If I had a boat, I would sail to you…

Oktober 25th, 2014

Ich durfte beides erleben, größtes Glück nebst schlimmstem Unglück.

Manchmal da habe ich das Privileg und ich weiss kein besseres Wort, nicht wie ich es besser beschreiben könnte, vom grössten Glück anderer, als einer der Ersten zu erfahren. Man bringt mir grösstes Vertrauen entgegen und ich darf dann an Liebe und Glück anteilnehmen. An der Geschichte einer Familie.

Und manchmal da hatte ich das Privileg, durch vergangene geschriebene Worte Kraft zu geben, eine Stütze zu sein.
Etwas was man mir auch hat zukommen lassen, als ich in grösster Not war, das Gefühl nicht allein zu sein. Anteilzunehmen. An der Geschichte einer Familie.
Ich gab also nur etwas zurück, etwas weiter, wenn es gelang, wenn ich durfte.

Und doch fehlen mir im entscheidenden Moment dann die richtigen Worte, wenn es nah ist, wenn es weiter weg ist… Weil ich mitfühle. Mit vermisse.

Überall

Oktober 16th, 2014

Es gibt Tage, Stunden oder Minuten in denen ich mich verliere. Mich selbst nicht finde. Das sind Augenblicke in denen ich mich verzweifelt frage: “Wo bleibe ich? Wo bin ich?”
Und dann während ich das kleine Menschenkind durch die Gegend schaukle, nach einem langem Tag voller Mama- und Daheimgebliebene sein, sage ich mir: Ich bin doch hier. Überall. In jeder Ecke des Hauses steckt ein Teil von mir. Ich bin in dem Film, den ich mir heute Abend ausgesucht habe. Ich bin in den Büchern, die ich lese. Ich bin in dem Kind, das ich in meinen Armen halte, auf das ich so lange gehofft hatte. All das wollte ich. All das bin ich. Ich bin genau hier. Ich bin in den Entscheidungen, die ich getroffen habe, dem Leben, das ich gewählt habe.

Trotzdem bleibt da die sehnsuchtsvolle Stimme, die da flüstert: Ich will aber mehr!
Und ich weiss nicht, ob mehr Zeit für mich oder wirklich eine weitere, eine andere Aufgabe, obwohl ich mich vor 10 Jahren für genau diese entschieden habe.

Ich bin hier. Ich bin auch da. Manchmal überdeckt von 24Stunden Dasein. Aber auch hier. Und ich will mehr. Ich brauche mehr. Es reicht (gerade) nicht (mehr).

Auf der Suche nach der Langsamkeit

Oktober 14th, 2014

Letzte Woche schrieb ich von dem Hin- und Herflitzen in den Minuten, in denen ich mal zwei Hände frei hätte. Dazu zählen Dinge wie mal den Tisch abwischen, einen Wäschekorb aus dem Keller hoch tragen, den Geschirrspüler ausräumen, Krümel unterm Tisch aufsaugen, einmal kurz nass durch die kleine Küche wischen, am Backofen oder Herd was machen oder nur mal zur Toilette, Zähneputzen- keine großen Tätigkeiten, aber alles tägliche zu verrichtende Arbeiten, die ich lieber ohne 8kg Baby in der Trage oder im Tuch mache, dennoch manchmal mit ihm machen muss und auch mache.

Das Tempo nahm zu. Immer noch mehr in diese kurzen Momente packen, immer noch mehr mit Baby an mir machen, höher, schneller, weiter.
Das geht auch gut, wenn es zeitgleich begrenzt ist: ein Geburtstagsfest, das ins Haus steht oder nahender Urlaub. Aber es ist nichts, was ich gern über Wochen hinweg so haben möchte, vor allem schon gar nicht, wenn ich selbst angeschlagen, nicht ganz fit bin.
Als ich am Samstag versucht habe das Wegsein des Mannes weiter auszugleichen und das zu Putzen, was wir sonst zu Zweit machen, unten meine Schwiegermama mit den Kindern “Mensch ärgere dich nicht” spielte, während ich klatschnass Saugen und Wischen in verschiedenen Räumen koordinierte, zeitgleich versuchte Abendessen vorzubereiten, drehte ich mich zu schnell.
Genau in diesem Augenblick wurde mehr als deutlich, was ich die Tage schon immer mal wieder gedacht hatte: Wenn ich so weiter mache, kann ich gleich eine Kur beantragen. So nicht! Da muss Anspannung raus.
Das fällt mir schwer, ein Gleichgewicht zu finden. Da ich einfach nicht nichts tun kann, dafür sind wir zu viele. Die Spülmaschine läuft an “schlimmen Tagen” manchmal 4-5 Mal am Tag, da bleibt oft das Gefühl, dass man sie doch gerade eben erst angemacht hat.
Wenn ich Dinge bewusst mache und nur das was möglich ist, geht es mir besser. Erstaunlicher Weise schaffe ich genau dann immer noch soviel wie vorher, aber ohne zu empfinden in einem Hamsterrad fest zu sitzen.

Ich kann auch nicht dauerhaft bewerkstelligen, dass alle drei Toiletten immer wie frisch geputzt aussehen. Das geht nicht. Ich muss Abstriche machen. Das liegt nicht nur an den vielen in diesem Haushalt lebenden Personen, es ist auch das große Haus mit Keller, der Garten. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke und an schlechten Tagen versuche ich doch allen ernstes, das doch alles zu schaffen, was einfach unmöglich ist.
Ich habe nicht wie beinahe alle Nachbarn eine Putzfrau, die einmal in der Woche den Grund reinbringt, dass machen wir allein.
Es geht also darum eine Ausgewogenheit zwischen den eigenen Ansprüchen (ebenso denen die Dritte an mich heran tragen) und der tatsächlichen Arbeit zu finden.

Das ist meine (Lebens-) Aufgabe, weil ich mir interessanter Weise für meine Kinder ein Leben ausserhalb dieses Hamsterrades wünsche.

Ein Vormittag

Oktober 10th, 2014

Manchmal komme ich mir vor wie ein Superheld, wenn ich in den Minuten, in denen Anton auf dem Boden glücklich unter seinem Spielebogen liegt, geschafft habe umher zu flitzen und irgendetwas zu erledigen.
Wenn ich das dann jedoch aufschreibe, wirkt es irgendwie kläglich auf mich.

Heute bin ich extra früh aufgestanden, es war kurz nach halbsechs, um die Quarkbrötchen fertig zu machen aus dem Teig, den ich gestern Abend in den Kühlschrank gestellt hatte. Das Ergebnis war ernüchternd. Mein aktuelles Begehren sind Brotwaren und meine Familie und ich sind da anscheinend sehr kritisch, denn der große Sohn rümpfte die Nase, stand auf und holte sich eine Schüssel und sein Müsli mit den zauberhaften Worten: “Muss man denn immer alles selber machen?” (damit meinte er das Backen von Brot, statt es zu kaufen). Diese Frage hallte nach, nicht nur mein Misserfolg. (Ich lerne oder gebe irgendwann entnervt auf, denn da ist die Rede von Bäckerleinen und Baguette-Backformen- und das ist erst der Anfang.) Aber viel wichtiger: Hat er Recht? Vergeude ich wertvolle Zeit und mache es mir unnötig schwer? Weil ich auch das selber machen will?

Nach dem Familienfrühstück ging ich selbst schnell hoch zum Zähneputzen, geduscht, geschminkt und geföhnt war ich ja bereits, verarztete meine entzündete Ohrmuschel (eine andere lange Geschichte), putzte im Anschluss zwei Kindern die Zähne, zog mich an und flitzte am weinenden Emil vorbei zum 8Uhr Zahnarzttermin, denn Emil hatte so überhaupt keine Lust mit dem Papa die Großen zum Schulbus zu bringen. Beim Zahnarzt bekam ich dann heute eine schicke grüne Dose mit meiner (für mich) neuen Beißschiene, gegen die kaputten Zähne und hoffentlich die Lösung zur Rettung meiner Brücke.
Auf dem Weg nach Hause sprang ich nur kurz zum Griechen und kaufte noch etwas frisches Obst, da ich es morgen wohl nicht zum Markt schaffen würde wie sonst, beziehungsweise der Mann, denn das ist seine Samstagsroutine und er ist morgen und übermorgen nicht da, sondern auf der Buchmesse, da wurde mir wieder bewusst, wie viel wir da planen und machen und tun den ganzen Tag um den Laden am Laufen zu halten, möglichst effizient zu arbeiten, um acht Menschen zu versorgen und nichts zu vergessen. Ich sputete mich, denn zu Hause wartete der liebe Mann, um abzuklatschen, damit er endlich in die Arbeit fahren könnte, 8.40Uhr.
Zu Hause angekommen lag Anton auf einer Decke und wirkte zufrieden, also winkte ich dem Mann, schnappte mir mein Putzzeug, raste nach oben und schaffte das obere Bad im zweiten Geschoss zu putzen und aufzuräumen, wischte Staub im Schlafzimmer und putzte noch schnell unsere Fenster, weil dank Vogel nötig, brachte den dazugehörigen Müll nach unten, füllte Seife auf, (alles Dinge, die wir Eltern sonst am Wochenende gemeinsam machen) bereite einen Kuchen vor, stellte eine Maschine Wäsche an und die Spülmaschine und dann fand Anton das Liegen nicht mehr ganz so toll.
Also aß ich mit ihm im Sling mein zweites Frühstück, richtete eins für Ben und Emil, buk einen Zitronenkuchen, legte einen Korb voller Handtücher zusammen und sortierte sie oben ein. Irgendwann zwischendrin stillte und wickelte ich, putzte erneut meine Zähne, räumte die Küche wieder auf, begann Kartoffeln zu schälen, denn Anton hatte sich noch einmal ablegen lassen und dann war es aber auch schon wieder Zeit, kurz vor 13Uhr zur Haltestelle zu laufen, um die Schulkinder einzusammeln. Noch einmal wickeln, Anton schnell zurück in den Sling bevor er richtig untröstlich würde, dann Emil in den Kinderwagen setzen, damit er sich nicht wie den Rest der Woche super toll auf dem Hinweg zur Haltestelle an meiner Hand und Regeln hält, aber leider auf dem Rückweg untröstlich war und sich auf den Boden warf, was dazu führte, dass ich a) mit Engelszungen versuchte das Kind rasch dazu zu bewegen doch noch mit uns nach Hause mit zukommen, während alle anderen vier Großen warten mussten, die Tochter am Ende mit ihm “Fangen” spielte oder b) die Tochter kraftvoll zupackte und Emil trug, ich dafür ihre Taschen und Jacken oder c) ich nebst Anton noch Emil nach Hause trug. Da war das Schieben mit dem Kinderwagen schon bequemer, vor allem wenn er schon freiwillig einsteigt, muss man das auch ausnutzen… :)

Zurück zu Hause, stellte ich Emil samt Wagen im Flur ab, bis er die Müdigkeit besiegt hatte und sich rausnehmen ließ, stellte mich derweil mit Anton vor den Herd und bereitete das kleine Mittagessen zu Ende.
Und immer wenn alle Kinder dann wieder vereint zu Hause sind, ist gedanklich für mich die erste Tageshälfte um…

Chocolate Chip Cookies

Oktober 8th, 2014

Zu beinahe jeden Geburtstag muss ich sie machen und weil meine Kinder dann auch welche für sich beanspruchen, mache ich meist gleich die doppelte Portion. Das Rezept ist weder besonders anspruchsvoll, noch gesund, aber saulecker. :)

Zutaten:

150g Margarine
100g weißer Zucker
100g brauner Zucker
Buttervanille, ein paar Tropfen
1 Ei
180g Mehl
1/2 TL Backpulver
1/4 TL Salz
100g Haselnusskrokant
150g Schokotropfen

Zubereitung:

Die Margarine und den Zucker schaumig schlagen, danach die Buttervanille und Ei unterrühren. Anschließend genau so Mehl, Backpulver und Salz dazu geben und mixen. Zum Schluss den Krokant und die Schokolade unterheben. Mit den Händen nun Kugeln formen (die Menge reicht in etwa für 35 Stück) und immer jeweils neun Kugeln auf ein Backblech drapieren, denn der Teig verläuft stark und ab in den vorgeheizten Ofen damit bei 175 Grad, also nicht zu heiss.
Nach etwa 12- 15 Minuten wird der Rand der ersten Cookies langsam goldbraun und das ist in etwa der richtige Moment, um die Cookies aus dem Ofen zu holen, dann sind sie Innen noch so schön weich.

Viel Erfolg und guten Süßhunger! :)

31

Oktober 5th, 2014

Als ich gestern Abend ins Bett ging, dachte ich noch “Mist, nun ist es offiziell. Wenn man 30 wird, dann ist das wie ein Versehen, als hätte man sich nur vertan. Ein Punkt daneben, noch fast in den 20ern. Mit 31 ist es ernst.” :)

Und als würde mir mein Körper einen Streich spielen wollen, hatte ich mir gestern noch einen Nerv eingeklemmt, beim Backen… :)

In den letzten Tagen hatte ich viel für diesen Tag vorbereitet. Erst vor einer Woche konnte ich mich endlich entscheiden, wie ich meinen Geburtstag feiern würde wollen. In diesem Jahr wollte ich wieder einmal mit ein paar meiner Freundinnen und ihren Familien feiern. Und so lud ich sie ein. Und sie nahmen sich spontan die Zeit, dafür war ich dankbar.
Ich buk wie ein Weltmeister für neun Erwachsene und dreizehn Kinder, von denen zwölf essen würden können. Irgendwie ist das dann für mich schon fast eine Art Sport und so schaffte ich das erste Mal: einen Chocolate Fugde Cake, 24 White Chocolate Cupcakes, einen Zitronenkuchen, einen Guglhupf, einen Zwetschgencrumble, einen Himbeer- Ricotta Käsekuchen und etliche Cookies. So viel hatte ich noch nie gebacken. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommmen etwas zu kaufen und mir nicht diese Art Arbeit zu machen, doch dann dachte ich an meine Gäste und meine Familie, die sich wirklich freuten und alle auch eine Art Lieblingskuchen haben und dann konnte ich nicht anders. Wann wenn nicht am eigenen Geburtstag all diese Sachen backen, für sich selbst und einen wunderschön vollen gedeckten Tisch?

Es wurden zwei Tische, auch zum ersten Mal. Ich hatte die Idee, den Tisch aus dem Garten rein zu holen, ein paar Sachen nach unten zu tragen und so Platz für zwei Tische zu haben, einen für die Kinder und einen für uns Erwachsene, weil wir doch die sind, die am Ende länger sitzen und sich unterhalten möchten.

Die Söhne meiner Freundinnen sind schon groß, kamen mit ihren Rädern und spielten draußen, noch nie hatte sich das so schön verlaufen.

Und so bereitete ich nach einem entspannten Frühstück ganz allein (auch ohne Anton) mit einer Freundin unterwegs alles für den Nachmittag vor, was mich und den Mann beinahe zwei Stunden kostete. Aber so hatte ich es mir gewünscht und mein Liebster unterstützte mich dabei und machte diesen wunderschönen Tag so überhaupt erst möglich und das relativ stressfrei.

Vielen Dank für diesen Tag, Nils! Und vielen Dank auch für all die (Glück)Wünsche von hier und da. ♥

Rückblickend

Oktober 4th, 2014

Ich muss immer wieder nachrechnen, ob ich mich wirklich nicht irre, aber doch ganz sicher, vor einem Jahr lagen wir abends im Baumhaus und ich horchte in mich, ob ich schon schwanger sei, während ich mich auf meinen Geburtstag freute.
Ich war es noch nicht. Die Betonung liegt dabei auf “noch”, denn ich wurde schon im nächsten Monat schwanger, gleichzeitig freute ich mich in dieser Nacht, dass ich überhaupt wieder einen Zyklus und so eine echte Chance auf ein neues Wunder hatte.
Diese Erinnerung wirkt noch so frisch, dabei ist sie bereits ein Jahr alt und seitdem ist doch etwas unglaublich Wundervolles passiert. Auf mir liegt tatsächlich unser Kind, dass ich so herbei gesehnt hatte- vor einem Jahr. Hätte ich darauf zu hoffen gewagt in einem Jahr noch glücklicher zu sein? Wirklich?
Auf der anderen Seite ist diese Erinnerung erst ein Jahr alt. Wie kann das sein, wenn es sich anfühlt, als wäre Anton schon so lange hier? Schon immer ein Teil dieser Familie. Schon immer meine Sohn?

Ein komisches Gefühl ist das, morgen wieder ein Jahr älter zu werden. Als wäre kaum Zeit vergangen. Ich habe in diesem Lebensabschnitt wieder so viel Glück erleben dürfen und kann mir nichts Schöneres vorstellen, wie hätte ich dieses Lebensjahr besser füllen, ihm mehr Sinn geben können?

Abschlussuntersuchung

September 25th, 2014

Besonders aufgeregt sein konnte ich heute nicht, weil die Zahngeschichten mich weiterhin gut auf Trab halten, aber dennoch spürte ich die Anspannung.
Ich hatte versucht meinem Körper zu vertrauen. In den ersten Wochen am Meer beobachtete ich noch kritisch das Treiben meines Körpers, aber mit der Zeit ließ das nach. Die Zeit spielte mir zu und nun hoffte ich doch sehr, dass ich mich nicht umsonst entspannt hatte.
Als ich in der Praxis ankam, schlief Anton noch im Kinderwagen, ein seltenes Vergnügen, aber so war immerhin die Fahrt im Nieselregen geschafft, denn dort angekommen dauerte es nicht wirklich lange und er war wach und unleidig. Das war der Moment, in dem mir die freundliche Arzthelferin einen Becher für die Urinprobe in die Hand gab. Sehr witzig, dachte ich mir. Natürlich wollte ich schnell aus der Praxis wieder raus, aber was blieb mir groß übrig? Er ließ sich nicht noch einmal im Wagen ablegen, so dass sich die Möglichkeit ergeben hätte irgendwo schnell mal hinhuschen zu können, also zog ich mich ohne vorher zu fragen frech zum Stillen in einen der CTG Räume zurück. Ich wickelte ihn noch, versuchte einen neuen Versuch das zufriedene Kind abzulegen und schaffte es eigentlich nur knapp ohne Tränen, aber unter beginnendem Geknöter mit ein bißchen Becherinhalt wieder aus der Tür der gefliesten Räumlichkeiten.
Kaum war der Becher im Labor abgestellt, ich versuchte gerade unter mehreren neugierigen Blicken das unglückliche Kind in den Sling zu setzen, um das Kind glücklich zu machen, wurde auch schon mein Name im Labor ein zweites Mal gerufen. Einmal Blutdruckmessen und dann wollte ich doch fast schon wieder aufstehen, denn Wiegen hatte sich ja erledigt, (obwohl ich neugierig gewesen wäre, denn wir haben gar keine Waage zu Hause) aber es fehlte noch ein kleines Blutbild, also saß ich schuckelnd auf dem wackeligen Arztstuhl mit halbgewickelten Baby an mir im Sling, während mein Arm desinfiziert wurde und das Band eng um den Arm geschnürt wurde, im letzten Moment, als sie die Nadel ansetzte kam ich auf die Idee mal kurz still zu sitzen, welch Geistesblitz. Anton schaute fasziniert schielend zu, was die Frau da trieb, noch ein bißchen Smalltalk, acht Wochen sei er schon, dann nahm ich vor den Behandlungszimmern Platz, nachdem ich das Kind verslingt hatte und mehrere Minuten hüftschwingend auf und ab gelaufen war und wartete gar nicht lang.
Meine Ärztin strahlte mich an, wir hatten uns lange nicht gesehen, sie fragte wo mein zauberhafter Begleiter heute wäre und meinte damit nicht etwa meinen Mann, den sie in der Schwangerschaft nur einmal gesehen hatte, sondern Emil und setzte sich ganz gemütlich in ihren Stuhl und wir quatschen erst einmal. Ich fand das richtig schön und wertvoll. Ich erzählte ihr wie meine Schwiegermama mich vor der Ausschabung bewahrt hatte und dann ging es recht bald mit Anton vor der Brust, der unser Gespräch sehr ermüdend gefunden haben muss, denn er schlief auf einmal tief und fest, auf den fahrbaren Stuhl für mich und siehe da, alles ist, wie es sein sein. Und nichts ist da, wo es nicht hin gehört. Ich war total erleichtert. Glücklich. Dankbar. Alles auf einmal. Das war so eine Riesenbaustelle und ich merkte ja erst jetzt nach der sechsten Geburt, wie wenig selbstverständlich es ist, dass die Gebärmutter sich zurück bildet, obwohl sie das immer vorbildlich getan hatte, aber dass auch der Wochenfluss, das macht was er soll, nämlich zur Heilung beitragen.
Ich zog mich wieder an, meine Ärztin lobte meinen Beckenboden auch wenn er nicht mehr der tollste und frischeste ist und wir setzten uns ein zweites Mal, dieses Mal fragte sie nach der Verhütung. Ein Rezept nahm ich nun mit und weiß noch nicht, ob ich es einlösen werde. Da muss ich in mich gehen und mit dem Mann sprechen, eigentlich hatten wir über das Für und Wider schon ausführlich gesprochen, wir werden sehen.

Diese Untersuchung ist seit jeher für mich das eigentliche Ende der Schwangerschaft, so wie die Plazenta erst das Ende der Geburt einläutet. Dieser Termin war ersehnt, hatte ich doch die Schwangerschaft über immer diese Anspannung gespürt und da war nun ein Stück weit Erleichterung, dass nun wirklich alles geschafft ist, natürlich noch einmal mehr, weil es keinen Grund mehr gibt, sich zu sorgen.
Es war schön meiner Ärztin das Ergebnis all unserer Termine zu zeigen, hatte sie mir doch in den ersten Wochen stets liebevoll beigestanden und sich Woche für Woche um mich gekümmert.
Trotzdem bleibt dieses Frohsein, erst in einem Jahr wieder dort sein zu müssen… Keine Wehmut. Auch wenn der Anblick anderer Frauen, die hochschwanger und wunderschön aussehen mich immer wuschig macht, auch wenn ich mich eigentlich zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft ganz und gar nicht wunderschön gefühlt habe und auch nicht mehr so gern wie früher einmal schwanger gewesen bin. Das Ziel blieb das Ziel.
Und dieses Schwangersein, das spürte ich heute schon auf dem kurzen Weg von der Haltestelle zur Praxis, ist doch schon jetzt verdammt weit weg für mich…

AntonimBauch

Neue Farbe braucht die Wand

September 25th, 2014

In den letzten Wochen der Schwangerschaft habe ich es stoisch ignoriert, ich hatte nicht mehr die körperliche Verfassung um groß mit Farbe zu hantieren und im Frühwochenbett war ich auch gut ausgelastet, aber jetzt nach der Einschulung konnte ich es nicht mehr sehen und der Mann auch nicht- Die Wand hatte Einkerbungen von den Rückenlehnen der Stühle und war voller fettiger Essensreste, wir leben hier halt und das zusammen mit Kindern :)
Und wir waren gerade aus einem nigelnagelneuem Haus zurück gekommen, wo wir jeden Patscher sofort sahen und alles ausbesserten und ordentlich verließen, bevor wir in unser Heim kamen. Nach dem Urlaub also, da fiel es besonders auf. Eigentlich fallen mir noch andere Wände auf, Kunstwerke von Emil im ersten Stock, der Fleischklopferwutanfall von Ben im Wohnzimmer über dem Sofa, der Kinderwagenstellplatz in der Wand, aber jetzt war der Essplatz dran. Und wir sind glücklich.
Erstmalig dort eine Art Lack auf dem unteren Meter aufgetragen, wie schon im Treppenhaus (der Weg zum Badezimmer mit dreckigen Händen) von dem man Schmierflecken hoffentlich so leicht abbekommt, wie wir uns das vorstellen. Im Flur war ich mit diesem Überzug auch schon am Werk, nachdem ich ein Stück der Wand wieder rosa gestrichen hatte und durfte anschließend schon Stunden später an Bens Geburtstag Schokolade abwischen und es ging- hurra. Leben mit Kindern, streichen gegen Windmühlen. :)

5!

September 24th, 2014

Fünf Jahre wurde unser Sohn Ben gestern. Es war ein besonderer Tag. Schon kurze Zeit zuvor war mir ein Bild durch den Kopf gegangen.
Vor fünf Jahren als Zoe die Tür zur Küche öffnete und Fünf wurde, hatte man mir gesagt: “Jetzt ist sie eine ganze handvoll Jahre alt geworden.”
Ben war damals noch ein kleines Baby. Nur wenige Wochen alt. Es war besonders und ich war sehr glücklich über unsere vier Kinder. Ein bißchen unwirklich mutet es nun an, wenn dieses Baby genauso alt wird, wie damals das Tochterkind. Fünf! Eine ganze Hand voll.

Ich bin so unglaublich stolz auf diesen kleinen Mann, der so kreativ und versunken gestern und heute mit seinem Playmais bastelte, nachdem er Lego und anderes mit seinen Geschwistern zusammen gebaut hatte. Für das Bewegung liebende Kind gab es nicht nur die passenden Geschenke mit Roller und erstem Fahrrad, sondern am Vormittag auch schwimmen und planschen samt Rutsche im Hallenbad und das nur mit Oma, Mama, Papa, Emil und Anton. (Die beiden Kleinen hatten das große Auspacken und Kerzenauspusten am Morgen schlafend verpasst.) Und auch wenn hier und da die großen Geschwister zum Toben im Wasser gefehlt haben, war es vielleicht auch einmal ganz schön, den Papa oder die Oma mal ganz für sich zu haben und der Emil ist mittlerweile auch ein dufter Spielkamerad. :)
Mittags gab es das Wunschessen: Karotten- Kokos- Ingwer- Suppe. Nie hätte ich gedacht, dass er das unbedingt möchte, aber er wollte, auch wenn er nicht viel davon aß vor lauter “schnell weg und weiter bauen”. Nachmittags wurden dann Wunschkuchen aufgetischt wie schon zum Frühstück und es kam sogar noch seine Patentante vorbei.
Heute feierte er dann im Kindergarten nach, denn gestern so hatte er es sich gewünscht wollte er lieber zu Hause bleiben und wer hätte es ihm verwehren wollen?!

Von ganzem Herzen mein kleiner Ben, ich liebe dich so sehr und ich find dich toll wie du bist. Du bist genau richtig, einzigartig- unser Ben eben. In Liebe, deine Mama.