Ausgesäuert

Mai 13th, 2015

Der kleine Kobold und ich haben Streit, er mag gar nicht duschen, ich irgendwie schon, denn ich habe noch sooo viel zu tun. Unsere Meinungsverschiedenheit endet im Zimmer von Tom und Ben, wo sich das Kind verschanzt. Nachdem ich abgekühlt bin und mich ärgere, weil ich versucht habe, dass Kind gegen seinen Willen dazu zu bringen kurz in die Wanne zu hüpfen und augenscheinlich mein sauberes Ziel nicht erreicht habe, gehe ich hoch doch noch mal gucken, denn es ist so verdammt still und da weiß man ja immer noch so genau :) Als ich ins Zimmer komme:

Emil: “Mama! Wo warst du denn?!”
Ich: “Wo warst du denn?”
Emil: “Na, hiiier!”
Ich: “Ja. Du warst sauer, weißt du noch?”
Emil: “Ja, aber jetzt bin ich wieder Email.”

Auch Muttertag

Mai 10th, 2015

Ein Tag, der ambivalente Gefühle in mir rührt. In den letzten Tagen habe ich versucht den Kindern zu sagen, dass sie mir nichts schenken müssen und auch heute morgen sagte ich noch, sie seien das größte Geschenk, denn ohne sie, auch ohne den Mann, wäre ich gar keine Mama. (Ich bekam natürlich trotzdem ganz viele süße, liebevolle und zauberhafte Geschenke, aber unsere Kinder basteln uns öfter solche schönen Dinge, auch zwischendrin.)

Blumenstrauß

Ich denke heute an all die lieben Mütter um mich herum, die es seit Jahren sind oder gerade werden. Und ich denke auch an meine Oma, die ich vor drei Jahren anrief und der es schon so schlecht ging. Auch wenn ich es damals nicht notiert habe, sagte ich ihr in meiner Erinnerung, dass sie sich Hilfe holen soll, wenn es nicht mehr geht und sie das nicht allein aushalten muss, sie konnte kaum noch selbst essen und trinken. Das muss sie getan haben, denn damals fuhr ich nur wenige Tage später zögerlich in der 35. Schwangerschaftswoche nach Berlin und besuchte sie mit meinem Mann und all meinen Kindern und dickem Bauch im Krankenhaus, dank meines Vaters, der uns in kleinen Gruppen hinfuhr. Ich sprach mit meinem Vater über ein Hospiz und musste erleben, wie meine Oma auf meinen Bauch zeigte und sagte, wir hätten jetzt beide so einen dicken Bauch- in meinem wuchs das Leben, in ihrem der Tod. Sie muss unglaubliche Schmerzen gehabt haben und sie hatte Angst. Nebenher war die Sorge so unheimlich groß, weil meine Nichte zu früh und mit Problemen auf die Welt gekommen war und noch auf der Neo lag, die ich dort einmal besuchen durfte. Mit mulmigen Gefühl fuhr ich nach kurzer Zeit mit meiner Familie zurück nach Hause und wurde schon auf der langen Zugfahrt krank.
Und nur wenige Tage nach unserer Rückkehr, nur mehr ein oder zwei Tage nach ihrer Ankunft im Hospiz starb meine Oma, nicht einmal einen Monat nach unserem Telefonat am Muttertag. Daran denke ich heute auch, ich vermisse sie sehr.

Davor, danach und mittendrin

Mai 5th, 2015

In den vergangenen Wochen drehte sich für mich alles ums Abstillen und den Start der Basistherapie. Jetzt wo die Tabletten beinahe in meinen Händen liegen, habe ich so unglaublich große Angst vor den Nebenwirkungen. Vielleicht hat das Röntgen meiner Lunge nicht gerade zur Entspannung beigetragen. Ich möchte weder die Palette der leichten und häufigen Nebenwirkungen, noch die seltenen ganz Schlimmen. Ich möchte gar keine.
Ich wollte diese Medikamente so sehr und nun, nachdem dieser Berg des Abstillens bezwungen ist, nicht ohne doch noch einmal einen Milchstau durch stehen zu müssen, ist da dieser Basistherapie- Berg. Diese Ungewissheit, die noch vor Tagen ein Segen war, macht mir nun also Angst. Wird sie helfen und zu welchem Preis? Wieder einmal fühle ich mich verletzlich und nackig. Da ist wieder die Angst, dass mir etwas passieren könnte, ich meine Kinder im Stich lasse. All das sind Dinge, die ich nicht im Geringsten beeinflussen kann. Ich hab keine Wahl, kann es nur probieren und das Beste hoffen, alles wieder einmal alternativlos. Ich versuche also mein verängstigtes Ich etwas beiseite zu schieben und nach der Hoffnung zu greifen und dieser Zuversicht.

Wenn Sie also mögen, dürfen Sie ab Mitte/ Ende dieser Woche an mich denken und damit bitte die nächsten Wochen erstmal nicht aufhören! DANKE! <3

————–

schrieb ich… Und dann kam der Anruf meiner Ärztin. Meine Entzündungswerte sind gerade durch meine Erkältung(?) so schlecht, dass ich die erst noch einmal abklären lassen muss durch den Hausarzt, bevor ich mit den Tabletten beginne und wenn die Werte nicht besser werden, muss noch einmal eine antibiotische Therapie gemacht werden.
So zieht sich alles in die Länge, meine Ängste werden nicht weniger und hach ja nun…

Fliegende Zeit

Mai 1st, 2015

Gestern Nachmittag hatte ich drei Freundinnen eingeladen. In den letzten Wochen hatten wir es abends nicht geschafft uns ohne Kinder zu treffen und so lud ich ein, damit wir uns überhaupt mal wieder sehen konnten. Darauf hatte ich mich total gefreut, meiner Seele tut das immer so gut. Aber etwas war anders…
Zwei der Frauen, habe ich im Kindergarten kennen gelernt, also vor bald acht Jahren. Ich hatte mich damals schwanger mit dem dritten Kind mit einer Mama angefreundet, deren Sohn immer mit unserer Tochter spielte. Beide hatten wir unheimliches Glück gehabt, in diesem Jahr noch einen Kindergartenplatz bekommen zu haben, denn unser beider Kinder wurden im Jahr erst 3 Jahre alt, Zoe im November und ihr Sohn Ende Dezember. Wir Mütter waren total verschieden, aber uns gleich sympathisch. Was Seelenbalsam für mich war, denn bis dahin tat ich mich als sehr junge Mama noch schwer Kontakte zu knüpfen. Im Dezember zur Weihnachtsfeier lernte ich ihre Freundin kennen, ihre beiden älteren Jungs aus dem Kindergarten waren miteinander befreundet und sie kannten sich schon etwas länger. Besagte Freundin von ihr, war ebenfalls schwanger und unsere Söhne wurden Monate später auf den Tag genau einen Monat nach einander geboren.
Als Kindergartenmamas waren wir flexibel. Es kam so oft vor, dass wir am Nachmittag in der Garderobe beschlossen den Nachmittag zusammen zu verbringen, da saßen wir dann umringt von spielenden Kindern bei Kaffee und Keksen oder im Sommer und Frühling mit Erdbeeren, Melone und Kirschen :) Es war eine Zeit, an die ich mich so gern erinnere.
Je älter die Kinder wurden, je mehr Schulkinder wir hatten, desto weniger sahen wir uns am Nachmittag und begannen uns abends regelmässig zu treffen. Dazu stieß dann eine weitere Freundin der beiden aus dem Kindergarten, die ich auch ins Herz schloss und deren Tochter auch für ein halbes Jahr mein Tageskind wurde. Das Ende meiner Arbeit gab unserer Freundschaft glücklicher Weise keinen Riss.
Hin und wieder versuchen wir doch uns am Nachmittag mit den Kindern zu sehen. Wie zum Beispiel an meinem Geburtstag im letzten Jahr, dann kommen wir auf 13 Kinder. Wir sind ganz klar in der Unterzahl. :)

Früher

Meine lange Vorrede ist nötig um zu beschreiben, was sich da tut, immer öfter treffen wir uns vielleicht mal am Nachmittag, aber nicht alle Kinder sind dabei. So kamen gestern nur drei andere Kinder, vier fehlten. Unserer Kinder werden selbstständiger und verbringen ihre Nachmittage nicht wie früher bei Freundinnen der Mama, sondern lieber bei ihren Freunden. Völlig losgelöst. Daran erinnernd wie unsere Freundschaft begann, mit einem Häufchen von kleinen Kindern ist das doch Besonders. Beinahe ein Geschenk, all das Miteinander teilen zu können und daran zu wachsen, sich austauschen zu können, Ängste durch zu stehen, gemeinsam zu trauern, zu hoffen, zu jammern, zu lachen und feiern, weiter an einander festzuhalten. Ich liebe das. Hoffentlich darf ich noch viele Jahre ein Teil davon sein.

Märchengarten

April 30th, 2015

Schnell zwischen dunklen Wolken und Regenschauern die Sonnenstrahlen genutzt und noch ein paar Fotos gemacht. Unterm voll bewachsenem und blühendem Bogen zum Gartenhaus zu stehen, hat schon etwas Magisches. Das Graue weicht und überall zeigen sich die schönsten Farben.

Je Verwunschener alles aussieht, je mehr wächst und blüht, je mehr Farben sich zeigen im Licht der Sonne, umso besser <3

Ent-stillt

April 27th, 2015

Voller Freude schrieb ich letztes Jahr im Sommerurlaub, dass ich drei Kindern die Flasche gegeben und drei gestillt hätte oder stillen würde, mitten aus der Arztbesuchszeit- immer war irgendwas und ich zweifelte schon langsam an mir. Ich erinnere mich auch an einen laut gedachten Gedanken, wie lange ich wohl dieses Kind stillen würde. Bei Ben waren es ungefähr 14 Monate, wenn ich mich richtig erinnere, bei Emil knapp 18 Monate- beide Male hatte ich nur abgestillt, weil ich wieder schwanger war, auch wenn die Schwangerschaft nach Bens Abstillen leider nicht mit einem Baby im Arm endete, sondern im Herzen. Insgeheim hoffte ich, Anton und ich hätten noch einmal mehr Zeit zum Stillen, als ich sie schon mit beiden Geschwistern gehabt hatte, es wurden aber nicht einmal neun Monate.
Am Ende des letzten Jahres dann hatte ich nur den einen Wunsch: Nicht wieder so oft beim Zahnarzt meine Zeit verbringen zu müssen wie in 2014! Und tatsächlich, beim Zahnarzt war ich nun Ende April diesen Jahres noch gar nicht…
Stattdessen ärgerte ich mich über meinen schmerzenden Arm, mein Ohr und meinen Senk- Spreiz- Plattfuß, der einfach nicht besser wurde trotz der vorbildlich getragenen Einlagen, deswegen vereinbarte ich einen weiteren Termin beim Orthopäden Ende Januar. Genau an diesem Morgen erwachte ich mit einem sehr schmerzenden Knie. “Schicksal”, dachte ich noch und erhoffte mir nicht viel von diesem Termin, vielleicht war ich deswegen wie vor den Kopf gestoßen, als da plötzlich Verdachte wie Gicht oder rheumatische Arthritis im Raum standen, aber all das war ergebnisoffen, wie der Arzt bekannt gab. Der Orthopäde war wirklich sehr barsch, unfreundlich und sichtlich irritiert warum ich nicht freiwillig sofort abstillen würde wollen, obwohl ich offensichtlich Schmerzen hatte. Genau genommen sagte er mir, sechs Wochen stillen würden eigentlich wirklich immer reichen, dann hätte das Kind alles, was es braucht schon bekommen. Auch die Arzthelferin meinte noch wohlwollend lieber jetzt mit fünf, sechs Monaten abstillen, als zu spät, dann hätten die Kinder sich schon so daran gewöhnt- so jedenfalls könne der Orthopäde gar nichts gegen meine Schmerzen tun. Er punktierte mein Knie, schickte Blut und Wasser zur Diagnostik ein und mich nach Hause, wo ich völlig durch den Wind ankam. Ich war emotional so durch geschüttelt, fühlte mich wie einmal durch den Mixer gedreht. Sofort abstillen wollte ich ohne gefestigte Diagnose nicht. Wie sollte das auch gehen? Was würde das für mich bedeuten? Was war mit meinen Plänen? Meinen Wünschen? Kann ich bald wieder normal laufen? Werde ich je wieder Kinder bekommen können? Was würde nun mit mir passieren? Was bedeutet das alles für mich?

Erst war mein Knie nach der Punktion beweglicher, dank der entnommenen Flüssigkeit. Nur wenige Stunden später war mein Knie so dick, dass ich so gut wie gar nicht mehr laufen konnte. Es waren unglaubliche, noch nie zuvor erlebte Schmerzen, aber noch immer gab es nichts anderes als Abstillen als Option, laut des Orthopäden. Der Mann hatte für mich am Telefon wirklich eindringlich nachgefragt. Ich wollte für meine Kinder da sein, aber nicht alles übers Knie brechen- tolles Wortspiel. Im Bus auf der Heimfahrt war mir mein Beipackzettel einfallen, den ich wegen meiner Schuppenflechte gelesen hatte. Da stand etwas von entzündeten Gelenken in Zusammenhang mit Schuppenflechte, also rief der Mann in der Praxis an und hörte eine Verdachtsdiagnose. Nun wussten wir also um was es sich sehr wahrscheinlich handelt: Psoriasis Athritis, den meine Werte waren auch schon da. Ich begann mich einzulesen. Was sollte ich auch sonst tun? Ich lag reglos auf dem Sofa und hoffte, dass keines unserer Kinder aus Versehen an mein Knie kommen würde.
Einen weiteren Tag später, schwoll das zweite Knie an und ich weinte erstmal nur noch. Wir telefonierten alle Rheumatologen nah und fern durch, überall alles voll. Termine gab es in drei Monaten, frühestens, in einer Praxis hieß es, in drei Monaten solle man noch einmal anrufen. Ich rief in meiner Not den Kinderarzt an und fragte nach der Verträglichkeit von Diclofenac während des Stillens, das mir mein Orthopäde sonst ins Gelenk gespritzt hätte, aber auf Grund des Stillens ablehnte. Dort stieß ich auf mehr Verständnis und den Hinweis, ein paar Tage zur Überbrückung würde es schon gehen, damit ich wieder laufen könnte, denn das ging nur unter enormen Schmerzen zur Toilette. Mehr nicht. Morgens ins Wohnzimmer, abends wieder rauf- irgendwie. Man legte mir ans Herz es mit Brei zu probieren, aber meine Kinder, wir Eltern und Brei, das klappte irgendwie noch nie und diesmal auch nicht, obwohl ich es tapfer probierte und immerhin hier und da in den kommenden Wochen einige wenige Löffel in das Kind bekam, aber so sättigend eine ganze Mahlzeit damit zu ersetzen?- Nein. Jede Mama, die nach Bedarf stillt, weiß dass es nicht nur darum geht eine Mahlzeit alle vier Stunden zu ersetzen. Man nimmt dem Kind in dem Moment sehr viel mehr und auch sich selbst. Zudem hat Anton ja nicht einmal einen Schnuller. Der Mann war zu Hause und versorgte die Kinder, in dieser Woche, die mir endlos erschien, weil wir auch nicht wussten, was uns erwartete. Ich wusste nicht wie mir geschieht, ob ich wieder laufen, tragen, stillen darf. Ich fühlte mich allein gelassen und verloren. Wie sollte ich ein Kind abstillen, dass ich nicht trösten könnte, weil Laufen unmöglich war? Einfach mal eben so? Ich versuchte abzupumpen und das klappte nur kläglich, noch weniger klappte es, Anton die Milch dann aus der Flasche zu geben. Ich las mich durch Tests über Säuglingsmilch und so kauften wir eine erste Packung, die aber erstmal unberührt blieb, so wie die Flasche mit Muttermilch von Anton. Nachts weinte ich, wenn ich stillte, weil ich dachte, dass wir nicht mehr viel dieser Zeit haben würden.

Dann hatte ich das unsagbare Glück einen Termin bei einer Münchner Rheumatologin zu bekommen und so fuhr mich meine Schwiegermama schon nach nicht einmal einer Woche nach München mit den beiden Kleinen. Dort bekam ich Hilfe, mir wurde wieder das Knie punktiert, sie holte 40ml aus dem dicksten und ein Kortison eingespritzt. Wir wollten abwarten und schauen wie sich alles entwickelt. Vielleicht hätte ich Glück und damit wäre das Schlimmste erst einmal überstanden. Man nahm mir auch noch einmal Blut ab und überprüfte ein Gen. Zwar hatte ich das Glück, dass ich meine Knie rasch wieder bewegen konnte, doch nach wie vor eingeschränkt, so wurde das zweite Knie wenige Tage später punktiert und gespritzt und ich bekam die Gewissheit zu meiner Diagnose. Es blieb dabei. Motiviert weil das mit dem Laufen besser war, auch wenn die Angst bei ansteigenden Schmerzen sofort da war, es könnte wieder ganz schlimm werden, schob ich das Abstillen so weit weg wie es nur ging. Ich verdrängte das Thema hoffnungsvoll und wollte mich nicht damit auseinander setzen. Insgeheim hoffte ich doch, dass wir das mit dem lokalen Kortison spritzen irgendwie schaffen bis Anton über ein Jahr alt wäre, dann hätte sich diese Essenslage zumindest weitestgehend entspannt. Als beim dritten Termin aber mein zweites Zehgelenk gespritzt werden musste, nur vier Wochen nach den ersten Gaben, bekam ich ans Herz gelegt wirklich abzustillen, da das Kortison offensichtlich nur kurzfristig helfen würde. Ich glaube, das war der Moment, in dem ich realisierte, dass ich wirklich keine Wahl hatte. Mein Herz war bleischwer, ich weinte wieder viel. Ich wollte wirklich nicht abstillen und das Schlimmste war, Anton noch weniger. Ich begann kleine Mengen Milch zuzubereiten. Als Anton davon die ersten Milliliter trank, weinte ich dicke Kullertränen des Abschieds, obwohl ich mich auch ganz wenig freute, weil das ja der Schritt in die richtige Richtung war und versuchte mich zurück zuhalten und bei mir dachte, dass das nun gar nicht das war, was Anton brauchte, das Gefühl, dass es nicht in Ordnung wäre daraus zu trinken. Das zweite Minifläschen bekam er bei der Oma, auch hier stillte ich davor oder danach, er sollte sich erstmal daran gewöhnen. Beim dritten Mal daheim dann, wieder Tränen meinerseits und dann beim nächsten Mal passierte das wirklich Schlimmste, Anton begann zu weinen und zu schreien, wann immer er die Flasche nur sah, vielleicht stellvertretend für mich. Er schrie für mich, dachte ich. Weil ich nicht konnte, ich versuchte nun stark zu sein, aber ich war so nieder geschlagen, denn ich wollte das ja irgendwie alles immer noch nicht. Jetzt wünschte ich mir die Zeit zurück, in der er daraus getrunken hatte. Ich war verzweifelt. Ich tat jedesmal die Flasche sofort weg, wenn er weinte, es war nicht daran zu denken, sie in seinen Mund zu führen. Es hatte ja keinen Sinn, ich wollte das Kind nicht traumatisieren. Nach kurzer Zeit begann ich die Flasche jedes Mal beim Stillen zu zeigen- ganz unverbindlich, so nachdem Motto: “Schau, das Ding hier, könnte auch etwas mit Essen zu tun haben!”, damit er sich wieder an den Anblick gewöhnen konnte. Das klappte gut, nach weiteren Tagen begann er damit zu spielen, drückte auf dem Sauger herum, was mich wiederum nach Tagen in Verzweiflung stürzte, weil er sie nicht trank, diese Milch, jeder Versuch sie ihm in den Mund zu führen, führte zu weinen oder rausschieben mit der Zunge. Würde das denn nie klappen, fragte ich mich. Es war eine ganz fürchterliche Zeit, die mich total einnahm, deswegen zog ich mich auch viel online zurück. Einen Vormittag brach ich dann in Tränen aus, ich schluchzte. All meine Sorgen, meine Gefühlen schwammen aus mir heraus, interessiert beobachtet von Emil und Anton. Was sollte ich noch tun? Ich wusste es nicht. Der nächste Termin bei der Rheumatologin rückte näher und näher, ich wollte nicht angeschimpft werden (Ich weiß natürlich, dass man nur mein Bestes will!). Ich war verzweifelt und ratlos und weinte bitterlich. Ich wusste aber, dass ich keine Wahl mehr hatte, gar keine und je mehr Zeit verstrich, je mehr Schmerzmittel ich nahm, umso sicherer wusste zumindest mein Verstand, dass das einfach so nicht mehr ging mit uns beiden und dem Stillen. Das war der Tag an dem ich hohes Fieber bekam und Schüttelfrost. Vielleicht brauchte ich doch professionelle Hilfe beim Abstillen, dachte ich noch. Als ich gesund wurde und Freundinnen treffen konnte am Abend, schüttete ich mein Herz aus. Eine Freundin erwähnte am Rande, ich solle doch mal die Milch andicken, vielleicht wäre sie zu flüssig. Ich war verwirrt, dass war meine Muttermilch doch auch, aber ich versuchte es und genau an diesem Morgen, ob Zufall oder nicht, trank Anton seine Flasche aus und es war sogar zu wenig Milch, ich musst danach stillen. Es blieb nicht bei dem einen Mal und ich war endlich etwas zuversichtlich, konnte meiner Ärztin von Fortschritten berichten, wir wären auf einem guten Weg. Mir wurden das vierte und das dritte Zehgelenk gespritzt und ich holte mir einen Termin erst in sechs Wochen. Im Stillen (Was ein toller weiterer Wortwitz!) war das mein Ziel, bis dahin wollte ich es schaffen, denn bis die Medikamente wirken, würde es 12- 16 Wochen dauern.
Ich stillte nach diesem Termin wirklich in dem Moment, als Anton jetzt die Flasche akzeptierte schnell von heute auf morgen tagsüber komplett ab und gab nur noch die Flasche. Genau vor der Abreise in den Urlaub, was natürlich ein Riesenumstand war- wir brauchten eine große Thermoskanne, drei Portionen Pulver zum Sofortgebrauch, vier Fläschchen mit abgekühltem Wasser für die lange Reise. Ich kaufte neue Flaschen, Sauger und Milchpulver, meine Schwiegermama schickte sogar welches an die See, denn dort gab es nicht diese eine Sorte und nun lag der Berg der Endgültigkeit vor mir, den ich besteigen musste…

Eigentlich war der Plan es am Meer zu versuchen, das endgültige Abstillen, aber ich merkte wie mein Mamaherz gerade heilte und ich akzeptieren konnte, dass wir tagsüber gar nicht mehr stillen. So blieb es wie es war. Ich merkte, dass es eben auch etwas mir mir macht, dass ich meinem Kind keine Milch selber brauen kann, ich muss sie kaufen und vertrauen haben, dass sie für mein Kind schon die Richtige ist, das ist mit der Muttermilch doch deutlich leichter gewesen. Das Meer half mir zur Ruhe zu kommen. Ein wenig hatte ich Angst, dass die Schwermut zu Hause wieder präsenter wäre und so ließ ich in der ersten Woche daheim alles beim Alten, genoss nachts im Halbschlaf noch das Stillen und nun blieben nur zwei Wochen bis zum nächsten Termin, mein Ziel abzustillen rückte näher. Am letzten Montag nun fasste ich mir ein Herz, die letzte Nacht stillend sollte es sein, nachts dachte ich noch: “Nun ist es gut. Jetzt kann ich loslassen” und seitdem stehen jede Nacht zwei Flaschen, Pulver und heißes Wasser oben im Schlafzimmer: Ich stille nicht mehr.

Gestillt

Manchmal bin ich froh, dass das nun alles geschafft ist. Manchmal denke ich, dass ich genug Zeit hatte, das Stillen zu verabschieden und das Ende abzutrauern. Manchmal denke ich, dass es ein Gutes hat: Anton hat Zeit das Essen in Ruhe zu entdecken und muss nicht zwangsgefüttert werden, damit er so nicht mehr stillt, was mir eh nicht liegt, ich mag breifrei. Er hat etwas gewonnen. Aber wenn ich dann Fotos sehe von dem Stillen mit ihm oder Emil oder Stillmotive, wird mein Herz schwer und die Tränen kommen wieder. Nach wie vor brauche ich Zeit, das zu akzeptieren, merke ich dann, aber ich bin froh, dass mein Kind nicht mehr belastet ist mit meiner Milch und den Medikamenten, die ich über Monate, schon im letzten Jahr wegen meiner Zahnprobleme nehmen musste, das sagt mir mein Verstand. Auch dass es höchste Zeit für den Beginn der Basistherapie ist, damit ich später nicht bereue zu lange gewartet habe und weitere irreparable Schäden bleiben.
Und ich bin und bleibe dankbar für die wenigen Wochen oder am Ende Monate um Anton sanft zu entwöhnen, dafür dass wir die Zeit hatten, ihm nichts aufzwingen mussten, dass er (mit)bestimmen konnte und es kein Zwangsabstillen wurde. Und das wir am Ende doch noch beinahe drei Monate Stillen heraus geschunden haben, auch wenn die beiden letzten Monate eher bedrückend waren. Beides bedeutet mir dennoch so viel und ich weiß zu schätzen, was viele Frauen nicht haben durften. Aber es bleibt ein Schmerz zurück und ein Vermissen dieser innigen Beziehung- ich musste gezwungender Maßen abstillen, nicht freiwillig und ich könnte gut auf die Nächte mit Fläschchenmischen in Düsternis verzichten, aber nun ist es wirklich endlich geschafft und diese dunkle Wolke, das erreichen zu müssen ist wirklich aufgelöst. Auf mich wartet die Basistherapie, für dich ich mich entschieden habe, die erst in drei bis vier Monaten anschlagen wird und von der ich aktuell weder weiß, ob ich sie gut vertrage, noch ob sie mir helfen wird. Aber irgendwie erscheint mir diese Ungewissheit im Moment wie ein Segen, denn es bleibt mir erstmal nur die Hoffnung, dass…

Ein Ultraschall- Model

April 19th, 2015

Als meine Ärztin mir auf die Mailbox sprach, dass sie ein persönliches Anliegen hätte, es gäbe am kommenden Wochenende einen Ultraschallkurs für Orthopäden, in dem Rheumatologen diese anleiten, war ich hin und hergerissen. Erstmal pellte ich mich aus meiner Komfortzone, am Samstag die Familie, das Nest zu verlassen, aber es lockte etwas Neues. Dann überwand ich den Schweinehund, der säuselte: “Warum du? Soll das doch jemand anderes machen!” und ich dachte an das unverschämte Glück, das ich gehabt hatte, innerhalb weniger Tage eine Rheumatologin gefunden zu haben, die mich ansehen wollte und mir noch sympathisch war. Ich wollte da so kitschig wie es klingt, etwas zurück geben und vielleicht auch so dazu beitragen, dass diese Erkrankung einfach schneller erfasst wird und dann weiter an die Profis, die Rheumatologen verwiesen wird, da oft Monate Ratlosigkeit und Schmerzen hinter einem Patienten liegen, bevor er eine Rheumadiagnose bekommt. Also hielt ich Rücksprache mit dem Mann, der ja in der Zeit genussvolle Zeit mit sechs Kindern allein haben würde und dann fügte sich noch, dass ich nicht die vollen drei Stunden modeln müsste, sondern es mir mit einer Patientin teilen könnte und ich dachte eineinhalb Stunden würden quasi verfliegen.
Ich machte mich also auf, ingesamt war ich mit Hin- und Rückweg etwa drei Stunden unterwegs von Tür zu Tür, anwesend nur die Hälfte der Zeit und die vergingen wirklich unheimlich schnell, im Nachhinein ärgere ich mich, nicht die volle Zeit anwesend gewesen zu sein, denn es war wirklich interessant menschlich, wie fachlich.

Ich bin ja eher ein zurückhaltendes Persönchen, also fasste ich mir ein Herz und betrat die Praxis, in der schon viele Menschen herum wuselten, ich versuchte meine Ärztin zu erspähen, wusste nicht wo ich genau hinsollte und war etwas erleichtert, als meine Ärztin beinahe in mich hinein lief, als sie kurz nach mir kam. Sie hatte sich in der Zeit geirrt und so ging es auch schon ohne viele Worte los. Ich sagte noch, dass es irritierend wäre, so ohne klassischem Arztkittel zu wissen, wer ein weiteres Model, wer Rheumatologe und wer Orthopäde oder gar Veranstalter und Praxisinhaber sei, alle waren in zivil- und ich hätte mich dann erstmal durchfragen müssen, was ich ja so gar nicht gemocht hätte.
Ich wurde dann in einen kleinen Raum der großen, neuen und schicken Praxis in München Schwabing geleitet, wo ich mich schon mal quasi untenherum frei machen durfte, denn ich war das untere Extremitäten- Model, gar nicht so einfach sich da zu überwinden. Vor mir standen fünf Orthopäden unterschiedlichen Alters, neben mir auf einem Stuhl stand ein kleines Ultraschallgerät, an dem erst einmal meine Rheumatologin herum nestelte und alles noch einmal erklärte, sowie mich nach Absprache mit Namen und Diagnose allen vorstellte. In den anderen drei Räumen fanden sich auch jeweils fünf bis sechs Orthopäden in kleinen Gruppen mit je einem Rheumatologen zusammen, in jedem Raum ein anderer modelender Patient mit einer anderen Erkrankung bzw. Diagnose und so andere zu schallende Bereiche, nach 45min wechselnden die Orthopäden die Räume.

Es war vielleicht ein bißchen erschreckend wie jung manche Ärzte waren, (Bin ich schon so alt?) es waren bunt durchmischte Gruppen von Interessierten. Die einen hatten schon viel Erfahrung und führten routiniert und sanft den Schallkopf, andere drückten etwas nervös mit viel Kraft auf die zu schallende Bereiche. Meine Ärztin wirkte derweil sehr souverän und lenkte die Kollegen da durch, erklärte vieles und stellte Fragen an die Kursteilnehmer, mahnte an den Kopf nicht zu fest zu drücken, weil man sich so die Flüssigkeit auch schon mal wegdrücken kann, die man ja suchen würde. Es gab einige Orthopäden, die mir Fragen stellten und ganz engagiert dabei schienen.
Menschlich war es sehr spannend so in Hülle zu erleben, wie wenig Worte Ärzte an ihre Patienten richten, simple Aufforderungen wie das Bein oder der Fuß nun gelagert werden sollen für die Untersuchung, stellen oft schon eine große Schwierigkeit dar, etwas was man meiner Meinung nach auch lernen muss, ob mit der Zeit oder im Studium, auch das macht einen dann letztendlich zu einem wirklich gutem Arzt, finde ich.

Für mich war es eine Überwindung leicht bekleidet und als Objekt für die Wissenschaft auf dieser Liege zu liegen, es war interessant den einen oder anderen Happen Information auch als Patient aufzuschnappen, faszinierend solch einem Spektakel einmal beigewohnt zu haben und auch wichtig für mich mich weiter mit meiner Erkrankung auseinander zu setzen. Mein Fazit ist, dass ich das wohl immer wieder machen würde wollen. Berührt im negativen Sinne hatte mich allerdings die Frage einer Ärztin, wie lange ich denn noch stillen möchte, da natürlich das Interesse nach meiner Behandlung aufkam, da bin ich einfach noch zu sehr im Thema des Abstillens und kann zwischen bloßer Fragestellung und Anklage noch nicht wirklich unterscheiden, fühle mich einfach persé angegeriffen, unverstanden und verurteilt oder bin verletzt und selbst wenn dieser Verdacht des Vorwurfs sich bestätigen sollte, fehlt mir dann aktuell das Rückgrat, dem mit wohlgeformten Sätzen etwas entgegen zu setzen.

Urlaubserinnerungen

April 13th, 2015

Ende letzten Jahres waren wir das erste Mal im Herbst an der Ostsee und in diesem Jahr nun das erste Mal zu Ostern. Das war auch etwas ganz Besonderes, vor allem für den Mann, der von dieser Oster- Zeit dort oben viele schöne Kindheitserinnerungen im Herzen hat, er freute sich mehr als die Kinder auf das Ostereier suchen. Und dann hatten wir nach kühlen Tagen genau an diesem Ostersonntag ein Traumwetter mit viel Sonnenschein und genossen die ersten Sonnenstrahlen des Jahres am Meer auf der Terrasse.
Die Promenade begann sich langsam zu füllen und wann immer wir oder die großen drei Kinder Lust hatten zog es uns dort hin, um ein Eis zu essen oder das Taschengeld in Süßwaren umzuwandeln.
Wir hatten einfach ganz schöne und entspannte Tage im neuen Haus und träumten hier und da vom Sommer mit wärmeren Temperaturen, als es endlich auch dort oben in den letzten Tagen unseres Aufenthalts wärmer wurde, so dass die Kinder erste zaghafte Versuche im Wasser unternahmen, die wir Eltern noch nicht so ganz teilen konnten. :)

Unternommen haben wir gerade wegen der noch frischen Temperaturen und dem Kleinsten nicht viel, aber vielleicht machte das gerade den Erholungsfaktor aus. So bleiben uns auch von diesem Urlaub viele schöne Erinnerungen und der Dank geht wieder an meine wundervollen Schwiegereltern, die das immer wieder möglich machen und mit denen wir auch einige wenige Stunden zusammen verbringen durften, zum Beispiel an Noahs Geburtstag einen Tag vor unserer Abreise. Der erste Geburtstag oben an der See…

Ein Moment

April 10th, 2015

Kleiner Kobold…

Geschützt: Ostern (Kinderpasswort)

April 6th, 2015

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