kombination mit genau diesem Kind ganz automatisch vieles anders mache, als ich es zuvor dachte oder schon bei meinem ersten Kind getan habe.

Wenn ich also das erste Mal ein Kind bekomme, habe ich viele Jahre allein oder mit einem Partner gelebt, selbstbewusst entschieden, was ich wann wie mache und mit wem und geschaut, was ich möchte und oder brauche. Ich aß, schlief und ging ins Bad, wann ich wollte. Und nun ist da ein Wesen, was alles durcheinander wirbelt. Ich kann nicht mehr nur ich sein, ich gebe auf einen kleinen Menschen Acht, der mit seiner Geburt im wörtlichen Sinne nicht plötzlich auf eigenen Beinen steht. Ein kleiner Mensch, der völlig abhängig von mir ist, an dem ich und mit dem ich wachsen darf, so wie es mein Baby ganz selbstverständlich tut bis es viele Dinge allein kann und die Welt für sich auf eigenen Beinen entdeckt. Ein kleiner Mensch, den ich erstmal durchs Leben trage, ob zur Wickelkommode, aufs Sofa, in die Küche, in andere Arme oder im Tragetuch. Mein Baby ist in meinem Nest, das ich gemeinsam mit meinem Partner gestalte. Große Verantwortung und große Freiheit gehen Hand in Hand. Ich glaube viele Dinge, schaut man sich bei Anderen an und entscheidet dann mit einem Gefühl tief in einem selbst, ob man das gut findet oder es doch ganz anders machen möchte, weil es sich für uns nicht Richtig anfühlt. Dennoch bleibt oft eine Unsicherheit, weil ich nur das Beste möchte, aber kann ich das geben? Bin ich meinem Kind die Mutter, die ich sein will? Bin ich gut genug?

Bei all diesen Fragen wächst das schlechte Gewissen, wenn ich Dinge möchte, die ich für mich als wichtig erachte, aber nicht geben kann. Was wenn ich eine Frühgeburt hatte und meinem Kind nicht diese erste wichtige Nestwärme geben konnte, dieses erste Bonding, wenn ich mein Kind erst wenige Stunden oder Tage das erste Mal sah, wenn ich auf Grund einer traumatischen Geburt keinen leichten Start ins Muttersein hatte, wenn ich nicht stillen kann oder möchte, wenn ich nicht 24 Stunden am Tag mit meinem Kind zusammen sein kann, wenn mich dessen Bedürftigkeit überwältigt oder überfordert, wenn es immerzu schreit und ich nur noch weglaufen will, wenn ich mein Bestes tue und es dennoch nicht aufhört zu weinen und ich kaum Schlaf finde oder wenn ich keinen Schlaf finde, wenn mein Kind in meinen Armen oder in meinem Bett liegt und ich nur noch immer müder werde, wenn ich mit dem Tragetuch oder den Tragehilfen nicht zurecht komme, wenn mein Kind schreit anstatt sich wie ich es auf vielen Fotos gesehen habe, nicht wohlig und geborgen an mich schmiegt? Wieso sieht das bei allen immer so leicht aus und dabei ist es das für mich doch gar nicht so? Wieso lese ich nur von noch mehr Richtigem: selbstbestimmten Geburten, Einschlafstillen (Breastsleeping), Stillen nach Bedarf (Clusterfeeding), selbstgekochter veganer Ernährung für Babies, babybestimmter Stillentwöhnung (Baby-led Weaning), Stoffwindeln oder Windelfrei, heraus geschobenem Impfen, Fremdbetreuung erst ab drei Jahren, unerzogen, aber all das in sicherer Bindung… Wie soll ich da auf meinen Bauch hören, wenn mein Kopf so voll ist? Wie soll ich in alledem einen Weg finden, der für UNS der Richtige ist? Ist dieses AP am Ende die totale Selbstaufgabe?
Was also oft bei diesem Idealen verloren geht, finde ich, ist die Realität. Das man das nicht immer schafft, was man sich in Gedanken ausgemalt hat, weil man ein Mensch ist und wer schreibt oder erzählt schon gern darüber, dass man das (Geschwister-) Kind ordentlich zur Schnecke gemacht hat, vor Wut stampfend das Haus verlassen hat, oder aus dem Zimmer weg vom weinenden Baby gehen musste, weil man sich durch und durch überfordert fühlte? Nicht weil man diese Informationen anderen gern vorenthält, wie es vielen Elternblogs oft gern zum Vorwurf gemacht wird, sondern auch weil man sich vielleicht selbst nicht unbedingt an diese Sternstunden des Elternseins erinnern möchte, sondern lieber die guten Momente festhalten möchte. Oder weil man ganz simpel nur durch Ausprobieren erleben kann, was man leisten kann, was einem gut tut oder was gar nicht funktioniert. Es geht also meiner Meinung nicht nur darum, nur das augenscheinlich Richtige zu tun, sondern mit der Zeit nachzuspüren, was das Richtige für sich selbst sein könnte, wo die eigenen Grenzen sind, weg vom Gefühl etwas falsch zu machen, denn die meisten Eltern wollen ihrem Kind nicht schaden!

Ich kann mir überlegen und ausprobieren, was für mich machbar und wichtig ist und mir von all diesen vielen Möglichkeiten und Idealen das heraus suchen, was mir unerlässlich erscheint. In meinem Fall was es das Tragen, das Familienbett, das Stillen nach Bedarf und das Einschlafstillen. Was mir natürlich auch enorm viel abverlangt, aber es ist mir zu wichtig. So muss ich damit leben, dass meine kleine Tochter nach wie vor nur mich am Abend braucht. Sie ist es so gewöhnt, ich kann ihr das nicht einfach (nicht mal tageweise) wegnehmen, weil ich am Abend mal eine Verabredung habe, denn ich bin mit ihr diese eine Verbindung eingegangen. Sollte ich an dem Punkt kommen, an dem es für mich nicht mehr tragbar sein sollte, werde ich langsam Entwöhnen oder sie möchte von sich aus irgendwann nicht mehr das, was sie jetzt noch so dringend braucht. Wenn sie mich abends mehrmals ruft, nicht in den Schlaf zurück findet und mich mit geschlossenen Augen im großen Bett sucht, sehe ich das sie das nicht tut, um mich verärgert vom Sofa zu holen, sondern weil sie nicht anders kann und obwohl es Abende oder Nächte gibt, an denen es mir weitaus schwerer fällt, ihr das zu geben, halte ich daran fest. Auch wenn das bedeutet, dass ich noch nicht am Abend mit Freundinnen ausgehen kann. Wenn ich schreibe, dass es um die Bedürfnisse von Baby und Mama geht, dann meine ich, dass ich in diesem Fall natürlich abends nicht ausgehe, weil ich auf meine Tochter Acht gebe, aber ich gebe auch auf mich acht. Ich warte nicht einfach bis ich wieder abends ausgehen kann, sondern ich finde einen Kompromiss, ich treffe mich am Vormittag zum Frühstück oder Brunch, lade zu mir ein, am Nachmittag oder gehe dann eher aus um rechtzeitig zum Insbettbringen wieder zurück zu sein oder als sie klein war, nahm ich sie eben mit, was mittlerweile einfach nicht mehr gut für ins funktioniert. Das ist nicht immer einfach für mich, es hageln Blicke oder Kommentare, die mich sicherlich hier und da verletzten und traurig machen. Aber ich bleibe bei mir, es ist für mich der beste Weg ihre und meine Bedürfnisse zu achten…

Als mein Mann feststellte, dass der Begriff AP doch sehr schwammig ist und nicht so leicht zu fassen, schließlich geht es im Grunde nur darum eine sichere Bindung aufzubauen, hielt ich inne und sagte zu ihm: Eigentlich geht es doch nur darum, dass das Baby (und die Mama genauso) nichts mit Absicht tut. Es schreit nicht zwei Stunden nach der letzten Stillmahlzeit, weil es uns ärgern will und nicht weiß, dass es ganze vier Stunden warten soll, es schreckt nicht hoch aus dem Schlaf, wenn wir es ablegen, weil es uns das Durchatmen, Duschen oder Entspannen der Schultermuskeln nicht gönnt, es möchte unterbewusst nicht vergessen werde, es ängstigt sich, wenn es nur wenige Tage alt, nach rund vierzig Wochen immer zusammen sein, allein sein soll ohne unsere Stimme, unseren Herzschlag und unsere Wärme, um die es vorher nicht bitten musste, nicht danach weinen musste. Es kannte weder Hunger, noch allein sein und nun soll es da auch mal liegen, doch das muss es erst lernen, dafür sollte es Monate Zeit haben, so wie es Monate Zeit hatte sich daran zu gewöhnen, dass wir eine Einheit sind. So wie wir lernen, langsam loszulassen und die innige Verbindung mit unserem Kind langsam zu lösen, darf ich mir und meinem Baby dafür Zeit lassen aus einer Symbiose zwei Wesen werden zu lassen, in dem ich achtsam schaue, wie es mir und meinem Baby dabei geht…

Als ich über diese Zeilen hier stolperte und dachte, welch große Verantwortung doch darin liegt ein paar gute Zeilen mit ins Elterndasein zu geben, kam mein kleinster Sohn zu mir und meiner kleinen Tochter ins Bett, er sollte leise sein, um sie nicht zu wecken und er ließ sich mit riesigen Kulleraugen und diesem Schalk im Blick nach hinten voller Schwung in sein Kissen plumpsen und schaute mich dann mit großen, lachenden Augen erwartungsvoll an… Und ich grinste zurück, was ein Spaß sich einfach mal fallen zu lassen, das Strahlen in seinen Augen und auch in meinen, es geht nicht nur um Liebe, Nähe, Vertrauen, Harmonie, sondern auch im Spaß… mir geht es als Mama am Besten, wenn ich Freude daran habe, was ich tue, in der Zeit, die ich mit den Kindern verbringe, wenn wir Blödsinn machen, alles müssen und sollen einfach mal liegen bleiben kann und Zeit ist gemeinsam zu kichern…

Wie ein flüssiger Himmel

September 1st, 2017

Ich stolpere ungelenk über die vielen Steine im Sand, die ich überwinden muss, um ins Wasser zu kommen… mit jedem Schritt werden es weniger, die Schritte fallen mir leichter, aber die Kälte nimmt zu, mit jedem Schritt steigt das Wasser höher… ich zögere nicht, ich bin die Kälte gewöhnt, ich schreite zügig voran bis Knie, Hüfte, Ellenbogen, Bauchnabel, Brust und Schultern bedeckt sind und in dem Augenblick breite ich schon meine Arme aus… und bin schwerelos… hinter mir das Ufer, die Stimmen werden leiser mit jedem Zug, mit jedem Atemzug werde ich ruhiger und schwimme zur Sandbank, dem Horizont entgegen ins Nichts… zu Niemanden… als wäre die Welt endlich… würde man nur immer weiter schwimmen… das Wasser ist ruhig…unter mir verändert sich die Farbe von dunkelstem Grün und wird immer heller, leichter… und klarer, der hellblaue Himmel spiegelt sich darin auf der Wasseroberfläche und es sieht aus, denke ich in diesem einen Augenblick, wie ein flüssiger Himmel…

Umspült…

August 26th, 2017

Manchmal ist da diese Enge, zugeschnürt sein, gepackt und eingezwängt zwischen Müssen und Sollen. Dann bekomme ich keine Luft mehr und fühle dank der Hilflosigkeit und dem sich ausgeliefert fühlen nur noch Wut aufsteigen… Ich fühle mich dann wie umher geworfen zwischen den Wellen, als hätte ich keinen Einfluss mehr darauf, was mit mir geschieht, nur passiv teilnehmend… Was natürlich nicht stimmt. Passiert doch ein Großteil der Dinge mit mir, weil ich sie genauso und nicht anders haben möchte…
Wird es mit zunehmenden Alter so, dass ich mehr Zeit und Raum für mich brauche oder durch die Anzahl der Kinder? Dabei bilde ich mir ein soviel Zeit zu haben, wie noch nie, die ich mir nehme, was natürlich auch nur bedingt stimmt, denn die Zeit, die ich mir nehme ist auch nur ein Bruchteil von allem, heraus gerissen aus dem Alltag zwischen nassen Haaren an der Bushaltestelle, ein paar wenigen Bahnen im Wasser, nur um schnell zurück zu sein und ein kleines Mädchen in den Schlaf zu stillen, das mich braucht. Oder anders formuliert, die Nähe, die ich hier geben möchte… nachdem ich so gebangt hatte um unsere Stillbeziehung und sie von sich aus schon so eingeschrumpft ist, möchte ich sie uns noch bewahren so lange es geht… so lange ich nicht total verrückt werde nachts immerzu geweckt zu werden, an manchen wenigen Nächten gar nicht und in anderen viel zu oft. Aber immerzu ist alles nur heraus gerissen aus dem Alltag, nur kurz hier und dorthin… ein kleiner Augenblick, ehe es mich nach Hause zieht, wo ich hingehöre… Es gab Monate in denen es mich nicht störte, in denen ich abends unsere kleine Tochter mitnahm oder im Eilschritt nach Hause raste um wieder dazusein, bevor Zelda mit ihrem Greinen ihren nächstälteren Bruder zuverlässig aufwecken würde… und wenn man seine Kinder liebt und sich in den geliebten Ehemann hinein versetzt, gibt man alles um nur schnell genug zu sein… dann ist da dieser Neid, auf einen Mann, der zwar immer Rücksicht nimmt, aber frei ist, viel freier scheint, als man es selbst ist… ein Mann der wirklich viel mit anpackt und einem dennoch mit vielem allein lässt oder lassen muss, ein Mann um den mich viele beneiden und der wenn man von ihm erzählt immer empor gehoben und beklatscht wird, weil er tut, was er ja nicht muss… weil er macht, obwohl… ja was eigentlich? Obwohl er nicht muss?!… aber muss ich? Wieso gibt es für Mütter kein beklatschtes „obwohl“? Ich bin forsch und laut und frech, würde man wohl sagen, wenn man mich hören würde wie vehement ich meine Bedürfnisse diesem Mann gegenüber äußere, ich sehe mich zumindest meinem Ehemann gegenüber emanzipiert… gleichberechtigt, zumindest zu großen Teilen, vielleicht nicht ums Stillen, auch wenn ich unterwegs vielleicht eher eine zurückhaltende Person bin, die leise daher nuschelt, was sie möchte oder eben nicht… oder schon mitten in der Aggression ist, wenn das nicht wahrgenommen werden droht…
Ich erinnere mich an ein Gespräch vor Kurzem an der Bushaltestelle, es war etwas skurril, aber es ging dann in eine Richtung, die mir immer wieder trotz all der Jahre Unbehagen bereitet… „Was machen Sie denn beruflich?“ war die Frage… ich wich aus und erwiderte natürlich nichts, schließlich hätte ich genug zu tun, aber mein Gegenüber hatte nicht locker gelassen und gemeint, aber früher irgendwann muss ich doch etwas gelernt haben und da log ich, weil ich es so müde bin, ich log dieser mir völlig Wildfremden gegenüber und sagte etwas nahe liegendes auf Grund der ausbildenden Jahre und meiner reichlichen Praktika, ich wäre Erzieherin. „Na, sehen Sie!“ war die erleichterte Antwort gewesen, „Nun tun sie zu Hause, was sie gelernt haben!“ Ja… Wäre ich ein besserer Mensch, würde ich zwanzig Stunden in der Woche irgendeiner mit Familie vereinbarenden Arbeit nachgehen, wenn ich rennen und hechten würde zwischen meiner Familie und meinem Beruf? Welcher Beruf wäre es? Etwas Tolles? Ehrbares? Oder doch nur ein kleiner Nebenverdienst? Würde mich das in dieser Gesellschaft immer noch zu einem wichtigerem Menschen machen? Ich bin es müde. Und dennoch… tue ich wertvolle Arbeit genug? Reicht MIR das, was ich tue? Was fehlt mir? Frage ich mich, wenn ich meinen Gedanken nachhängend am Strand entlang spaziere und mir der Wind um das Gesicht weht…
Meine beste Zeit hatte mein Blog vor den Fehlgeburten, ich war offen, ab und an witzig, spontan, sehr dabei und das alles endete dort und zwar abrupt, nicht weil ich nach etwas Zeit all das nicht mehr war… Dennoch bin ich hier ab und zu- und doch zu wenig, verpasse Jahrestage wie unseren fünfzehnten Jahrestag, die Geburtstage meiner Kinder, die ich früher liebevoll und eifrig beschrieb… (Natürlich gibt es da heute auch ganz andere zu nutzende Medien und ich gehe mit der Zeit und was mir gut tut, dennoch bleibt da dieses Gefühl, nicht genug zu tun, zu schaffen, kreieren oder zu erreichen,, nicht genug…) Höhen und Tiefen und Lustiges und Tiefsinniges festhielt… weil da auch Zeit war und Ruhe… und die fehlt, so sehr… das es mir heute genau in diesem Moment, die Brust zusammen zieht… weil sich soviel verändert und doch wieder nicht… weil wir nicht älter mit unseren Kindern werden, wie in anderen Familien, wo man gemeinsam immer länger schläft und gemeinsam später ins Bett geht, hier läuft alles in Extreme immer weiter und zwar zu beiden Enden… gut okay, die Kinder stehen nicht wirklich früher auf als damals, aber sie bleiben länger auf… wir nehmen uns Zeit und doch bleibt nicht genug, wenn die Kleinen schlafen, noch eine kleine Runde und noch hier ein Kuss und da ein Gute Nacht Wunsch und dort ein Mückenstich und hier ein Albtraum oder eine Bitte, eine Erinnerung, ein kleines Problem für das tagsüber keine Zeit blieb und schon ist es 22Uhr… und man sieht sie dahin rinnen die Zeit zwischen den Fingern… nutzt die davor so oft sinnvoll mit Lesen im Bett, während man Kinderhände hält, wartet bis das tiefen Schlafseufzen beginnt… damit ein Moment zum Luft holen greifbarer wird… wenn es still wird, sieben kleine Stimmen verebben, die zu mir wehen, die des Mannes dazu und das eigene Bedürfnisserufen etwas leiser wird, bis neun Seelen unter einem Dach stiller werden so lange… bis man wieder aus den Gedanken, der Serie, der Seite, dem Gespräch, der Wäsche geholt wird, weil ein kleiner oder großer Mensch aufgewacht ist…
Heute Abend ist mir das Herz schwer… ich habe im Urlaub Zeit für das Schöne und Wundervolle, zum Staunen, zum Wahrnehmen und Nachspüren, Zeit zum Lesen, Zeit zum Luft holen, raus gehen, schwimmen mit etwas weniger Zeitdruck, trotzdem gerahmt von Pflichten… etwas Zeit um den Gedanken zu lauschen und Gefühlen auf den Grund zu gehen… Gefühle die immer zu da sind, die aber oft nur in Gedanken geschrieben werden oder geflüstert in den Wind und von dort fortgetragen…

Ein Spaziergang mit mir…

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Bei uns ist jeden Tag irgendwie Kindergeburtstag

Juli 29th, 2017

Ding- Dong… mehrmals hintereinander klingelt es an der Türe: eines unserer Kinder geht mit einem anderen Kind weg und kommt kurze Zeit später schon wieder zurück, also ein Kind mehr hier, ein weiteres Kind klingelt und ist mit einem unserer Kind hier verabredet, ein drittes Kind klingelt, man sammelt sich hier, weil sie gleich zu einem Kindergeburtstag abgeholt werden… Also 10 Kinder im Haus, einfach so… ohne Nervenzusammenbruch :) Und dann klingelt es wieder: noch ein Geburtstagsgast und der Gastgeber sind gleichzeitig gekommen… wir übergeben alle… sie fahren los und der Mann sagt: „Die fahren jetzt mit neun Kindern zum Klettern! Da würde ich jetzt nicht tauschen wollen!“, dreht sich um geht ins Haus zurück und sagt: „Hey! Moment, wir haben ja jetzt auch neun Kinder hier!“ :P (Stimmt nicht ganz, ein Kind ist nun mit zum Klettern, aber ich musste sooo lachen!)

Sieh genau hin, da ist so viel mehr…

Juli 23rd, 2017

Als ich am Donnerstag zum Kindergarten raste, schwer beladen mit Zelda, Anton vor mir herschiebend und tausenddrölzig eingekauften Sachen im und um den Kinderwagen, der Infekt am Kommen, die Sonne am Scheinen, ich viel zu spät, schon im Kindergarten angerufen, um Druck raus zu nehmen, nachher müsste ich eh noch zur Schule mit Mitbringsel und wollte mich hier einfach nur noch irgendwo hinsetzen und nie mehr aufstehen, traf ich eine liebe Kindergarten- Mama, die nun mit zweitem Kind wieder zurück in den Kindergarten kommt, also im September mit der Eingewöhnung beginnen wird, wie wir auch… und ich hab mich so gefreut sie zu sehen und blieben beide stehen und nahmen uns die Zeit, einfach einen Moment zu quatschen…
Ihre Tochter ist gerade krank und sie meinte, sie wären daher zur Zeit nicht untraurig in quasi Quarantäne, wären ganz bei sich, mit einander und beim Gehen, jeder seiner Wege, hat sie mich ermutigt wieder zu schreiben, das tue ich hiermit :)

Diese Worte hab ich mitgenommen und auch wenn es mir am Freitag und gestern noch schlechter ging, gab es da diese Momente… das Spielen am Freitag Nachmittag mit meiner Großen ganz allein, das Arbeiten in der Schule am Samstag Vormittag mit dem Zweitgrößten und seine Abschiedsaufführung, das Ankuscheln meiner kleinen Tochter mitten in der Nacht, ist sie selbst doch krank… dieser Moment, als mein kleiner Sohn gestern eingeschlafen war und ich dachte, ja hier sind wir, darum gehts, um euch… um diese Zeit, um das Zusammensein, also hab ich heute das doofe Handy abends weg gelegt beim Einschlafksucheln und das Buch rausgeholt, meinen Arm ums Kind gelegt und ihn gestreichelt und schwups weg war er… ich glaube, in diesem ganzen Quark, diesen ganzen Parties und Verpflichtungen, dem Gerenne und Besorgen geht genau das Verloren, für wen ich da renne und besorge… und egal wie viel ich schon abgespeckt und gestrichen und versucht habe, es mir, uns leichter zu machen… es hat trotzdem nicht gereicht.

Gestern war hier Straßenfest und ich wollte und konnte nicht mehr, nach fünf Stunden auf den Beinen beim Abschied, dann die Spannung, das Basteln und Proben vorher, die Gespräche zwischendrin und Gefühle, die da durcheinander flogen, ich konnte so richtig spüren wie alle Anspannung aus mir entwich und alle letzte Energie, als ich dieses Fest verließ und dann fast eine halbe Stunde zum Bahnhof mit meinem Kind lief… ich war zu Hause dann so ko, so glücklich und dankbar, stolz aber auch ausgelaugt, dann traurig und einfach nur noch krank, ich wollte nur hier und da einen Moment für mich erhaschen zwischen Tür auf und Tür zu der Kinder, die sich so sehr auf dieses Straßenfest gefreut haben… ich war bedrückt, weil nur wieder gefühlt meine Kinder rein mussten, während draußen noch groß weiter gefeiert wurde bis in die Nacht hinein… Und heute? Heute haben wir spät gefrühstückt und dann irgendwann Waffeln gegessen, etwas den Keller aufgeräumt, Wäsche gemacht und neben dem üblichen Haushalt, Harry Potter geschaut und gegrillt, gelacht und waren einfach nur wir zusammen ohne alles. Das tat so unglaublich gut! Und dann merke ich wieder was wir für tolle, humorvolle, intelligente und wunderschöne Kinder wir haben… die klar auch mal nerven, wir sie auch, das können wir echt gut, aber man hat endlich wieder mal die Kraft, die Augenlider ganz zu öffnen und genau hinzusehen… davon brauche ich in dieser letzten Woche noch so viel mehr… diesen Moment genau hinzuschauen…

Ring ring…

Juli 14th, 2017

Wann hat das eigentlich angefangen, dass die Kinder nur kurz anrufen mit einem fremden Handy, weil ihres zu Haus geblieben war, um mir mitzuteilen, dass sie nicht nach Hause kommen nach der Schule, sondern gleich mit einem Freund mitfahren und mit der SBahn später Heim kommen?
Wo sind denn diese seltsamen Telefonate hin mit „Hallo, ich bin die Mutter von 123, mein Kind möchte sich gern mal mit deinem Kind zum Spielen verabreden?!…“