Der Sommerwahnsinn

Juli 24th, 2016

Als ich mich am Freitag Abend mit Zelda in den Sessel plumpsen ließ, dachte ich nach vier Arztterminen dank meiner Augenentzündung, der Bronchitis und dem Schwindel, die mich zusätzlich zu drei Sommerfesten forderten und dem Gefühl kein Ende von nichts zu sehen, wären mein einziges Problem, gedanklich verfasste ich einen Blogpost zu diesen irren letzten Wochen kurz vor den Sommerferien. Es war der erste Vormittag in dieser Woche gewesen, an dem ich keine Termine gehabt hatte und nun am Abend, schrieb ich mit dem Mann, der auf seinem Firmen- Sommerfest in München weilte. Die Kinder dürften nach einem Nachmittag draußen, einen Pokémon Film gucken und nach Broten und Gemüseteller ein paar Chips knabbern, während ich stillte und mein Smartphone in den Händen hielt. Ich kann mich noch erinnern, dass Nils schrieb, er käme bald nach Hause, seine Bronchitis und die Wärme würden dann reichen, in einer Stunde würde er wohl aufbrechen und ich schrieb noch zurück: „Oh, schon!“, denn so früh hatte ich gar nicht mit ihm gerechnet, also stünde uns nach dem Einschlafen der Kinder gegen 21 Uhr ein schöner gemeinsamer Abend bevor, dachte ich…
Dann wechselte ich zu Facebook und wollte in meinen Tuchgruppen vorbei schauen, als ich als Statusmeldung bei einer alten Bekannten sowas las wie „München :(“ Ich brauchte dann auch nur „München“ googeln, als mich schon die Worte „Schießerei und OEZ“ ansprangen… Dann war alles nur noch wie im Fernsehen, ich war mittendrin und ganz irgendwie weit weg. Wie in Trance schrieb ich dem Mann, ob er das schon gelesen hätte und las die ersten Infos, denn in der Vergangenheit war es nicht unüblich das Familienmitglieder andere schützen wollten und daher nichts erzählten, aber er wusste noch von nichts… Er meinte im Nachhinein, wenn man es bildlich hätte darstellen können als rote Punkte, wie sich die Information als Lauffeuer ausbreitete, wäre es in Windeseile nach und nach rot geworden, weil jeder wieder jedem schrieb und immer so weiter… Bei ihnen wurden die Türen geschlossen und das Gesprächsthema hatte sich schlagartig geändert, bis nach kurzer Zeit die Raucher wohl wieder das Freie suchten…
Ich schaute auf meine Kinder und ließ mich weiterhin in Schockstarre von Anton mit Chips füttern, der sichtlich Freude daran hatte und in dem Moment kein Interesse an irgendeinem Weltgeschehen hatte. Ich kämpfte mit den Tränen und ging hoch um meinem Gefühlen freien Lauf zu lassen und die Energie zu haben, mich irgendwie zu sammeln. Ich wollte das der Mann sofort nach Hause kommt und sich ein Taxi nimmt, denn irgendwie war mir klar, dass alle öffentlichen Verkehrsmittel ihren Dienst einstellen würden, was aber erst eine Stunde später passieren sollte. Als ich dann las, dass angeblich am Stachus weitere Schüsse gefallen wären, wars vorbei mit meiner Contenance, ich rief den Mann schluchzend an und er meinte nur auf seine übliche ruhige besonnene Art und Weise: „Hier ist alles gut!“ und ich schluchzte ins Telefon, dass es gerade alles wäre, aber ganz bestimmt nicht gut! Der Film der Kinder war zu Ende und ich hatte keine Ahnung wie ich den Abend bewältigen sollte. Auch wenn der Mann gerade okay war, machte ich mir Sorgen um ihn. Wann er wohl hier sein würde, vermeintlich sicher bei uns zu Hause? Nach einem inneren Kampf und wegen der neuen Nachrichten war mein hin und her, was wohl gefährlicher wäre, ob es sicherer wäre, da zu bleiben wo er ist oder tatsächlich versuchen sollte, nachhause zu kommen, in dem Gefühl gemündet, er sollte bleiben wo er war.
Der Film der Kinder war zu Ende und sie fingen an zu streiten und sich zu verletzten vor Müdigkeit und Geschwisterliebe und es fielen die Worte „schießen und explodieren“ und das war wohl der Moment, in dem es mit meiner Ruhe und Fassung vorbei war und ich den Kindern die Lage erklärte… Das war definitiv nicht pädagogisch wertvoll, aber menschlich.
Es war das Einkaufszentrum, das für mich, meine Familie und meine Freunde der Anlaufpunkt Nummer Eins war, der Ort, an dem ich selber schon mal abends schnell mit einer Freundin gewesen war, nachdem der Mann von der Arbeit nach Hause gekommen war… Es war zu nahe, 20 Autominuten von hier. Die Polizei uns schräg gegenüber nur wenige hundert Meter entfernt schicke immerzu Bereitschaftspolizei los und wir hörten die Sirenen alle paar Minuten… Es war gespenstisch. Während noch immer nicht klar war, was passiert ist, hieß es doch noch das Geschehen am Stachus wäre falscher Alarm gewesen- kein Wunder, die Menschen in der Innenstadt müssen wie die Polizei in Habtacht gewesen sein und wir Familien und Freundinnen tauschten uns derweil aus, ob alle unsere Lieben zu Hause wären, das waren sie, bis auf mein Mann und den einer Freundin, der auch auf einem Firmensommerfest war, ausgerechnet heute… Ich schrieb mit meiner Schwester, denn ich machte mir auch Sorgen um sie als Muslima, ob ihr nicht eine Welle des Hasses entgegen kommen könnte, aber sie war ganz ruhig und entspannt…Menschen auf Twitter fragen, ob es uns und anderen aus München gut ginge. Ich putzte den Kindern, die Zähne dachte an all die Menschen, die verletzt in Krankenhäusern lagen, die Polizei die versuchte das Gebäude zu sichern, all die Menschen die voller Panik nur ihren Instinkten folgend geflüchtet waren…
Mit verstohlenen Blicken verfolgte ich auf meinem Handy die Nachrichten, Ärzte und Pflegepersonal wurden in die Krankenhäuser gerufen, während ich den Kindern in unserem Bett ein Lager bereitet hatte für Sechs und sie eine weitere DVD gucken durften. Zu dem Zeitpunkt war nicht klar, ob der Mann heute noch nach Hause kommen könnte, wann die Lage klarer wäre, es sicherer wäre, wenn wir wüssten, was da passiert war.
Es war ein furchtbarer Schwebezustand und beklemmend, den Mann nicht sicher im Arm zu wissen, dieses Ungewissheit, diese Unwissenheit war schlicht schrecklich… Es war da ganz nebensächlich, ob es ein Akt des Terrors gewesen war oder ein Amoklauf. Es war schlicht zu nahe und nach dem Putschversuch in der Türkei, dem LKW in Nizza, dem Angriff in Würzburg, die Schießerei in Orlando, den Anschlägen in Brüssel und Paris, die aggressiven Menschen ins Clausnitz war unsere „westliche“ Welt erschüttert, dass es anderswo auch viel zu viele Tote gab, liest man, es es kommt einem weiter weg vor… Das ist die schmerzliche Wahrheit. Dieses Gefühl, dass das alles aufhören soll und was Menschen bewegt andere aus dem Leben zu reißen…
Aber auf der anderen Seite war da auch wieder soviel Mitgefühl, so viele tolle Menschen, die ihre Türen geöffnet haben für Menschen ohne Bleibe für diese Nacht, andere die Gestrandete mit dem Auto abholten, als die Autobahnen wieder befahrbar waren…
In der Nacht als der Mann mit zwei Mitfahrern nach Hause gefunden hatte, (danke dafür!) war die Stimmung immer noch gedrückt, am Morgen las ich wieder Nachrichten und wartete darauf, dass der Freiarbeitssamstag samt Sommerfest in der Schule abgesagt werden würde oder die Geburtstagsfeier am Nachmittag, aber nichts davon passierte… Es war beinahe unheimlich wie normal dieser Samstag war und dieser heutige Sonntag, als wäre nie etwas gewesen, als hätte nicht eine Stadt den Atem angehalten, aber all das war real, all das ist passiert, es sind Menschen gestorben, vor allem junge Menschen, Kinder… Und als ich vom Schnellrestaurant las, wurde mir übel, ich hatte erst nach einem der zu vielen Sommerfeste in dieser Woche in einem solchen gesessen mit zwei Kindern und Baby vorm Bauch ein Eis gegessen und mich gewundert, wie unterschiedlich das Klientel dort wäre… Morgen werden wie die Polizei schrieb, einige Kinder nicht in die Schule gehen, nie mehr, für uns dreht sich die Welt weiter, aber es bleibt diese dumpfe Gefühl, das ist etwas Furchtbares in unserer Mitte passierte…
Als ich heute mit all diesen Gedanken und nach dem Verfassen dieser Zeilen mit den Kindern ins Freibad fuhr, hingen die Fahnen an unserer Polizei noch auf Halbmast und eine Lehrkraft schickte via Mail gerade noch ein Merkblatt für Eltern zur Krisenbewältigung… Nur an Kleinigkeiten merkt man, dass diese Welt, unsere Welt, unsere Stadt in dieser Woche erschüttert wurde… Ich bleibe zerrissen zwischen Dankbarkeit und Mitgefühl.

Drei Monate Mutter von Sieben

Juli 17th, 2016

Heute gab es einen Moment, in dem ich mich so sehr an Weihnachten und die Zeit drum herum erinnerte… Seit Langem eine Schwangerschaft an die ich wirklich gern zurück denke, obwohl es hier und da auch derbe Tiefen gab, war es eine super schöne Zeit und das denke ausgerechnet ich, die immer sagt, bei einer Schwangerschaft sei immer nur das Ziel das Ziel…
Da lag sie nun vor mir, meine Kleinste. Das Kind, das wirklich ein Mädchen geblieben ist… Ein Mädchen auf das ich vielleicht schon etwas länger gewartet hatte. Jeder meiner Söhne ist und bleibt einzigartig und gerade die letzten Zwei waren herbei gesehnt, also auch weil ich spürte, dass sie es waren auf die ich wartete. Ich werde nie die eine Ultraschalluntersuchung vergessen, bei der die Ärztin meinte, sie fände keinen Penis mehr… Ich war wirklich erschrocken, ich spürte meinen Sohn… Sie fand den verschollenen Penis Gott sei Dank, ein paar Bewegungen mit dem Schallkopf später wieder, aber vielleicht wegen dieser Anekdote konnte ich nicht so recht glauben, dass es dieses Mal wirklich das Mädchen sein oder bleiben sollte. Zwei, drei Kleidungsstücke hatte ich in den Jahren aufgehoben, in den Monaten der größten Qualen hatte ich sie oft heraus geholt, hinein geweint und mich gefragt, ob ich jemals wieder ein Kind erwarten würde… Es folgten diesen wunderbaren Söhne und nun trug die kleine Tochter wirklich und wahrhaftig ein paar dieser gesammelten Werke… Unfassbar.
Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich nach diesen Verlusten wirklich noch mal, nicht eines, nicht zwei, sondern drei Kinder gebären könnte und nun sind sie so ein schöner, unwegdenkbarer Bestandteil meines Lebens…
Drei Monate sind wir nun zu Neunt, ich bin eine Mutter von sieben Kindern. An den allermeisten Tagen bin ich einfach nur im Herzen glücklich und dankbar und erfüllt, gefüllt bis zur Nasenspitze mit Zufriedenheit… Es gibt einfach kaum etwas, dass ich hätte anders machen wollen, etwas was ich vermissen könnte, außer mehr Zeit für mich :)
Es gibt Tage, an denen denke ich: „Oh mein Gott, was hab ich nur getan, wie soll ich nur jemals den Bedürfnissen von allen Kinder richtig gerecht werden?!“ Wenn keine Zeit für nichts und niemanden ist. Ich mich frage, wieso ich nur dieses und jenes gerade gesagt oder getan habe?! Und ich denke, dass ich die Kinder jetzt schon vorsorglich alle bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten vorstellen sollte- ganz unbedingt, denn den brauchen sie auf jeden Fall irgendwann, nach dieser Kindheit! Und dann gibt es Tage an denen alles so wunderbar ineinander übergeht, ich sehe wie alles funktioniert, alles aufgeht, sich gute Gespräche entwickeln, alles seine Zeit hat, sich alles findet… Und so lange es dieses Momente auch noch gibt, sich diese sehr verschiedenen Tage und Sichtweisen auf alles fröhlich die Klinke in die Hand geben, kann es doch nur das bunte, volle, unberechenbare Leben sein oder?!

Wenn ich könnte…

Juli 5th, 2016

Manchmal hadere ich mit dem, was ich tue. Oder viel eher nicht tue. Dinge, die mir wichtig sind und auf der Strecke bleiben. Unausgesprochenes, Ungeschriebenes, all das was liegen bleibt. Ohne Worte. Wünsche und Gedanken, die der Wind einfach mit nimmt, die vergessen und doch in Erinnerung bleiben.

Das kleine ABC des Loslassens…

Juli 3rd, 2016

Als unsere große Tochter damals aus ihren 56er Klamöttchen heraus gewachsen war und das ist nun schon weit über 11 Jahre her, stand ich bitterlich weinend vor ihrem Kleiderschrank. Ich fühlte mich auf der einen Seite so elend, diese Kleidung würde sie nie mehr tragen, diese Zeit war unwiederbringlich vorbei- einfach so. Hatte ich diese Zeit genügend genossen? Gewürdigt? Ich kann mich noch so gut an diese Gefühl erinnern, diese Trauer, dass sie meinen Armen einfach entwuchs und auf der anderen Seite, dieses Kribbeln bei jedem neuen Entwicklungsschritt… Dieses Gefühl, das Loslassen einer Zeit, gab es in den Jahren mit unseren Kindern immer wieder, mit der Großen und mit unseren Söhnen… Das erste laute Lachen, das erste Ergeifen meiner, das erste Begreifen der eigenen Hände, das erste Mal Drehen, Krabbeln, erste Schritte oder Worte, der Beginn des Kindergartens, Abschied daraus, die Einschulung, das Beenden der Grundstufe, das erste Mal allein auf den Spielplatz gehen, Einkaufen, zur Strandpromenade (diese Liste lässt sich endlos weiter führen)- Vertrauen haben und zurückgeben, wissen, dass es sich lohnt, die Kinder in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen- immer wieder kleine und große Meilensteine… Erst Freitag als der Drittgeborene aus dem Schullandheim zurück kam, ein prüfender Blick meinerseits… War er gewachsen?
Unsere kleine Tochter wurde gestern 11Wochen alt- einfach so. Ich musste nicht viel dafür tun, nur zusehen- sie tragen, wickeln, kuscheln, stillen… Begleiten, einfach dasein. Sie ist eindeutig gewachsen und um manche Kleidung, die liegen bleibt, könnte ich auch kniepern, aber jetzt gehen die ersten dünnen Neugeborenen- Tücher, die ich kaufte, da war Zelda nur ein großer Wunsch geflüstert in den Wind. Tücher die ich sehnsüchtig anschaute, während ich über meinen runden Bauch strich und mir vorstellte, wie es sein würde, sie darin zu tragen. Die meisten dieser Tücher sind nichts mehr für unsere jetzigen Bedürfnisse, aber sie hatten ihre Zeit, ihren Einsatz. Jetzt heißt es sie loszulassen, das fällt mir nicht ganz so leicht, aber ist der Lauf der Dinge…

Zudem ist es wundervoll zu sehen, wie sie wächst, lacht, Laute von sich gibt, ihre Hände entdeckt, ihre Beine auf den Wickeltisch knallt, mit ihren großen Kulleraugen alles aufsaugt und so wach ist. Das ist alles so wunderschön, verliert auch in der Wiederholung nie seinen Zabuber und so lasse ich los und genieße die Reise- wie schon sechs andere Male und es bleibt einfach nur ein großes Geschenk, unsere Kinder ins Leben begleiten zu dürfen…

Romantik in der Ehe

Juni 16th, 2016

Er aufm Sprung die Kindergartenkinder wegzubringen, ruft ihr, ebenfalls mit Schulkindern aufm Sprung liebevoll zu: „Ich hab dir schon mal das Putzmittel hochgestellt, damit du dich mit Zelda nicht bücken musst!“ <3 #Vorbesuchsputzen

Unsere Telefonzelle

Juni 10th, 2016

Ein Relikt aus beinahe vergessenen Zeiten: die Telefonzelle. Ein kleiner viereckiger Kasten, der ausgestattet mit einer Tür etwas Privatsphäre bot. Abgelöst durch unsere Mobiltelefone, findet man kaum mehr eine solche in freier Wildbahn. Ausser bei uns. Wir haben unsere eigene Telefonzelle.
Denn nicht nur, dass schon der Gedanke ans blosse Telefonieren reicht, um mich zu stressen, gerade bei Familienfremden, ich es vermeide wo immer es nur geht und durch WhatsApp und Email ersetzt habe, ich kann gar nicht einfach so frei sprechen, weil etwas seltsames passiert, sobald ich etwas aus Plastik an mein Ohr halte: Es wird laut! Ganz plötzlich! Ich habe das nun über ein Jahrzehnt ausgiebig getestet und es stimmt, es geht nicht mehr. Sobald das Läuten verstummt und ich gespannt in den Hörer lausche, egal wie still es zuvor war, auf einmal wird gestritten, geschlagen, gefühlt erzählen ein dutzend Kinder wie ihr Tag war, der Feueralarm geht los, ein Sturm zieht auf, es klingelt ein Nachbar oder der Paketbote. Oder alles gleichzeitig. Und weil man ab und zu trotz Phobien telefonieren muss oder gerade deshalb und ich immer noch keinen Mothers Room habe, ging ich dazu über mich ins Gästelklo einzusperren. Und weil das so genial ist, so revolutionär sich in die hauseigene Telefonzelle zurückzuziehen samt Toilette, die anscheinend früher da draussen immer fehlte, anders kann ich mir diesen Geruch nicht erklären, sieht man in diesem Haus auch Menschen unter 30 mit dem Plastik am Ohr darin verschwinden, da oh Wunder, diese Wesen genauso wenig telefonieren können, weil Sturm, Paketbote, Feueralarm und fliegende Äffchen, wie die Menschen über 30 ;)

Von Reisepässen

Juni 7th, 2016

Sieben Wochen ist Zelda nun alt und am Montag stand meine Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt an, sogar Blut nahm man mir noch mal ab. Seltsam war es, denn die Besuche waren in dieser zehnten Schwangerschaft spärlich ausgefallen. Schön war es hingegen mit Zelda da zu sein.
Im Vorfeld hatte ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht, weil es das erste große Event wieder allein ohne Mann war, mit zwei kleinen Kindern einen (intimen) Arzttermin bewältigen, nach all den Wochen mit ihm. Würde Anton aus seinem Wagen raus wollen? Würde Zelda sich ablegen lassen, damit der Arzt sich etwas ansehen könnte? Sollte ich noch extra den Maxi Cosi mitnehmen, um sie kurz ablegen zu können oder aber würde es dieses eine Behandlungszimmer sein und so unkompliziert ablaufen wie ich mir das dachte?
Als ich dann dran war, staunte der Arzt nicht schlecht, dass Zelda doch auch so schwer bei ihrer Geburt gewesen gewesen war wie ihr Bruder und schien sich zu freuen, dass die geplante Hausgeburt geklappt hatte, danach hüpfte ich auf den Stuhl mit Zelda im Sling und Anton begann beim Geräusch des hoch fahrenden Stuhls zu schreien. Ich hatte Verständnis für mein Kind, dass das vielleicht ein oder zweimal erlebt hatte und nun Angst bekam, säuselte beruhigende Worte und schaute weder auf den grauweißen, flackernden Monitor noch auf den Arzt, der mit mir sprach, sondern nur zu meinem Kind in seiner lila Kinderwagenschale, die ihn schützend umgab.
Diese kurze Untersuchung war auch schnell geschafft und ich setzte mich noch einmal auf die Liege. Als der Arzt das Ultraschallgerät auf meinen Busen ansetzte, war es bei Anton vorbei, das war ihm alles zu unheimlich. Zelda lag hingehen völlig ausgeglichen auf der Liege und schlief weiter. Zufrieden übergab mir mein Arzt den Mutterpass mit den Worten: „Hier! Ihr Reisepass!“ Wie passend, dachte ich… Eine lange Reise lag nun hinter uns und Pässe, hätte ich von anderen Reise schon einige…
Ich solle erneut kommen, wenn ich wieder schwanger wäre, sagte der Arzt lächelnd, wobei ich hingegen nur das Gesicht meines Mannes vor Augen hatte (und vielleicht auch den einen Reisepass, der oben in einer Kiste liegt, für die anderen viel zu kurzen Reisen gab es keine Pässe)… Also fragte ich, wann die nächste Vorsorge wieder anstehen würde, in einem halben Jahr, so schnell wollte wenn denn dann keine weitere Reise planen… Das Kleinkind hatte sich derweil beruhigt, das kleine Mädchen gleitete schlafend wieder in den Sling, ganz nah zu mir und während ich die Praxis verließ, war ich stolz und froh, dass ich diesen Start in den Montag, in diese Woche so gut bewältigt hatte und alles bis auf das Schreien des Kleinkindes gut gewesen war und eine Stück weit, endete ein weiterer Abschnitt meines Lebens…

Wachsende Effizienz…

Juni 4th, 2016

Mit einen frischem Baby wird man ja etwas schneller im Wirken. Immer. Zumindest ist das bei mir so. Es heißt die Zeit optimal zu nutzen.
Hat jemand gerade das Baby auf dem Arm, es ist zufrieden und glücklich und ich habe zwei Arme frei, spiele ich im Kopf sofort durch, was ich am ehesten lieber ohne Baby im Tragetuch schaffen möchte und dabei bin ich schnell, nichts hier mit gemütlich mal eben durchs Wohnzimmer schledern, nein. So also hab ich heute morgen diese Minuten zwischen das Baby von mir zum Kind oder Vater genutzt und ein Buch geschrieben, ein 5 Gänge Menü gezaubert, schnell die Weltherrschaft an mich gerissen, den Tisch abgeräumt und abgewischt, die Spülmaschine eingeräumt und angestellt, die Spüle geputzt, die Küche aufgeräumt, die Stühle hoch gestellt, schnell um und unter dem Esstisch gewischt, Blumen in die Vase geworfen und alles wieder nett drapiert, (was man so macht nach dem Frühstück) nur um mir dann doch wieder Zelda zu greifen, einzubinden und das oberste Bad zu putzen und Staub zu wischen (wie jedes Wochenende), bevor wir zu Zweit mit Anton und Zelda spazieren waren. Das darf ein Ritual werden.
Ja, vielleicht denken Sie an dieser Stelle, warum putzt die denn soviel? Hat die nichts anderes zu tun? Ist der langweilig? Muss sie nach jedem Essen um den Tisch saugen und wischen?! Jein. Müsste/sollte/könnte ich und es ist für besonders ästhetisch wohnen wollende Menschen, doch eigentlich nötig, denn wir sind verdammt viele krümelnde Menschen (auch die Erwachsenen). Mache ich aber natürlich nicht immer, denn da ist ja noch was anderes zu erleben oder zu tun. Aber kennen Sie das große Putzen nach so einem heimischen Kindergeburtstag? Wenn alles voll gebröselt ist? Ich habe hier quasi täglich Kindergeburtstag. Vier mal, wenn es ein besonders krümeliger Tag ist. Es gibt natürlich auch Nahrungsmittel, die weniger Dreck machen als andere. Aber da ich gern täglich unsere Wäsche auf dem Esstisch zusammen lege, ist es doch ganz schlau, wenn der Boden nicht allzu dreckig ist, denn mir fällt ja auch mal was runter. Und wenn dann das saubere weiße Tshirt in die Reste der Blaubeermuffins fällt, ist das nicht allzu effizient. :)

Zeichen und Wunder…

Juni 1st, 2016

Stehen bleiben und auf die Seele warten, die den Körper wieder einholen muss, manchmal fühlt es sich genau so an. Überwältigt vom Anblick unserer kleinen Tochter. Manchmal ehrfürchtig erstarrt, versuchend das Wunder zu begreifen…

In diesem Jahr grub ich meine Füsse das erste Mal in den Pfingstferien in den Sand, vor einem Jahr wanderte ich meinen Gedanken nachhängend schon Ostern hier am Strand auf und ab…
Meine Arthritisdiagnose war damals noch neu für mich, ich war mitten dabei abzustillen, früher als ich es mir gewünscht hatte. Tagsüber bekam Anton nach vielen, vielen Wochen des Anbietens jetzt immerhin schon die Flasche. Auf den Weg in den Urlaub war mein Rucksack auf einmal voll mit Glasflaschen und Milchpulver in Portionen. Es war viel zu früh dafür und gleichzeitig so weit weg. Die Stillkinder hatte ich so spät abgestillt, dass niemand mehr eine Flasche gebraucht hatte. Zuletzt rührte ich 2009 Flaschen für Tom an, mein drittes und bis dahin letztes Flaschenkind. Gewünscht hätte ich mir eine lange Stillzeit, so war das nicht mehr möglich. Ich hatte das rasche Stillende abgetrauert und dieses Loslassen hatte mir viel abverlangt, nun lag die Ungewissheit direkt vor mir. Würde ich die Medikamente vertragen? Oder doch nicht? Würden sie mir helfen oder bräuchte ich gar das andere, stärkere Medikament? Was passierte da eigentlich mit mir? Immer wieder drückten meine Knie, oft andere Gelenke, die Hände, die Hüfte… ich hatte bisher nur Spritzen bekommen, aber was lag da vor mir? Diese Unsicherheit war gross, das Fragezeichen mit dem ich meinen Körper betrachtete auch. Immer wieder lauschte ich in mich hinein, oft ängstlich. Schlimmer aber vielleicht als die Verantwortung trotz allem weiterhin eine liebevolle Mama zu sein, war für mich die quälende Frage, würde ich je wieder Kinder bekommen können oder wäre das das Ende unserer Familienplanung, so fremdbestimmt? Unter dem stärkeren Medikament wäre ein Baby nicht ohne weiteres möglich, gar nicht. Die Nebenwirkungen sind katastrophal. Ich hatte mich zusammen mit meiner Ärztin genau deswegen für die sanftere Methode entschieden, aber würde das ausreichen, mir helfen? Könnte ich mit der Antwort „nein“ auf diese Frage gut leben? Mein Herz wog schwer in diesen Tagen… Denn das Glück lag ja jeden Tag vor mir, meine Familie, mein Mann, meine Kinder in diesem Urlaub, ich hätte gern noch mehr von diesem Wunder, diesem Glück gehabt… Noch mehr Kinder.
In all diesen Gedanken- und Gefühlswirrwarr fand ich einen Stein beim Spazierengehen am Strand. Als ich in sah, dachte ich sofort an einen Embryo. Ich betrachtete ihn oft und fragte mich insgeheim, ob das ein Zeichen sein könnte. Ich nahm ihn mit nach Hause, diesen magischen Stein und legte ihn mir ins Bad, direkt neben meine Zahnbürste, dort sah ich ihn jeden Tag, mehrmals. Mit Faszination und Ehrfurcht betrachtete ich ihn.
Diese langen Tage, in denen ich auch nachts aufhörte zu Stillen, das Medikament zu nehmen begann, mir immerzu Blut abnehmen liess, um zu schauen, ob ich es vertrug und gleichzeitig hoffte, es möge mir helfen. Ich bekam einen Zyklus, weil ich nicht mehr stillen konnte, zaghaft noch… Der Körper war frei, ich hatte etwas abgenommen und minimalst Sport betrieben, um meinen Gelenken zu helfen, ich fühlte mich wohl in meiner Haut. Und dann plötzlich in dem schönsten Freibad- Sommer mit meinen Kindern hatte ich einen wie immer sehr schmerzhaften Eisprung und zählte… Oh ja, da könnte jetzt etwas Zauberhaftes passieren und das tat es. Ich fühlte es, ich ahnte es, ich wusste es schliesslich, erzählte dann dem Mann davon und fuhr vier Wochen mit meiner Familie in den Sommerferien erneut ans Meer, Anfang der sechsten Woche. Bepackt mit all den Zaubermitteln, die ich einnehmen wollte und musste- und meinem Stein. Hoffend, Zuversicht suchend. Und fuhr nach vier Wochen zwar angespannt, aber glücklich, noch immer schwanger wieder nach Hause. Und blieb schwanger und wurde runder und immer runder, bis wir Mitte der Schwangerschaft erfuhren, wir bekämen eine Tochter. Darüber hinaus hofften wir weiter, dass sie gesund sei, wegen der Tabletten, die ich eingenommen hatte, denn mir ging es bis auf zwei, drei Einbrüche dank der Hormone, die mein Rheuma positiv beeinflussten, wunderbar. Der Fokus lag immer beim Mädchen, das wuchs und wuchs, weitere 20 Wochen und kam schliesslich vor sechs Wochen auf diese Welt. Der Stein blieb und bleibt. Und kam auch dieses Mal mit an die Ostsee. Dort entstanden -etwas mehr als ein Jahr nach dem Entdecken des Steins- diese Bilder.

Von Wehmut

Mai 14th, 2016

In der Nacht vor unserer Abreise ans Meer, konnte ich kaum schlafen… Zu viele Gedanken kamen und gingen und es blieb diese Wehmut. Wenn ich dieses Haus nach dem Aufwachen verlasse, würde ich das Wochenbett hier lassen, all die erste Zeit zurück lassen und wenn ich zwei Wochen später käme, in ein Haus, dass Kleidung beherben würde für ein Kind, das diese niemals mehr tragen würde, hätten wir Eltern nur zwei klitzekleine winzige Tage und dann wäre ein Alltag zurück, den ich kaum bis wenig vermisst habe, in ein Leben, dass mir fremd geworden ist.
Auch wenn das Wochenbett zu halten, alles andere als leicht gewesen war, wäre es nun vorüber, der Zauber der ersten Zeit vorbei. Ich fahre mit einem Kind, dass schon vier Wochen alt ist 1000 Kilometer weit weg, um in einer Zeitblase weitere vierzehn Tage zu verbringen, die uns dann nur noch in die Wirklichkeit zurück bringen wird…
Eine Wirklichkeit vor der ich wirklich zugegeben etwas Angst habe, einen Alltag zu bewältigen, der sich fremd anfühlt und mir nicht mehr so gut passt. Denn die Wahrheit ist, nie war ich entspannter und glücklicher, als in den vergangenen sechs oder sagen wir vier Monaten, bevor dem Mann in der Probezeit gekündigt wurde. Wir hatten uns bis dahin alles mehr geteilt als zuvor, ich fühlte mich nicht mehr überfordert oder zerrissen zwischen Terminen, ich musste nicht mehr immerzu mit sechs Kindern zu Terminen ausrücken oder mit einem Kleinkind beim Arzt sitzen, um mir Blut abnehmen zu lassen, wir hatten das Privileg Zeit schubsen und uns geeigneter formen zu können, so wie wir sie besser gebrauchen konnten. Ich hatte plötzlich Zeit für Dinge, die ich in den letzten Jahren nicht tun konnte, Banales wie allein mit der S-Bahn und zu Fuß mitten an einem Freitag laut Musik hörend in einen Ikea zu fahren. Es hatte natürlich seinen Preis, dafür war der Mann am Wochenende mal nicht da oder im Ausland für eine oder zwei Nächte und ich war schwanger allein gewesen. Aber wenn ich zum Wellness fuhr mit meiner Schwiegermama und meiner Schwägerin, fehlte mir meine Familie, weil ich gar nicht erschöpft genug war, ich hatte diese Pause gar nicht so dringend nötig wie die Jahre zuvor. Es ist im Alltag einfach nicht leicht, Nischen und Zeit für sich zu finden, für Selbstfürsorge oder Psychohygiene, nein es ist verdammt schwer. Verdammt einfach ist es, sich in diesem Hamsterrad zu verlieren. Und da man wohl die beste Mama ist, wenn es einem selber gut geht, mache ich mir eben meine Gedanken über die Zeit nach diesem Urlaub…
Ferien, die ich genießen werde, weil es völlig egal ist wie viele Gedanken ich mir mache, denn der Alltag bekommt mich wieder, allein oder zu zweit mit oder ohne genossenen Urlaub. Ich denke an all die Dinge, die in den vergangenem halben Jahr zu kurz gekommen sind, weil mein Fokus auf anderen Dingen lag, einen Fokus den ich versuche nun auszurichten auf all die Dinge, die mir gefehlt haben, Freundinnen treffen wäre das Erste, das mir in den Sinn kommt. Aber ich weiß auch dieser Spagat zwischen an sich denken und jemand Liebes zum Frühstück treffen und danach losrennen müssen, um Kinder einzusammeln, Mittag zu kochen, Hausaufgaben neben Geschwisterstreitigkeiten und Stillen möglich zu machen ist etwas kompliziert- ich war zwar in den vier Monaten auch auf mich gestellt damit, aber allein dieses Gefühl, dass da noch jemand wäre, falls etwas ist… Das war schön. Auch freue ich mich auf Ruhe und Zeit für mich und meine geliebten Selbstgespräche. Genau genommen bin ich also hin und hergerissen zwischen den mannigfaltigen Vor- und Nachteilen eines Lebens, das beinhalten wird, dass der Mann und Vater von sieben Kindern morgens mit den Kindergartenkindern das Haus verlässt, um im Anschluss in die Arbeit zu fahren und abends zwischen 19 und 20Uhr erst wieder Heim kommt. Das ist einfach verdammt wenig Zeit, für uns, für die Kinder, für uns alle als Familie, auch wenn es großartig ist, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wie man seine Rechnungen bezahlen soll. Dieser Mann an meiner Seite, von dem ich verdammt viel hatte in den letzten Monaten und Wochen, wird mir einfach unglaublich fehlen. ♥

Meer #Tag1

Ein von fraukassiopeia (@fraukassiopeia) gepostetes Foto am

Und weil da zwei Wochen mit ihm und den tollsten Kindern auf mich warten, zogen wir heute morgen im Dunkeln los mit dem magischem Schlüssel in der Hand, um das Zauberhaus zu besuchen…